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MATHEMATIK: «Man muss gewisse Blockaden lösen»

Gemäss einer Studie bereitet das Fach vielen Maturanden grosse Mühe. In den Zuger Schulen zeigt man sich jedoch optimistisch.
Luc Müller und Samantha Taylor
Martin Ilg unterrichtet in Menzingen Mathematik und hat viele motivierte Schüler. (Bild Werner Schelbert)

Martin Ilg unterrichtet in Menzingen Mathematik und hat viele motivierte Schüler. (Bild Werner Schelbert)

3, 3, 3,5 – und 6. Eine Umfrage auf unserer Redaktion zeigt: Die Maturanote in Mathematik ist oft ungenügend. Das Fach ist bei vielen schlecht in Erinnerung geblieben. Nun stehen im Kanton Zug ab Mai wieder Maturaprüfungen an. Doch an der Kantonsschule Menzingen scheinen die anstehenden mündlichen und schriftlichen Mathematiktests den Jugendlichen keinen Angstschweiss auf die Stirn zu treiben (siehe Köpfe unten). Im Gegenteil. «Wir sind sehr gut vorbereitet. Unser Lehrer erklärt uns alles bestens», schwärmt die 19-jährige Isabel Liniger, welche in Menzingen die Klasse 4z besucht. Die meisten Schüler dieser Klasse sind nach der 3. Sekundarklasse hierher ins Kurzzeitgymnasium gewechselt: Nach vier Jahren am Gymi machen sie jetzt die Maturitätsprüfung.

20 Prozent sind ungenügend

Ganz so gelassen sehen das aber längst nicht alle Maturanden. So sorgten in der vergangenen Woche Zahlen aus dem Kanton Bern für Aufsehen: In den letzten zwei Jahren schlossen dort 47 Prozent der Maturanden das Fach Mathematik mit einer ungenügenden Note ab – der Durchschnitt lag bei 3,82. Und wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich schrieb, kam 2008 eine gesamtschweizerische Studie zum Schluss, dass 41 Prozent aller Maturanden bei der schriftlichen Mathematik-Prüfung eine ungenügende Note erzielen. Im Kanton Zug sehen die Zahlen nach Informationen von Bildungsdirektor Stephan Schleiss weit weniger dramatisch aus. In den Kantonsschulen in Zug und Menzingen hatten in den vergangenen zwei Jahren einmal 20 und einmal 27 Prozent der Maturanden eine ungenügende Note im Fach Mathematik, wobei die Durchschnittsnote jeweils bei 4,4 lag. Geprüft werden vor allem die drei Themen Analysis, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Vektorgeometrie.

Schlechter Ruf

«Ich versuche wenn immer möglich einen Anknüpfungspunkt zum Alltag herzustellen», erklärt Martin Ilg. Der 42-Jährige ist Ingenieur und hat sich in einem zweiten Studium zum Mathematiker ausgebildet. Seit zwei Jahren unterrichtet er in Menzingen, zuvor war er fünf Jahre lang Mathelehrer an der Kantonsschule Sursee. Bei den Wettervorhersagen würden beispielsweise numerische Strömungsberechnungen angewendet – diesen Zusammenhang zeige er den Schülern auf. «Ich wehre mich gegen den immer wieder vorgebrachten Vorwurf, dass Mathelehrer nur einen Stoff abspulen, ohne diesen den Schülern verständlich zu machen.» Und Ilg weiter: «Natürlich brauchen viele später keine Mathematik mehr, aber das Fach schult unter anderem auch strukturiertes Denken und eine systematische Vorgehensweise, das ist in allen Lebenslagen gefragt», betont Ilg. Dem Fach sei lange ein schlechter Ruf vorausgeeilt: sei es wegen schlechter Erfahrungen mit der Lehrperson oder der Art des Unterrichts. «Bei einigen Schülern muss man zunächst eine Blockade lösen und die Ängste vor Mathe nehmen», betont Martin Ilg. «Heute gilt das Fach aber durchaus auch als cool. Die Schüler wissen, dass Mathematik für viele Fachrichtungen an der Uni gebraucht wird», so Ilg.

Auch Anna Bieri, die seit sechs Jahren an der Kantonsschule Zug Mathematik unterrichtet, wehrt sich dagegen, dass es sich ausschliesslich um eine abstrakte Materie handle, die im Alltag kaum gebraucht werde. «Mathematik ist für viele Studienfächer eine zentrale Grundlage, beispielsweise für Psychologie oder Wirtschaft.» Das ist den Schüler bewusst. «Ich muss mich für das Fach eigentlich nie rechtfertigen.»

