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Max Huber und seine Karriere in der Fremde

Ein emigrierter Baarer schreibt quasi italienische Grafikgeschichte. Der Kunstkiosk widmet ihm eine Ausstellung zum 100. Geburtstag.
Andreas Faessler
Maria Greco und Kurator Patrick Röösli, beide vom Vorstand Verein Kunstkiosk Baar, vor einem der typischen Plakate von Max Huber (1919–1992). (Bild: Christian Herbert Hildebrand, 5. September 2019)

Maria Greco und Kurator Patrick Röösli, beide vom Vorstand Verein Kunstkiosk Baar, vor einem der typischen Plakate von Max Huber (1919–1992). (Bild: Christian Herbert Hildebrand, 5. September 2019)

Wenn junge Talente das Dorf ihrer Kindheit für immer verlassen, fallen sie in ihrer Heimat unweigerlich der Vergessenheit anheim – irgendwann, früher oder später. So wie der Baarer Grafiker Max Huber, welcher es in der Fremde zu einem beachtlichen Renommé gebracht hat. Im Tessin existiert gar ein ihm gewidmetes Museum.

Im Juni 1919 in Baar geboren, wäre Max Huber heuer 100 Jahre alt. Zu diesem Anlass widmet der Verein Kunstkiosk dem Grafikkünstler selig eine Gedenkausstellung mit Originalwerken und Repliken.

Hauptwirkungsfeld Norditalien

Sein künstlerisches Handwerk erarbeitete sich Max Huber fernab vom Ort seiner Jugend. Bereits in seiner Jugendzeit verliess er Baar für ein Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich, brach es aber schon nach einem Jahr wieder ab – sein Vater konnte die Studiengebühren nicht länger finanzieren. Max absolvierte in Zürich eine Lehre zum Grafiker und knüpfte Kontakte zur Zürcher «Allianz», welcher unter anderem Max Bill, Sophie Teuber-Arp, Hans Erni und weitere illustre Exponenten angehörten. Um 1940 reiste Huber nach Mailand, um im dortigen Studio Boggeri mitzuwirken. Als überzeugter Antifaschist jedoch verliess er Italien zwei Jahre später nach dessen Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende reiste Huber ohne das erforderliche Visum wieder nach Mailand, um bei Boggeri seine Arbeit fortzusetzen. Innert Kürze wurde der Baarer zum gefragten Illustrator und Gestalter. Er zog prestigeträchtige Aufträge an Land, kreierte Plakate und Transparente für Grossfirmen wie die Hotel- und Warenhauskette La Rinascente, den Chemiekonzern Montecatini oder für den Einaudi-Verlag.

Max Huber genoss bald internationale Anerkennung, ab 1954 war er Artdirector bei RAI und von 1959 bis 1962 Grafikdozent an der Scuola Umanitaria. Als er bei einem Designerkongress in Japan seine zukünftige Frau kennenlernte, siedelte Max Huber nach Tokio um und unterrichtete dort Grafikdesign. Ende der 1960er-Jahre zog das Paar ins Tessin. In Lugano war Huber bis 1984 als Dozent am Centro scolastico per le industrie artistiche tätig. Er starb im November 1992 in Mendrisio.

Seiner Zeit weit voraus

Seit 2005 widmet sich das eigens im Gedenken an den Baarer erbaute m.a.x. Museum in Chiasso hauptsächlich seinem grafischen Oeuvre. Die Reproduktionen im Kunstkiosk Baar sind denn auch vom Museum als Leihgaben zur Verfügung gestellt worden. Konzipiert und realisiert hat die Baarer Ausstellung Kurator Patrick Röösli vom Vorstand Verein Kunstkiosk. Er weiss Max Hubers «hervorragendes Schaffen» zu honorieren. «Sein Werk ist allein deshalb schon von Bedeutung, weil es die Grafikkunst des zerstörten Nachkriegs-Italien repräsentiert», so Röösli. «Seine Plakate erscheinen in einem für die 1950er-Jahre erstaunlich fortschrittlichen, modernen Design.» In der Tat: Die dynamisch-kreative Anordnung der grafischen Komponenten, wie auch Farb- und Schriftwahl würde man typografisch so gar nicht in diese zeit verorten wollen. Eher vermutete man dahinter die 1980er-Jahre. Die wenigen, aber wohlausgesuchten Leihgaben aus Chiasso zeigen deutlich: Max Huber war seiner Zeit weit voraus, er gab dem nachkriegszeitlichen Gewerbe Norditaliens ein unvergleichlich individuelles Gesicht.

Ein akustischer Zugang

In einem separierten Teil des kleinen Raumes kann die Besucherschaft dem Baarer Grafiker anhand Originalwerken aus dem Besitz der Gemeinde nachspüren. Die Serigraphien und Zeichnungen lassen deutlich Einflüsse namhafter Zeitgenossen wie Max Bill erkennen. Eine akustische Installation macht den Künstler über einen weiteren Sinn wahrnehmbar – die Klangutensilien, Stimmen und Geräuschquellen stammen aus dem unmittelbaren Umfeld Hubers. Und eine grossflächige Aluminiumtafel im Raum erfasst biografisch den Lebensweg des Baarers und seine Wirkungsorte in Italien, in Japan und in der Schweiz.

Hinweis
Ausstellung im Kunstkiosk Baar bis und mit 27. September. Offen jeweils samstags von 11 bis 15 Uhr oder bei Bedarf auf Anfrage via www.kunstkiosk-baar.ch

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