Medikamentenschmuggel
Strafverfahren: Zuger und Obwaldner wollten Hunderte Potenzpillen importieren

Ein 49-Jähriger aus dem Kanton Zug bestellt 200 Tabletten eines Errektionsförderers. Doch weil die Lieferung am Zoll hängen bleibt, büsst ihn das schweizerische Heilmittelinstitut mit 2000 Franken. Gleichviel muss ein 63-jähriger Obwaldner berappen, der gar 660 Pillen eingeführt hatte.

Kilian Küttel
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Immer wieder warnen die Behörden, Medikamente im Internet zu kaufen.

Immer wieder warnen die Behörden, Medikamente im Internet zu kaufen.

Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally

Die Potenzpillen seien sehr wirksam und von hoher Qualität, nach klinischen Standards hergestellt und garantiert sicher, schreiben die Betreiber des Onlineshops in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Für 256 Franken verkaufen sie die 100er-Packung, 461 Franken kostet die Lieferung von 250 Stück, die von einem vierstöckigen Gebäude unweit des Westbahnhofs innert sieben Werktagen in der Schweiz sein soll – für nur 5 Euro Versandpauschale.

Bei welchem Anbieter der Zuger Geschäftsmann die 200 Potenzpillen bestellt, die am 30. Januar 2020 in Zürich ankommen und am Zoll hängen bleiben, geht aus dem Strafbescheid des schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic nicht hervor. Dafür heisst es im Dokument vom 16. März, das unserer Zeitung vorliegt, der 49-Jährige wollte mit seiner Bestellung insgesamt 12'000 Milligramm Taldalafil einführen.

Der Wirkstoff wird zur Behandlung von erektiler Dysfunktion verwendet und soll bedeutend länger im Körper wirken als vergleichbare Stoffe wie etwa Sildenafil, besser bekannt unter dem Markennamen Viagra. Nur: Mit 12'000 Milligramm übersteigt der österreichische Staatsangehörige die zulässige Einfuhrmenge um das Sechzigfache, für den Eigengebrauch sind nur 200 Milligramm erlaubt – pro Monat.

Behörden warnen davor, Medikamente im Internet zu kaufen

Deshalb verurteilt die schweizerische Heilmittelbehörde den Zuger im abgekürzten Verfahren zu 2000 Franken Busse. Gleich hoch fällt die Busse für einen 63-jährigen Deutschen aus dem Kanton Obwalden aus, der im Mai 2019 und im vergangenen Juli gar 660 Tabletten importiert hatte. Auch er überschritt die erlaubten Einfuhrmengen um ein Vielfaches, weshalb die Einfuhr der Präparate «verboten ist und die gesamte Sendung eingezogen wird», schreibt die Heilmittelbehörde im Strafbescheid vom 2. März.

Immer wieder warnt Swissmedic davor, Medikamente im Internet zu bestellen. Der Kauf aus unsicherer Quelle könne gefährlich sein, da in den Arzneimitteln häufig nicht das enthalten sei, was die Packung verspreche. Ein besonderes Augenmerk legen die Schweizer Behörden auf die Einfuhr von Potenzmitteln, bei einer Untersuchung von 140 tadalafilhaltigen Präparaten stiess die Behörde 2019 auf 67 mangelhafte. 52 Präparate waren falsch, 12 gar überdosiert.

Deshalb rät das Heilmittelinstitut, Medikamente nur aus zuverlässiger Quelle zu beziehen: «Nur bei Arzneimitteln aus kontrollierten Bezugsquellen ist gewährleistet, dass die Qualität den Anforderungen entspricht und die Gesundheit nicht gefährdet wird.»