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Ein Blick in den Proberaum zweier Zuger Chöre

Der Zuger Kammerchor und das Vokalensemble «ad libitum» spannen dieses Wochenende für ein Konzertprojekt zusammen. Die Proben dazu waren verheissungsvoll.
Haymo Empl
Unter der Leitung von Johannes Meister finden die letzten Proben statt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. Mai 2018))

Unter der Leitung von Johannes Meister finden die letzten Proben statt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 30. Mai 2018))

Es hat vielleicht etwas Heilsames, als Konzertberichterstatter einmal einer Probe beiwohnen zu dürfen; denn dort zeigt sich einerseits das wahre Können der Beteiligten – es wird aber auch sehr schnell klar, wie gut oder schlecht es um die Harmonie unter den Chormitgliedern bestellt ist. Vor allem, wenn die Proben in einem so schmucklosen Raum wie in dem des reformierten Kirchgemeindehauses in Zug stattfinden. Da lenkt nichts ab, der Fokus liegt ausschliesslich auf der Musik.

Der Zuger Kammerchor und das Zuger Vokalensemble «ad libitum» spannen erstmals für ein Konzertprojekt zusammen. Zur Aufführung gelangen zwei grundverschiedene Werke: «The Latin Jazz Mass» des in Steinhausen als Kirchenmusiker wirkenden Martin Völlinger und «Da pacem» des in Köln lebenden Komponisten und Saxofonisten Michael Villmow.

Die Gesamtleitung liegt bei Johannes Meister. Ihm während der Proben bei der Arbeit zuzusehen, war faszinierend, schon alleine das Einsingen hatte Grandezza und war vergnüglich. «Wir machen heute eine vege­tarische Version der Tonleiter und singen: Sohohohojaaaa», begrüsste Johahnnes Meister die rund 30 Sänger am Dienstagabend im Probenraum. Und weil ihm dann «Soja» doch etwas zu dürftig gesungen schien, verlangte er nach etwas mehr Fleisch. Bereits nach diesen ersten Minuten an den Proben wurde klar, dass das Niveau hoch sein wird.

Das «Gefühl »der Komposition transportieren

Am Probenabend stand zuerst Michael Villmows Komposition auf dem Plan, die besonders anspruchsvollen Stellen wurden entsprechend geübt, auch hier klang aber das «Üben» bereits so, dass manch andere Chöre froh wären, eine solche Leistung überhaupt jemals erreichen zu können. Johannes Meister forderte da und dort «mehr Glanz» und «mehr Brillanz» – das war es dann aber oft auch schon. Primär ging es ihm darum, dass der Chor das «Gefühl» der Komposition zu transportieren vermochte. «‹Da pacem› basiert auf sphärischen Klängen. Wort und Musik regen zum Nachdenken an und verlaufen, trotz aufwühlender Passagen, weitgehend kontemplativ», erklärt Johannes Meister.

Nach einer kurzen Pause dann ein kompletter Stilwechsel. Johannes Meister erklärt: «‹The Latin Jazz Mass› ist ein mitreissendes Stück voller afro-kubanischer, brasilianischer und karibischer Rhythmen.» Was der musikalische Leiter damit meinte, wurde schnell klar – die Leidenschaft dieses modernen Stückes war im Probenraum sofort hörbar, und da und dort wippte ein Fuss im Takt der Musik. Komponist Martin Völlinger war nun ebenfalls anwesend und begleitete den Chor partiell auf dem Klavier.

Ein Privileg für beide Seiten, denn: «Wenn ich mit einem Chor meine Kompositionen aufführe, kann ich hautnah miterleben, wie meine Musik wirkt. Wenn ich damit berühren kann, macht mich das sehr glücklich», erklärt Martin Völlinger, der unter anderem auch in Steinhausen als Organist tätig ist. Johannes Meister ergänzt: «‹Da pacem› verlangt von den Sängern eine nahezu ‹buddhistische› Haltung und Versenkung, während man bei der Jazzmesse überhaupt nicht mehr stillsitzen oder -stehen kann. Beide Werke sind aber darüber hinaus gespickt mit rhythmischen und harmonischen Herausforderungen und Finessen.»

Ein berührendes und freudiges Spektakel

An den Proben war unschwer zu erkennen, dass der Chor mit beiden Kompositionen problemlos zurechtkam. Im Pausengespräch mit einzelnen Sängern zeigte sich aber, dass «The Latin Jazz Mass» favorisiert wurde. Vielleicht, weil diese Komposition einfach etwas lebendiger wirkt. Der Komponist Martin Völlinger dazu: «Die abwechslungsreichen Grooves, einprägsame Melodien, eine ausgefeilte Harmonik, ein vielfältiger Chor- und Instrumentalsatz sowie ein grosser formaler Reichtum sprechen eine breite Zuhörerschaft an. Dabei soll auch die Gefühlswelt des Einzelnen berührt werden.» Das schaffte Johannes Meister zusammen mit Martin Völlinger und den unglaublich talentierten Sängern schon an den Proben – man darf sich also auf ein berührendes und freudiges Spektakel am Wochenende freuen.

Hinweis
Die Aufführungen sind am Samstag, 2. Juni, 19.30 Uhr im Kirchenzentrum Chilematt in Steinhausen und am Sonntag, 3. Juni, 17 Uhr in der Kirche St. Johannes in Zug. Der Eintritt ist frei, es wird eine Kollekte erhoben.

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