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Zuger Architekt erhält internationale Auszeichnung

Mit der Sanierung eines historischen Gebäudekomplexes hat das Architektenbüro Röösli gezeigt, wie Altes mit wenigen Eingriffen nachhaltig umgenutzt werden kann. Ein internationales Gremium weiss dies zu würdigen und hat den Zuger Architekten ausgezeichnet.
Andreas Faessler
Teilen sich den Sinn für die Erhaltung historischer Bausubstanz: Architekt Patrick Röösli (links) und Bauherr Reto Nussbaumer vor dem südlichen Gebäudeteil des prämierten Ensembles aus dem frühen 20. Jahrhundert. (Bild: Stefan Kaiser)

Teilen sich den Sinn für die Erhaltung historischer Bausubstanz: Architekt Patrick Röösli (links) und Bauherr Reto Nussbaumer vor dem südlichen Gebäudeteil des prämierten Ensembles aus dem frühen 20. Jahrhundert. (Bild: Stefan Kaiser)

Zwischen 1902 und 1905 entstand an der Pilatusstrasse im Einzugsgebiet des einstigen Zuger Bahnhofs ein stattliches Gebäudeensemble mit Wohn- und Gewerbenutzung. Auftraggeberin war die Brandenberg & Cie Zug, die vor allem Pumpen und Armaturen produzierte. Die nachmalige Besitzerin, die Familie Nussbaumer, nutzte das Gebäude von 1995 bis 2014 als Standort ihrer Elektrofirma. Reto Nussbaumer, derzeitiger Denkmalpfleger des Kantons Aargau, hat die Liegenschaft von seinem Vater übernommen und liess sie 2015 renovieren. Dies sollte mit entsprechender Umsicht und vor allem mit Respekt vor der historischen Bausubstanz geschehen. Im Mitteltrakt, wo einst die Werkstätten der Firma untergebracht waren, sollte neuer Wohnraum entstehen.

Die Umsetzung erwies sich planerisch als Herausforderung. Wie können die beiden langgezogenen oberen Etagen, die seit jeher aus je einem einzigen gossen Raum bestanden haben, am besten für Wohnzwecke adaptiert werden – ohne das Gebäude optisch stark zu verändern? Im Zuger Architektenbüro Röösli hat Reto Nussbaumer schliesslich einen Partner gefunden, der eine nachhaltige und überzeugende Lösung vorlegen konnte: Das Parterre bleibt weiterhin für Gewerbe vorgesehen. Das erste Etage sowie das Dachgeschoss sind je in einen Loft umgewandelt worden. Rückseitig ist pro Loft ein Balkon angebracht worden, von denen jeder die schlichten Formen der historischen Balkone des nördlichen Gebäudetraktes aufgreift. Die einzige grössere Veränderung des Äusseren sind je vier Lukarnen auf beiden Dachseiten, welche ihrerseits wiederum die bestehenden historischen Lukarnen der Kopfbaute zitieren.

Behutsame Lösungen für Altbauten

Nun haben der ausführende Architekt Patrick Röösli und Bauherr Reto Nussbaumer von hoher Stelle die Bestätigung erhalten, dass sie an der Pilatusstrasse das Richtige gewählt haben: Vom Forum Stadt – Netzwerk historischer Städte mit Sitz in Esslingen am Neckar hat Röösli die Anerkennung des Otto-Borst-Preises verliehen bekommen. Der internationale Preis zeichnet herausragende Massnahmen aus, welche sich hinsichtlich Stadterneuerung, Erhaltung, Sanierung und Umnutzung im Kontext lebendiger historischer Städte besonders hervorheben. Für Patrick Röösli eine hocherfreuliche Nachricht – sein Projekt ist das erste in der Schweiz, welches diesen Preis erhalten hat.

«Als Architekt muss man den Mut haben, den Wert von alter Bausubstanz zu schätzen», sagt Patrick Röösli. Dass er diesen Grundsatz beherzigt hat, zeigt sich hauptsächlich im Inneren des umgenutzten Mitteltraktes: Die originalen Holzböden aus der Erbauungszeit sind aufbereitet und wieder eingesetzt worden, die Stahlsäulen mit allen Spuren aus alter Zeit bis auf eine unverändert belassen, die historischen Fenster wo immer möglich nicht ersetzt, sondern restauriert. «Aus denkmalschützerischer Sicht gibt es für jedes historische Objekt behutsame Lösungen, im Rahmen derer die Qualität der alten Substanz auch in den Neuerungen fortgesetzt werden kann», ist Röösli überzeugt. «Architekten müssen im Stande sein zu erkennen, wie Altes fachgerecht den heutigen Bedürfnissen angepasst werden kann. Dabei müssen keine neuen architektonischen Zeichen gesetzt werden, sondern allein mit Ergänzen und Einfügen lässt sich viel erreichen.»

Diesbezüglich sieht Bauherr und Denkmalpfleger Reto Nussbaumer in der Gesellschaft noch Sensibilisierungspotenzial. «Es scheint oft an der Auseinandersetzung mit der Thematik zu mangeln. Alles spricht von Nachhaltigkeit und glaubt, diese nur mit modernen Baustandards zu erlangen.» Aber Nachhaltigkeit könne man genauso gut bei historischen Gebäuden erreichen. Nussbaumer vermutet eine mögliche Ursache im Dialog zwischen den Architekten und der Bauherrschaft. «Oft fürchten Architekten wohl, dass die Bauherrschaft einen Rückzieher macht, wenn man ihnen empfiehlt, eine Erhaltung und Sanierung des historischen Objektes zu prüfen. Das möchten die Architektenbüros aber nicht riskieren.» Dabei lasse sich oft mit wenigen Eingriffen Altes wieder «fit» machen. Das Beispiel Nussbaumer zeigt dies anschaulich.

Ein «unaufgeregtes Projekt»

Dieses wusste man in Rostock zu würdigen, wo die Tagung des Netzwerks historischer Städte und die Otto-Borst-Preisvergabe unter den insgesamt 35 eingereichten Arbeiten stattfand. Industrie-Feeling beim Wohnen und Arbeiten im Denkmal – bis ins Detail!, so lautete beim Gremium die anerkennende Umschreibung des Zuger Bauprojektes, dem die Juroren einen «sehr sensiblen Umgang mit der vorhandenen Gebäudesubstanz» attestieren. Dass sich Patrick Röösli mit seinem «unaufgeregten Projekt», wie er es nennt, gegen grosse, aufwendige Eingaben behaupten konnte, spricht für sich, findet Bauherr Reto Nussbaumer und unterstreicht noch einmal seinen Standpunkt, dass jedes historische Objekt seine Qualitäten birgt und somit auch innerhalb des Denkmalschutzes gute Lösungen möglich sind.

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