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Mässig genutzte Trainerhosen-Woche: Kleidervorschriften sorgen für Verwunderung

In Baar dürfen diese Woche ausnahmsweise im Unterricht Trainerhosen getragen werden. Eingesetzt hat sich dafür der Schülerrat. Die überraschende Erkenntnis: Nur wenige machen von der temporären Freiheit Gebrauch.
Christopher Gilb
Ein Teenager in Trainerhosen. Im Schulhaus Sternmatt 2 in Baar wäre ein solches Outfit diese Woche erlaubt. (Bild: Symbolbild: Christian Vierig/Getty)

Ein Teenager in Trainerhosen. Im Schulhaus Sternmatt 2 in Baar wäre ein solches Outfit diese Woche erlaubt. (Bild: Symbolbild: Christian Vierig/Getty)

Was man in der Schule anziehen darf und was nicht, ist im Oberstufenschulhaus Sternmatt 2 in Baar genau geregelt. «Wenn im Sommer ein Mädchen mit einem Träger-Shirt in den Unterricht kommt oder etwas Bauchfreies trägt, dann bitten wir sie, eines der schönen blauen T-Shirts, die die Schule hat, anzuziehen. Das funktioniert ganz gut», sagt Schulleiter Peter Waser. Toleriert werden auch keine Militärstiefel oder -hosen. «Das war früher noch ein grösseres Thema, als Schüler beispielsweise mit Stahlkappenschuhen gekommen sind. Das ist gewaltverherrlichend, das wollen wir nicht fördern.»

Über die Regeln würden die Schülerinnen und Schüler transparent in der Schulordnung aufgeklärt und müssten dann auch unterzeichnen. Zur Umsetzung setze man auf die persönliche Auseinandersetzung und den Dialog mit den Jugendlichen. Ziel sei es, dass sie lernen, dass man in der Schule nicht das gleiche trage, wie im Ausgang oder eben im Sport. Dass man also am richtigen Ort auch das Richtige anhaben soll. «Schliesslich ist es unsere Aufgabe, sie auch auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten. Dort ist es ja auch nicht hilfreich, wenn man ‹schluderig› gekleidet kommt», so Waser.

Nur in Ausnahmefällen erlaubt

Und gerade im Sport da trägt man klassischerweise je nach Geschlecht bekanntlich Trainer­hosen oder Leggins. Aber nicht mehr nur dort, wie Waser weiss. «Heute werden zunehmend verschiedene Kleidungsarten vermischt, was eine Herausforderung für uns ist, und auch eigentliche Sporthosen sind eben in Mode.» Gerade bei Burschen seien diese sehr beliebt. «Erlaubt sind diese bei uns aber nur, wenn in den ersten Lektionen Sportunterricht ist, oder wir, etwa im Winter aufs Eisfeld gehen.»

Nun hat das Sternmatt 2 seit drei Jahren einen Schülerrat. In diesem sitzt ein Vertreter oder eine Vertreterin jeder Klasse. «Dieser ist beispielsweise für die Planung des ersten Schultags oder des absoluten Höhepunkts für viele Schülerinnen und Schüler: den Weihnachtsball, zuständig und hat dabei relativ freie Hand», so Waser. Auch habe der Rat mitgeredet, was im Pausenkiosk angeboten werde. Ein solcher sei notwendig geworden, weil, heute immer mehr Jugendliche «unternährt» also ohne gefrühstückt zu haben, in die Schule kommen würden. «Natürlich gab es aber Einschränkungen, wir wollen beispielsweise nicht, dass in der Schule Coca Cola gekauft werden kann.»

Nun sei der Schülerrat auch mit dem Wunsch an die Schulleitung herangetreten, das Verbot für die bequemen Trainerhosen und Leggins aufzuheben oder diese mindestens temporär zu erlauben. «Wir haben uns entschieden, dies einmal für eine Woche zu probieren», so Waser. Diese Woche ist es nun soweit. Seit Montag dürfen Trainerhosen getragen werden.

Der Schulleiter rechnete damit, dass viele Schülerinnen und Schüler von der neuen Freiheit gebrauch machen würden. Doch der grosse Aufmarsch blieb aus. «Ich habe bisher pro Tag nur rund eine Handvoll Jugendliche in Trainerhosen gesehen und dies bei insgesamt 250 Schülerinnen und Schüler.» Im Lehrezimmer habe deshalb ein gewisses Erstaunen geherrscht. «Es ist doch Trainerhosen-Woche, sagten wir zu uns, so etwas spricht sich doch normalerweise schnell rum.»

Der Wunsch grösser als das Bedürfnis

Wasers Erklärung fürs Ausbleiben der «Trainerhosen-Flut» ist, dass diese vielleicht doch gar kein so grosses Thema bei den Jugendlichen seien. Oder alleine der Wunsch, es ausprobieren zu können, viel grösser als das eigentliche Bedürfnis gewesen sei. «Oder die Eltern haben interveniert und es gar nicht zugelassen, dass ihre Kinder so das Haus verlassen», so Waser. Ganz auf das Verbot hätte die Schule sowieso nicht verzichtet. «Das würden auch die Eltern nicht goutieren. Die schätzen es nämlich, wenn die Schule gewisse Vorschriften macht, da dies für die Eltern oft eine undankbare Aufgabe ist.» Vorstellbar aber sei gewesen, öfters eine solche Trainerhosen-Woche durchzuführen. «Das Bedürfnis für eine Wiederholung scheint aber nicht da zu sein», so Wasers Fazit.

Sowieso gebe es für die Lehrerschaft dringendere Probleme als die Bekleidung der Jugendlichen. «Die grösste Veränderung ist der rege Handygebrauch.» Dieser stelle die Schule vor grosse Herausforderungen. Doch auch hier hat das Sternmatt 2 eine Regel. Im Schulhaus herrscht im Unterricht wie auf den Gängen Handyverbot. Und wer es trotzdem benutzt, der muss es für drei Tage abgeben.

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