Kolumne

Mehr Farbe bitte!

Ein Seitenblick darüber, weshalb es mehr Farben in der Männerabteilung braucht. 

Fabian Gubser
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Fabian Gubser.

Fabian Gubser.

Ich breche hier eine Lanze für alle unverstandenen Männer, die nicht nur schwarz, hellschwarz oder dunkelschwarz tragen wollen. Was haben wir verbrochen, dass die grossen Fast-Fashion-Kleiderläden uns so unverschämt offen ignorieren? Wenn ich mich auf die Suche nach einem neuen (nicht schwarzen) Kleidungsstück mache, fühle ich mich gezwungen, einen Detektiv zu engagieren, der mir erst mal die Männerabteilung ausfindig macht! Meistens liegt diese in der hintersten Ecke, im tiefsten Stockwerk oder in der höchsten Etage. Von aussen ist oft überhaupt nicht zu erkennen, ob die Geschäfte auch T-Shirts, Pullis und Hosen für Männer führen. Ich verzweifle also schon, bevor ich überhaupt in der richtigen Abteilung stehe. Zumindest in Zug komme ich nicht gerade weit. Schlussendlich finde ich mich natürlich in einem bekannten Skater-Laden wieder… Ich werde mir schmerzhaft bewusst, dass ich einer Minderheit angehöre.

Aber ist es nun das Angebot oder die Nachfrage, die im Kleidermarkt dominieren? Vieles spricht für die Nachfrage: Denn im von Dienstleistungsunternehmen geprägten Kanton Zug sind beruflich dunkle Töne angesagt. Weil hier so fleissig «gschaffet» wird, haben sich die Menschen wahrscheinlich einfach schon an ihre nebelgraue Arbeitskleidung gewöhnt und wählen für ihre Freizeit (falls abends noch welche übrig bleibt) dieselben Grautöne für ihre Kleider. Das finde ich, im Gegensatz zu Städten wie Zürich oder Mailand, wo die Menschen bunter unterwegs sind, langweilig. Immerhin: Sobald sich im kalt-nebligen Winter die Chance ergibt, draussen Sport zu treiben, fühle ich mich am Bahnhof wie auf einem LSD-Trip: Überall leuchten und blitzen Neonfarben auf, und zwar nicht nur schüchtern auf kleinen Streifen, sondern auf riesigen Flächen grosszügig auf der ganzen Sportjacke oder -hose verteilt. War das ein Polizist oder ein Feuerwehrmann? Ach nein, nur ein Zuger in seiner neuen Ski-Jacke. Werbung und Realität sind sich dann ausnahmsweise einig (was für die Angebots-Theorie spricht).

Offenbar haben sich im Beruf und in der sportlichen Freizeit zwei diametral unterschiedliche Farbspektren ausgebildet. Ein bisschen mehr Ausgeglichenheit fände ich schön – vor allem bei den Männern.