Weltfrauentag
«Mehr Lohn, mehr Zeit und Respekt» – das fordert das Zuger Frauenstreikkollektiv in einem Manifest

Zum heutigen Weltfrauentag hat das Zuger Frauenstreikkollektiv ein politisches Programm veröffentlicht. Darin werfen sie unter anderem den Medien Sexismus vor.

Fabian Gubser
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Am 14. Juni 2019 demonstrierten Frauen und Männer in Zug für mehr Gleichberechtigung.

Am 14. Juni 2019 demonstrierten Frauen und Männer in Zug für mehr Gleichberechtigung.

Bild: Stefan Kaiser

Auf rund 20 Seiten legen die Frauen dar, wie es aus ihrer Sicht um die Gleichstellung im Kanton Zug steht. Anlass sei das 50-Jahr-Jubiläum des Zuger Frauenstimm- und Wahlrechts. Die Themenvielfalt des Papiers reicht von der ökonomischen Situation der Zugerinnen über Sexismus bis Partizipation. Das Manifest entstand im Austausch unter den etwa zehn aktiven Frauen des Kollektivs. Unter ihnen ist auch Kantonsrätin Anna Spescha (SP/Stadt Zug).

Neu ist unter anderem, dass das Kollektiv den Zuger Medien Sexismus vorwirft. So stören sich die Initiantinnen unter anderem daran, dass aus ihrer Sicht Frauen «viel seltener Teil der Berichterstattung» seien und ihr Aussehen im Vordergrund stehe. Zudem würden als Expertinnen und Experten häufiger Männer als Frauen gewählt. Weiter gebe es immer noch zu wenige Frauen, die in der Medienbranche arbeiten und die Mediensprache sei nicht gendergerecht.

Im Kader verdienen Männer besser als Frauen

Bekannt ist die Forderung nach Lohngleichheit. Die Autorinnen argumentieren jedoch zum ersten Mal mit konkreten Zahlen der Fachstelle für Statistik des Kantons Zug. Diese schreibt dazu auf ihrer Website: «Bei gleicher Bildung und gleicher beruflicher Stellung haben Frauen einen tieferen monatlichen Bruttolohn als ihre männlichen Kollegen.»

Und weiter: Der Lohnunterschied werde «mit zunehmender beruflicher Stellung» grösser. Im obersten, oberen und mittleren Kader sei der mittlere Lohn von Männern um 26 Prozent höher als jener der Frauen. Was das Frauenstreikkollektiv nicht erwähnt: Seit 2014 sank dieser Unterschied um immerhin sieben Prozentpunkte.

Zudem stören sich die Autorinnen daran, dass für Frauen die einzige Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, eine Teilzeitstelle sei. Auch dies sollen Zahlen der Fachstelle für Statistik belegen: Rund die Hälfte der erwerbstätigen Frauen im Kanton Zug sind in Teilzeit angestellt. Bei den Männern arbeiten knapp neun von zehn in einem Vollpensum. Zudem sind rund zehn Prozent der Frauen als nichterwerbstätige Hausfrauen tätig (bei den Männern knapp ein halbes Prozent). Dies führe zu negativen Auswirkungen: So sei die durchschnittliche Pensionskassenrente der Frauen nur halb so hoch wie jene der Männer. Es sei also nicht überraschend, dass Altersarmut oft weiblich sei.

Deshalb lautet eine weitere Forderung des Manifests, dass «sich Männer* zu gleichen Teilen an der Care Arbeit beteiligen und dazu vom Kanton und der Gesellschaft ermutigt werden».

Passend dazu fordern die Autorinnen – wenig überraschend – die Wiedereinführung des Gleichstellungsbüros. Ein gleichlautender Vorstoss im Kantonsparlament scheiterte zuletzt im vergangenen Juli.