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Kommentar

Mehr Mut täte gut

Redaktor Christopher Gilb über die mangelnde Diskussionsbereitschaft der Zuger Politik bezüglich zukunftsgerichteter Themen.
Christopher Gilb
Redaktor Christopher Gilb

Redaktor Christopher Gilb

Stolz ist man im Kanton Zug auf die Innovationen, die hier entstehen oder getestet werden. Auf selbstfahrende Busse, moderne Finanzangebote aus dem Cryptobereich oder Lösungen für eine effizientere Warentransportabwicklung. Geht es jedoch darum, politisch zukunftsgerichtete Entscheide zu fällen, oder sich mindestens mit entsprechenden Themen auseinanderzusetzen, ist eher Mutlosigkeit spürbar.

Der Klimanotstand war so ein Thema. Statt den Wunsch der Strasse aufzunehmen, entschied der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug, nicht einmal über eine allfällige Ausrufung diskutieren zu wollen. Oder die Transparenz und das Anliegen Politik für die Wähler noch greifbarer zu machen. Überraschend sagte das Schwyzer Stimmvolk im letzten Jahr ja zu einer entsprechenden Initiative. Der Zuger Regierungsrat sieht jedoch keinen Handlungsbedarf und mahnt gar, dass sich allfällige Spender bei zu viel Offenlegung möglicherweise zurückziehen würden.

Ähnlich fragwürdig liest sich die Stellungnahme des Regierungsrates zum Vaterschaftsurlaub (Artikel vom 8. Mai). Eine nationale Volksinitiative fordert bekanntlich vier Wochen Urlaub für frischgebackene Väter, der Gegenvorschlag der Sozialkommission des Ständerats deren Zwei. Die Zuger Regierung sandte ein deutliches Signal. Sie lehnt den Vorschlag ab. «Allenfalls könnte die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs die Rollenteilung zusätzlich zementieren und fortschrittliche Lösungen – wie zum Beispiel einen Elternurlaub – verunmöglichen», begründete der Regierungsrat in seiner Stellungnahme. Einen solchen würden sich Mutter und Vater paritätisch aufteilen.

Es ist bei weitem nicht so, das alle Kantone den Gegenvorschlag befürworten, aber namhafte Kantone wie Bern, Luzern oder Zürich tun es. Sie alle riskieren also, die Rollenverteilung mehr zu zementieren? Und nicht einmal für den Elternurlaub will sich der Regierungsrat einsetzen, denn er will bei allen aktuellen und künftigen Vorschlägen lieber zuerst «sorgfältig abwägen, ob diese zielführend und kosteneffizient sind und danach auf der Grundlage dieser Beurteilung handeln.» Eine für einen modernen Kanton doch sehr zögerliche Haltung. Offener zeigt sich da die Wirtschaft: Bei Johnson&Johnson beispielsweise haben werdende Väter seit ende 2017 Anrecht auf acht Wochen bezahlten Elternurlaub für die Geburt oder Adoption. Etwas mehr Mut täte auch der Politik gut.

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