Eine gewisse Komplexität

Anna Bieri stellt im Gegenteil derzeit sogar eine neue Tendenz fest: Mathe werde wieder beliebter, insbesondere auch bei den Frauen. So haben sich zahlreiche Schüler der 5. Klasse für das Ergänzungsfach Mathematik angemeldet. Ausserdem verzeichnet die Kantonsschule Zug für den Sommer insgesamt 30 Anmeldungen für das Schwerpunktfach. «Das ergibt zwei Klassen. Wir hatten auch schon weniger Interessenten.» Die meisten seiner Schüler seien sehr motiviert, bestätigt auch Ilg. Vor Prüfungen würden sich die E-Mail-Anfragen häufen. «Ich beantworte dann noch Fragen oder erkläre nochmals einzelne Themenbereiche. Zusätzliche Nachhilfestunden nehmen meiner Erfahrung nach nur wenige Schüler», sagt Martin Ilg.

Ist die Angst vor Mathe also heute ein völlig überholtes Klischee? «Leider nicht komplett», sagt Anna Bieri. «Es ist nach wie vor ein Fach, vor dem einige Schüler Bammel haben.» Diese Angst versuche sie den Schülern zu nehmen. Es sei wichtig, dass Hemmungen abgebaut werden. «Ich passe meinen Unterricht dem Publikum an, ohne das Niveau zu verfälschen. In einer Klasse mit Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten unterrichte ich anders als in einer Mathe-Physik-Klasse. Mein Ziel ist, dass es niemandem ablöscht.» Das Fach dürfe aber auch nicht unterschätzt werden. Es bringe eine gewisse Komplexität mit sich und sei sehr aufbauend. «Wer den Anschluss verpasst, der wird Mühe haben, später wieder einzusteigen. Man muss immer dranbleiben.»

Was unternimmt die Politik?

Stephan Schleiss, Bildungsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Stephan Schleiss, Bildungsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Stephan Schleiss, Mathematik geniesst den Ruf, bei vielen Schülern unbeliebt zu sein und einigen Mühe zu bereiten. Inwiefern gibt es auf politischer Ebene Bestrebungen, daran etwas zu ändern?
Stephan Schleiss: Die Noten aus dem Kanton zeigen kein dramatisches Bild. Was die Abgänger der Volksschule anbelangt, wird im Frühling 2016 die erstmalige Überprüfung der Grundkompetenzen Erkenntnisse liefern, wo wir als Kanton und in den Gemeinden stehen. Gerade auf der Sekundarstufe sind wir gut mit Mathelektionen dotiert. In der Primarschule gibt es noch etwas Luft nach oben, was wir überprüfen werden. Fakt ist: Wir brauchen am Ende aller Ausbildungen mehr Technikerinnen und Techniker, Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Dieser Mangel auf tertiärer Stufe besteht.

Was ist konkret geplant?
Schleiss: Mint – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – wird im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 gestärkt. Dazu gehört beispielsweise Informatik als Modullehrplan. Die Planung im Kanton Zug beginnt diesen Frühling. Ebenso ist die Stärkung von Mint einer der Eckpfeiler in der im letzten Jahr erarbeiteten Strategie unserer Mittelschulen.

Es gibt seitens des Kantons diverse Projekte, technische Fächer und auch Mathematik attraktiver zu machen. Wie gut ist das bisher gelungen?
Schleiss: Für die gemeindlichen Schulen wird vieles koordiniert mit dem Lehrplan 21 geschehen. Der Bildungsrat hat im Hinblick darauf ein eindrückliches IT-Pionierprojekt der ETH an den Primarschulen im Kanton Uri besucht. An den kantonalen Schulen sind wir einerseits an der Umsetzung der erwähnten Strategie zur Stärkung von Mint, andrerseits läuft die Attraktivierung bereits in vielen Projekten. Noch diesen August soll ein Pilotversuch im Fach Programmieren/Technik starten. Vor drei Wochen war die «ETH unterwegs» an der Kanti zu Gast.

Kann man denn seitens der Politik überhaupt grossen Einfluss nehmen auf die Beliebtheit des Fachs, oder liegt das nicht vielmehr in der Hand des jeweiligen Lehrers?
Schleiss: Die Lehrperson ist entscheidend, davon bin ich überzeugt. Lernen ist vor allem Beziehungsgeschehen. Die Politik kann in erster Linie Rahmenbedingungen für gute Lehrpersonen schaffen. Besonders wichtig: Gute Lehrpersonen brauchen Raum und Zeit, damit ihre Qualitäten zum Tragen kommen können.

Wie gut waren Sie denn in der Mathematik, sprich welche Note stand da in Ihrem Maturazeugnis? Schleiss: In Mathematik hatte ich nur eine 4,5. Richtig gut war ich in angewandter Mathematik. Dort hatte ich eine 5,5.

Luc Müller und Samantha Taylor

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