MEDIZIN: Steinhauser wartet sehnlichst auf Heilung

Carl Diener setzt grosse Hoffnungen auf ein neues Medikament. Doch die Zuger Pharmafirma darf es ihm nicht liefern.

Charly Keiser
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Carl Diener vor den 4 Towers, wo die Firma sitzt, die ein Medikament herstellt, das er aber nicht erhält. (Bild Stefan Kaiser)

Carl Diener vor den 4 Towers, wo die Firma sitzt, die ein Medikament herstellt, das er aber nicht erhält. (Bild Stefan Kaiser)

Carl Diener hat Hepatitis C. Angesteckt habe er sich wohl bei einer notfallmässigen Blinddarmoperation, der er sich vor 25 Jahren in Spanien habe unterziehen lassen müssen, erzählt er. Man habe ihn dort mit Drogen betäubt, schildert er weiter. Ein halbes Jahr später beim Besuch seiner Tochter in den USA habe er kaum die Koffer tragen können, so schlapp sei er gewesen. Er sei daraufhin zum Arzt gegangen. «Der hat mich gefragt, ob ich Alkoholiker sei», erinnert sich Diener. «Doch als ehemaliger Fussballtorhüter in Luzern, Zug, Thun und Brunnen trieb ich viel Sport und trank nur Sirup. Meine Blutwerte waren katastrophal, wie die eines Alkoholikers.»

Schliesslich die Diagnose: Hepatitis C. Er habe aber Glück gehabt, ergänzt Diener. Denn er sei für ein Programm mit 1000 Leuten ausgewählt worden, bei dem ihm ein Jahr lang Interferon gespritzt und ein zusätzliches Medikament abgegeben worden sei (siehe Box).

Erneut schlechte Blutwerte

Im letzten November sei er erneut schlapp und müde gewesen und habe diesbezüglich erneut den Arzt aufgesucht, erzählt Diener die neuste Entwicklung. «Ich habe seither zwölf Kilo abgenommen», sagt er und fügt an: «Doch auch da habe ich Glück. Denn es gibt vier Virustypen, und ich habe den zweiten, der am harmlosesten ist.» Trotzdem müsse er nun befürchten, Leberkrebs zu bekommen, sagt Diener, und der Arzt habe ausser der Diagnose nichts machen können. «Meine Tochter ist Direktorin einer Krankenkasse im kalifornischen Santa Cruz», verrät Diener. Und sie habe ihn Anfang Dezember informiert, dass das neue und gegen Hepatitis C sehr wirksame Medikament Sovaldi in den USA zugelassen worden sei. Vor wenigen Tagen habe die europäische Stelle ebenfalls grünes Licht gegeben, und Sovaldi sei jetzt auch in Europa erhältlich. «Und jetzt kommt das Aber», regt sich Diener auf. «Wir sind nicht in der EU. Und eine Sovaldi-Pille kostet 1000 US-Dollar. Ich könnte zwar nun nach Deutschland in die Apotheke gehen und drei Schachteln à 16 000 Euro kaufen und die Therapie beginnen.» Doch man rate ihm abzuwarten, da eine Zulassung wohl auch in der Schweiz bald erfolge.

«Wir sind sehr interessiert, dass Sovaldi auch in der Schweiz zugelassen und für alle Patienten verfügbar ist», betont André Lüscher von der Herstellerin Gilead Switzerland. «Das ist unser ureigenes Interesse.»

Gefahr für die Leber

Hepatitis C wird durch das gleichnamige Virus verursacht und meist durch infiziertes Blut übertragen. Die Infektionskrankheit kann zu schweren Leberschädigungen wie der Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen. Trotz intensiver Bemühungen konnte bis heute kein Impfstoff zur aktiven Immunisierung gegen Hepatitis C gefunden werden. Die bisherigen Schutzmassnahmen beschränken sich darum auf die Verhinderung, indem Blut-zu-Blut-Kontakte mit Infizierten vermieden werden, also beispielsweise bei intravenösem Drogenkonsum, bei dem jeder nur seine eigene Spritze und Nadel verwendet.
Die Standardbehandlung besteht derzeit aus einer Interferontherapie oder der Behandlung mit dem Virostatikum Ribavirin. Beide Methoden sind allerdings nicht zufriedenstellend. Das im Dezember in den USA und vor wenigen Tagen in der EU zugelassene Sovaldi macht vielen Patienten Hoffnung. So sollen gemäss Hersteller neun von zehn Patienten nach der Therapie geheilt sein. Herstellerin Gilead Sciences Switzerland hat die Zulassung und die Aufnahme in die Spezialitätenliste beantragt.