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Baarer präsentieren mehr als nur ein Konzert

«Denk mal» sorgte am Samstagabend, 13. April, für musikalische Glanzlichter und wertvolle Denkanstösse. Eine gelungene Fusion von Musik, Lokalität und ja: auch Politik.
Haymo Empl
Das Baarer Kammerorchester spielte in der Kirche St. Thomas in Inwil. (Bild: Maria Schmid, Baar, 13. April 2019)

Das Baarer Kammerorchester spielte in der Kirche St. Thomas in Inwil. (Bild: Maria Schmid, Baar, 13. April 2019)

Die Kirche St. Thomas in Inwil bei Baar mag gewöhnungsbedürftig sein; die Architektur bricht mit dem herkömmlichen Verständnis von «Kirche». Wenn die Kirche St. Thomas aber mit strahlender Musik und guten Schwingungen gefüllt (und erfüllt) wird, dann wird der Raum ein ideales Medium zum Transportieren von spirituellen, musikalischen, sozialkritischen und politischen Bestandteilen und Fragmenten. Diese Einzelteile können – müssen aber nicht – zu einem individuellen Hör- und Gedankenerlebnis zusammen­gesetzt werden. Genau dieses Kunststück ist dem Baarer Kammerorchester unter der Leitung von Manuel Oswald zusammen mit dem Kammermusikensem­ble Tacchi alti am vergangenen Samstagabend mehr als nur gelungen. «Denk mal» – so der Titel des Abends – ist und war in jeder Beziehung ein bewusst mehrdeutig gewählter Titel.

Zum Konzertauftakt begeisterten die Musiker die restlos gefüllte Kirche mit Edvard Griegs «Zwei nordische Weisen» und – sofern das nicht bereits vor dem Konzert schon bekannt war – wurde bereits vom ersten Ton an klar, dass sich hier ein Spitzenklassen-Konzert anbahnen würde. Nach dem kleinen Ausflug in die perfekte Verschmelzung von norwegischer Volksmusik, garniert mit typischen musikalischen Elementen der Romantik («Kuhreigen und Bauerntanz»), dann direkt Henry Purcells Fantasia c-Moll (Z 738).

Schwerpunkt bildete am Konzertabend das Tripelkonzert von László Weiner für Flöte, ­Viola, Harfe und Streichorchester. In der ursprünglichen Fassung mit Klavier, am Samstag in der bearbeiteten Version für Harfe. Eine kluge Entscheidung, denn dadurch schaffte es das Kammermusikensemble Tacchi alti mit Kathrin Bertschi an der Harfe, dem Tripelkonzert etwas Mystisches zu verleihen. Gerade die Harfe kann – wenn so meisterlich gespielt wie am Samstagabend – in einem solchen Arrangement wunderbar zeigen, wie vielseitig das Instrument klingen kann. Das Stück ist musikalisch anspruchsvoll, die vielen Tempiwechsel machten auch die Begleitung nicht ganz einfach; eine Herausforderung, die das Kammermusikensemble Tachhi alti und das Baarer Kammerorchester allerdings bestens gemeistert haben. Die Zuhörer bedankten sich mit entsprechendem Zwischenapplaus.

Die Geschichte wiederholt sich

Das Tripelkonzert wurde von Manuel Oswald gewählt, weil «die Umstände in der heutigen Zeit schon auch zum Nachdenken anregen sollten», erläutert Manuel Oswald. «Der tragische Tod des jüdisch-ungarischen Komponisten László Weiner im Jahr 1944 in einem ungarischen Zwangsarbeitslager im Alter von 28 Jahren gibt zu denken – dazu die aktuelle politische Lage mit teils fragwürdigen Präsidenten an der Macht, auf allen Kontinenten ... das alles fasst der Konzerttitel ‹Denk mal› sehr gut zusammen», so Oswald weiter. Ausserdem würde man damit auch zeigen wollen, dass sich die aktuelle politische Lage tendenziell zu einem «History Repeating» anbahnen könnte. «Wir hatten diese ungute politische Lage in Europa schon einmal», gibt Manuel Oswald zu bedenken. «Mit den ausgewählten Stücken möchten wir unter anderem auch diesen Aspekt aufzeigen.»

Wenn die beiden Wörter von «Denk mal» zusammengeschrieben werden, entsteht «Denkmal», was wiederum ein «Zeugnis der kulturellen Entwicklung der Menschheit» bedeutet. Schon allein die Titelgebung und die damit mehr oder minder ­verbundenen philosophischen Denkansätze würden abendfüllend sein, was durchaus auch im Sinne des Baarer Kammerorchester war. «Wir haben die Stücke für den Abend einerseits programmatisch ausgewählt, dabei aber auch berücksichtigt, dass verschiedene Stilrichtungen zum Tragen kommen», erklärt Michael Oswald den darauffol­genden Komponisten Antonia Cadara, der einige Jahrhunderte vor László Weiner aktiv war.

Gutgelaunte Musiker

Der Abend war mehr als nur gelungen, es passte einfach alles perfekt. Der Publikumsmix, die musikalische Darbietung, letztlich auch die Lokalität und das passend zur Musik (und eher nicht geplante) Eindunkeln, welches durch die grossen Fensterfronten der Kirche besonders gut wahrnehmbar war und für zusätzliche Stimmung sorgte.

Überhaupt fiel auf, wie sehr die Musiker Spass an der Sache hatten – die Ausstrahlung der einzelnen Musiker und des Leiters Manuel Oswald war elektrisierend; hier erwies sich das architektonische Konzept der Kirche als Glücksfall; denn das Kammerorchester war von allen Seiten bestens ausgeleuchtet gut zu ­sehen bei bester Akustik. Und durch die gute Visibilität sah man auch optisch die Spielfreude. Dies bestätigte Manuel Oswald auch im Anschluss des Konzertes: «Es hat uns wahnsinnig Spass gemacht.» Dem Publikum ganz offensichtlich auch, wie der Schlussapplaus eindrücklich zeigte.

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