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MEDIEN: Spiess-Hegglin verklagt «Blick»

Das Boulevardblatt hat im Nachgang zu den Vorkommnissen an der Zuger Landammannfeier die Beteiligten als erstes Medium genannt. Jetzt klagt Jolanda Spiess-Hegglin wegen Persönlichkeitsverletzung.
Auftakt zu einer medialen Hetzjagd: Frontseite des «Blicks» vom 24. Dezember 2015.

Auftakt zu einer medialen Hetzjagd: Frontseite des «Blicks» vom 24. Dezember 2015.

Pascal Hollenstein

Just zu Heiligabend 2014 liess der «Blick» die Sache hochgehen. «Sex-Skandal um SVP-Politiker» titelte das Blatt. Und: «Hat er sie geschändet?» Daneben mit Bild und vollem Namen: der damalige Zuger SVP-Präsident Markus Hürlimann und die damalige Grünen-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin.

Der Artikel schlug ein wie eine Bombe. Zwar war schon zuvor über Vorfälle an der Zuger Landammannfeier am 20. Dezember 2014 berichtet worden. Es sei zu sexuellen Kontakten zwischen zwei Kantonspolitikern gekommen, hiess es. Mutmasslich seien K. o.-Tropfen im Spiel gewesen, mit denen eine Kantonsrätin gefügig gemacht worden sei. Die Justiz untersuche die Sache. Doch diese Medienberichte enthielten keine Namen. ­Damit war es nun vorbei.

Das Tabu einmal gebrochen, wurden Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin zum ­medial beherrschenden Thema. Es folgten Hunderte Zeitungs-, ­Radio- und Fernsehberichte. Es folgte eine Lawine von Beschimpfungen und Drohungen auf Social Media. Die Gier nach der Sensation war gross: Spiess-Hegglin wurde 2015 zum drittmeistgegoogelten Schweizer Promi.

Schlagzeilen weit unter der Gürtellinie

Nur: Weder Markus Hürlimann noch Spiess-Hegglin wollten je diese Art von Berühmtheit erlangen. Spiess-Hegglin war vor der Publikation des Artikels noch nicht einmal vom «Blick» angefragt worden. Und laut dem Schweizer Presserat, dem Selbstregulierungsorgan der Schweizer Medien, bestand auch kein öffentliches Interesse an den Namen. Im Gegenteil: Mit der identifizierenden Berichterstattung habe der «Blick» den «innersten Kern der Privatsphäre» von Spiess-Hegglin verletzt, urteilte der Presserat 2016. Und weiter: «Wenn ein Mann oder eine Frau mit einem Problem im Intimbereich ins Spital geht, muss er oder sie davon ausgehen können, dass keine Informationen darüber an die Öffentlichkeit gelangen.» Dafür trügen die Medien die Verantwortung.

Hat der «Blick» mit seiner Berichterstattung also die Persönlichkeitsrechte Spiess-Hegglin verletzt? Ja, urteilte der Presserat. Das Blatt profilierte sich ohnehin während der ganzen Geschichte mit Schlagzeilen weit unter der Gürtellinie: «Jolanda Heggli zeigt ihr ‹Weggli›» ist ­ eine davon. Oder: «Ein Nümmerchen für 48 285.85 Fr.!» Und als Spiess-Hegglin eine Karikatur von sich auf Social Media kritisierte: «Spiess-Hegglin stellt ihr Nacktbild online: Hier kommt Star des Tages Jolanda.»

Spiess-Hegglin hatte den «Blick» schon im Januar 2015 eindringlich gebeten, ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren. Doch der Ringier-Verlag, der den «Blick» herausgibt, wollte davon nichts wissen. Auch nicht, nachdem das Urteil des Presserates vorlag. Jetzt muss das Kantons­gericht Zug die Sache klären. Wie Rena Zulauf, die Anwältin von Spiess-Hegglin, sagt, hat sie Anfang September beim Kantons­gericht Zug Klage wegen Persönlichkeitsverletzung eingereicht. Spiess-Hegglin verlange eine «Wiedergutmachung im Sinne einer Rehabilitierung. Wer wie der ‹Blick› hart im Austeilen ist, muss auch hinstehen und ‹sorry› sagen können, wenn er zu weit gegangen ist.» Zulauf sagt, es handle sich beim Vorgehen des Boulevardblattes um eine schwere Persönlichkeitsverletzung. Spiess-Hegglin habe sich zum Zeitpunkt der Publikation in einem schutzbedürftigen Zustand befunden und hätte Zeit zur Verarbeitung gebraucht: «Stattdessen stand sie an Heiligabend und über die Weihnachtstage buchstäblich nackt in der Medienarena des ‹Blick› . Ab diesem Tag kämpfte sie einen fast aussichtslosen Kampf gegen Gerüchte, Unterstellungen und Demütigungen.»

Geklärt ist der Fall nicht, aber eine Meinung hat jeder

Es ist bis heute nicht restlos geklärt, was an der Zuger Landammannfeier wirklich geschehen ist, eine Strafuntersuchung wurde eingestellt. Dennoch hat fast jeder im Land eine Meinung. Viele davon, vor allem politische Gegner, keine gute von Jolanda Spiess-Hegglin. Aufgeschrieben hat eine solche Darstellung der «Weltwoche»-Journalist Philipp Gut. Spiess-Hegglin habe Hürlimann planmässig falsch beschuldigt, um von einem sexuellen Fehltritt abzulenken, so seine These. Das Bezirksgericht Zürich hat ihn wegen dieser Darstellung der üblen Nachrede für schuldig befunden.

Und jetzt also das Verfahren gegen Ringier. Manuel Bertschi ist Co-Geschäftsleiter von Fairmedia, einer Beratungsstelle für Medienopfer. «Jolanda Spiess-Hegglin wurde an Heiligabend und nur wenige Tage nach dem traumatischen Erlebnis an der Zuger Landammannfeier vom ‹Blick› öffentlich blossgestellt», sagt er. «Im Zusammenhang mit einer solchen Sache Name und Bild einer bis dahin der Schweizer Öffentlichkeit kaum bekannten Person zu veröffentlichen, erachte ich als schwer persönlichkeitsverletzend.» Der Anwalt von Ringier wollte zum Fall nicht Stellung nehmen.

Jolanda Spiess-Hegglin spricht heute nach 20 Uhr im «Focus» auf Radio SRF 3 über ihre Erfahrungen mit den Medien.

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