Mehr Platz in der neuen Durchgangsstation

Die Durchgangsstation Steinhausen muss neu gebaut werden. Jetzt ist klar: Sie wird grösser und besser zu führen. Zudem wird sie künftig die einzige Station dieser Art im Kanton sein.

Harry Ziegler
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Die Durchgangsstation Steinhausen im Juni 2017. (Bild: Maria Schmid)

Die Durchgangsstation Steinhausen im Juni 2017. (Bild: Maria Schmid)

Er nimmt Formen an: Der Ersatzneubau der Durchgangsstation in Steinhausen wird grösser und zweckdienlicher als der bestehende Bau. Und zudem in der Entstehung kostengünstig, wie der Regierungsrat in seinem Bericht an den Kantonsrat schreibt. Für den Neubau, der Platz für 150 Personen – temporär in ausserordentlichen Lagen für 250 Personen – bietet, rechnet die Regierung mit Kosten von 15,6 Millionen Franken. Der Neubau soll nach Fertigstellung die einzige Durchgangsstation im Kanton Zug sein. Weitere Standorte würden nicht benötigt.

Das erstaunt kaum. Die Neustrukturierung des Asyl- und Flüchtlingswesens ist darauf ausgerichtet, Asylverfahren deutlich schneller, dennoch rechtsstaatlich korrekt abzuwickeln. 60 Prozent aller Asylgesuche sollen innert 140 Tagen entschieden sein. Abgewiesene Asylsuchende werden direkt zurückgeführt. Geführt werden diese Verfahren in Bundesasylzentren. Lediglich die Personen, deren Gesuch weitere Abklärung benötigt, werden auf die Kantone verteilt. Dem Kanton Zug werden 1,4 Prozent der Asylbewerber zugeteilt. Das Staatssekretariat für Migration hat im Sommer 2017 den Kanton wissen lassen, dass er mit einer Schwankungsbreite von 120 bis 222 zugewiesenen Personen jährlich rechnen müsse. Ende September 2018 hielten sich 1175 Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich im Kanton auf.

Hygienische Probleme und eine schlechte Zufahrt

1991 als einfaches Provisorium für 10 bis 20 Jahre gebaut, präsentiert sich die Durchgangsstation an der Zugerstrasse in Steinhausen in einem schlechten Zustand. Es bestehen teils gesundheitsgefährdende Mängel, und der Zustand des Gebäudes ist schlecht. Feuchtigkeitsschäden sind in Böden, Wänden und in der Unterkonstruktion feststellbar. Zudem ist die Zufahrt für die Blaulichtorganisationen ungeeignet, und die Unterkunft ist für Polizeieinsätze zu unübersichtlich. Eine Sanierung wäre nur mit grösserem finanziellen Einsatz möglich, «ein Ersatzneubau ist deshalb unumgänglich», schreibt der Regierungsrat.

Einfacher und günstiger Zweckbau

«Der Ersatzneubau für die Durchgangsstation ist als einfacher Zweckbau ausgelegt, der möglichst kostengünstig in Erstellung und Betrieb ist», heisst es im Bericht des Regierungsrates. Geplant sind 12 grosse Wohnungen für 8 Personen sowie 9 kleinere für 6 Personen. Hinzu kommt eine Quarantänewohnung. Diese Wohnstruktur habe sich in der Praxis bewährt. Die Bewohnerinnen und Bewohner könnten diese optimal nutzen, der Kanton könne diese ohne zusätzliches Aufsichtspersonal betreiben. Bestehen wird das Gebäude aus einem vier- und einem fünfgeschossigen Gebäudeteil, im Winkel um den Innenhof angeordnet. Der innere Bereich ist umzäunt und nur via Eingangsschleuse zu erreichen. Die Durchgangsstation ist rund um die Uhr beaufsichtigt. Im Aussenraum sind Spiel- und Sportplätze angelegt. Ob der Neubau ein Massivbau, ein Hybrid- oder Holzbau wird, das entscheidet sich im Rahmen des Projektwettbewerbs.

Gemeinderat Steinhausen bot Hand zur Erhöhung

Durch die Schaffung einer Schwankungsreserve von 100 Personen kann dem Gemeinderat von Steinhausen entgegengekommen werden. Dieser hatte sich im Mai 2017 in der Beantwortung einer Interpellation der CVP Steinhausen «betreffend der Folgen eines möglichen Ausbaus der Durchgangsstation auf die Gemeinde Steinhausen» mit einer Erhöhung des Kontingents von 100 auf 150 Personen einverstanden erklärt. Ursprünglich wurde mit einem Kontingent von 350 Personen für den Standort Steinhausen geplant. Dieses wurde zuerst auf 250 und schliesslich auf 150 Personen mit Schwankungsreserve reduziert. Der Regierungsrat betont, dass «nur in einer ausserordentlichen Lage beschlossen würde, wie sie etwa im Jahr 2015 bestand oder in den 90er-Jahren auf dem Höhepunkt der Balkankrise», die Kapazitäten zu erhöhen.

Der Neubau der Durchgangsstation soll Ende 2024 in Betrieb genommen werden. Bis dann steht auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals in Zug eine provisorische Durchgangsstation zur Verfügung. Das Areal an der Artherstrasse soll spätestens ab 2026 bebaut werden. (haz)