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MEGASTAU: Dieser Kollaps hatte es in sich

Ist Zug am Limit? Nach dem Unfall auf der Autobahn, der fast den ganzen Kanton lahmlegte, stellen sich nicht zuletzt Fragen zur Aufnahmekapazität des Zuger Strassennetzes.
Wolfgang Holz
Rot, rot, rot: Das «Navi» zeigte am Dienstag unmissverständlich an, wie viele Staus es in Zug gab. (Bild: Leserbild Thomas Geske)

Rot, rot, rot: Das «Navi» zeigte am Dienstag unmissverständlich an, wie viele Staus es in Zug gab. (Bild: Leserbild Thomas Geske)

So etwas hat es in der Stadt Zug wohl noch nicht gegeben. In den meisten Strassen staute der Feier­abendverkehr am Dienstag zurück. Kreuzungen waren komplett blockiert von Autos, weil sie sich gegenseitig beim Weiterfahren behinderten. Entnervte Autofahrer stellten ihre Fahrzeuge, wo sie ein Plätzchen fanden, gleich ganz ab, stiegen aus und gingen erst mal einen Kaffee trinken. Besucher der Zuger Messe, die nach Hause wollten, quetschten sich in teils völlig überfüllte S-Bahnen. Kein Wunder: Die Busse der Zugerland Verkehrsbetriebe steckten ebenfalls im Stau fest.

«Man kann sicher von einer Ausnahmesituation sprechen», sagt Sonya Hausherr, Marketing-Leiterin der ZVB AG. Verspätungen habe es infolge des Riesenstaus auf dem gesamten Liniennetz gegeben, insbesondere im Raum Ennetsee, Zug und Baar. «Es waren rund 80 Busse betroffen, und die Verspätungen lagen zwischen einigen Minuten und rund Dreiviertelstunden.» Dabei ist die ZVB bereits ziemlich leidgeprüft und stauerfahren im Kanton Zug. «Wir sind immer wieder mit Einflüssen von Unfällen oder anderen Störungen im Strassennetz betroffen – teils lokal teils regional», so Hausherr.

Hunderte von Litern Dieselöl waren ausgelaufen

Viele Autofahrer können dagegen noch immer nicht verstehen, warum die Unfallstelle in der Blegikurve nicht schneller zumindest auf einem Fahrstreifen passierbar gewesen ist. Schliesslich hatte sich der Selbstunfall des Sattelschlepperfahrers bereits um 15 Uhr ereignet. Zwei Stunden Zeit also bis zur Rushhour.

Hermann Villiger, Einsatzleiter der Stützpunktfeuerwehr Zug, versichert, «dass alle Einsatzkräfte an der Unfallstelle das Maximum gegeben und versucht haben, die Autobahn so schnell wie möglich wieder freizugeben.» Doch der Schaden sei ziemlich komplex gewesen. «Man kann einen 20-Tonnen-Sattelschlepper nicht einfach so zur Seite schieben, dafür sind zahlreiche Vorbereitungsarbeiten nötig», erklärt der Zuger Feuerwehrmann. Zudem sei durch den Aufprall des Sattelschleppers auf den Leitplanken auf beiden Strassenseiten im Tunnel der Blegikurve der Tank des Lastwagens erheblich beschädigt worden. Folge: Gegen 600 Liter Diesel sind ausgelaufen. Wichtig sei es deshalb gewesen, die Fahrbahn und die Tunnelwand vom Öl zu reinigen. «Wenn da später ein Motorradfahrer über eine ölverschmierte Stelle gefahren und gestürzt wäre, wäre dies nicht zu verantworten gewesen», sagt der FFZ-Einsatzleiter.

Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, macht zudem klar, dass beim beschädigten Sattelschlepper die vordere Radaufhängung beschädigt war und ein Getriebeteil ausgebaut werden musste. «Dafür benötigt man mindestens 45 Minuten.» Im Kanton Zug gebe es auch kein Abschleppunternehmen, das in der Lage sei, ein so grosses Fahrzeug zu bergen. Kleiner: «Darum musste das Spezialfahrzeug aus dem Raum Luzern angefordert werden.»

FFZ-Einsatzleiter Hermann Villiger kann trotzdem den Ärger der Autofahrer über den massiven Stau verstehen – nicht ohne anzumerken, dass die Disziplin der Autofahrer in Sachen Rettungsgasse sehr schlecht gewesen sei. «Generell sind unsere Strassen stark ausgelastet, und der Verkehr kollabiert eben schnell, wenn ein kleiner Störfaktor eintritt», so Villiger.

Ist Zug also am Limit – was die Aufnahmefähigkeit der zahlreichen Autos im Kanton mit nun bereits sechsstelligen Nummernschildern und was die Tausenden von Pendlern angeht? Baudirektor Urs Hürlimann hat den Verkehrskollaps am Dienstag «hautnah» miterlebt: «Ich sah den Stau durch mein Bürofenster. Daher habe ich weitergearbeitet und dann den Weg über Walchwil, Arth nach Hünenberg gewählt.»

Im Dezember zeigt der Baudirektor Lösungen auf

Der FDP-Regierungsrat räumt ein, dass das Zuger Hauptverkehrsnetz in der Rushhour stark frequentiert ist – insbesondere die Chamerstrasse sowie die Achsen von und zu den Autobahnen. «Das führt auch ohne einen Unfall auf der Autobahn hin und wieder zu Staus», so Hürlimann. «Andererseits zeigt dieser Vorfall auf, wie verwundbar unser bestehendes Strassennetz ist.»

Das sei mit ein Grund, weshalb man im Rahmen der Revision des Raumordnungskonzepts auch das Gesamtverkehrskonzept diskutieren und entwickeln werde. «Im Dezember werden wir unsere Vorschläge auflegen. Das Ergebnis wird dann ins Gesamtverkehrskonzept einfliessen. Auch haben wir dem Bund signalisiert, dass wir im Kanton Zug bereit sind, an einem Versuch betreffend Mobility-Pricing teilzunehmen.» Was den Bau der Umfahrung Cham-Hünenberg angeht – gerade als Ausweichroute zur Autobahn bei Staus – verspricht Zugs Baudirektor, dass die Umfahrung so schnell wie möglich realisiert werde. «Wir sind auf dem besten Weg, und das Dossier hat auf der Baudirektion höchste Priorität.»

Wolfgang Holz

Der Abschleppwagen musste extra aus Luzern anrücken. Bild: FFZ

Der Abschleppwagen musste extra aus Luzern anrücken. Bild: FFZ

Die Feuerwehr sicherte den Lastwagen... (Bild: Freiwillige Feuerwehr Zug)

Die Feuerwehr sicherte den Lastwagen... (Bild: Freiwillige Feuerwehr Zug)

... und pumpte den restlichen Diesel im Tank ab. (Bild: Freiwillige Feuerwehr Zug)

... und pumpte den restlichen Diesel im Tank ab. (Bild: Freiwillige Feuerwehr Zug)

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