Leserbrief

Mannsbilder

«Mann, bist du überheblich», Ausgabe vom 7. November

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Man kann die Bundesratskandidatur von Peter Hegglin gut finden – oder auch nicht. Und selbstverständlich darf man seine Meinung auch öffentlich kundtun. Was sich aber Journalist Stefan Schmid im Artikel «Mann, bist du überheblich» leistet, ist despektierlich und an Schnoddrigkeit kaum zu überbieten.

Peter Hegglin hat – wie wohl jeder von uns – seine Schwächen. Überschaubare Fremdsprachenkenntnisse scheinen dazu zu gehören. Wer ihn aber persönlich kennt, weiss: ein überheblicher Macho, vergleichbar mit Trump, Putin und Erdogan ist er nicht. Im Auftreten ist er bescheiden und grundanständig. Aber der Artikel haut ja nicht nur Peter Hegglin in die Pfanne, sondern generell alle Männer mit potenziellen oder bereits umgesetzten Ambitionen, insbesondere die Generation 50 plus. Das ist sexistisch, auch wenn ein Sozialpsychologe – pardon: Sozialpsychologin – dem Ganzen eine (pseudo)wissenschaftliche Note verleiht.

In Zeiten von «Me too», in welchen Mann unter Generalverdacht des Vergewaltigers steht und in welchen Mann sich dafür entschuldigen muss, wenn er berufliche und politische Ambitionen hat – vielleicht sogar Bundesrat werden will – statt sofort das Feld fluchtartig zu verlassen, wenn eine Frau die Bühne betritt, passt ein solcher von Stereotypen triefender Artikel offenbar ins gesellschaftliche Umfeld. Gleichberechtigung? Hätte sich ein Artikel nur halb so abfällig zu (überforderten) Frauen geäussert (gibt es sogar im Kanton Zug) hätte sich ein feministischer Shitstorm über dem Schreiberling entladen. Ganz zu Recht. Im vorliegenden Fall wird man wohl zur Tagesordnung übergehen.

Womit müssen all die Männer «im besten Alter», Leistungsträger in Beruf und Gesellschaft sowie langjährig verheiratete Familienväter noch so alles rechnen? Offenbar nicht zwingend mit Qualitätsjournalismus.

Thomas Lötscher, Mann, 50, Neuheim