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Interview

Mehr Raum für junge Stimmen, auch im Kanton Zug

Jung, grün und liberal: So liesse sich die neue Partei, welche sich formiert hat, wohl am besten beschreiben. Für den Kanton Zug hat sie schon einige Ideen in petto und ist motiviert, deren Umsetzung in Angriff zu nehmen.
Vanessa Varisco
Die Köpfe der neuen Jungpartei: Klemens Iten und Tabea Estermann. (Bild: Maria Schmid, Zug, 16. Mai 2019)

Die Köpfe der neuen Jungpartei: Klemens Iten und Tabea Estermann. (Bild: Maria Schmid, Zug, 16. Mai 2019)

Kürzlich hat sich im Kanton Zug die junge Grünliberale Partei gegründet und zählt bislang 15 Mitglieder. Auch in anderen Regionen, wie beispielsweise Zürich, Graubünden oder in Aargau haben sich bereits Jungparteien der GLP gegründet. Im Interview erklären Klemens Iten (20) aus Unterägeri und Tabea Estermann (26) aus Zug vom Co-Präsidium, was auf der politischen Agenda der neu gegründeten Partei steht, welche Herausforderungen sie sehen und wie junge Menschen für die Politik begeistert werden sollen.

In der ganzen Schweiz, auch in Zug, streiken Jugendliche für den Klimaschutz und setzen sich damit für ein «grünes» Thema ein. Wurde die junge GLP im Kanton Zug wegen der zahlreichen Klimastreiks gegründet?

Klemens Iten: Nein, daran lag es nicht, obwohl diese Entwicklung natürlich sehr erfreulich ist. Es ist schön zu sehen, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene für das Klima und damit für ihre Zukunft einsetzen.

Was brachte dann den Stein für die Gründung einer neuen Jungpartei ins Rollen?

Tabea Estermann: In der GLP des Kantons Zug waren viele junge Menschen sehr aktiv und haben an politischen Prozessen mitgearbeitet. Und da es in anderen Kantonen bereits eine junge GLP gibt, war der nächste logische Schritt die Gründung einer solchen auch bei uns im Kanton. Durch das eigene Label werden wir vermehrt nach Aussen auftreten und unsere eigenen Projekte angehen.

Klemens Iten: Ausschlaggebend waren sicherlich auch die Gesamterneuerungswahlen letztes Jahr, bei denen sich seitens der GLP viele junge Kandidaten gestellt haben. Solchen engagierten Menschen möchten wir eine Plattform bieten.

Sie sind beide noch jung. Was hat Sie bewogen im Co-Präsidium aktiv zu werden?

Klemens Iten: Beim Eintritt in die GLP vor ungefähr anderthalb Jahren habe ich schnell bemerkt, dass man hier bald in die politischen Prozesse eingebunden wird. Was mir gefallen hat und weshalb ich mich schnell für dieses Amt bereit erklärte.

Tabea Estermann: Es ist leicht, sich immer über Politiker und deren Entscheide zu beschweren. Stattdessen wollte ich selbst aktiv werden und bin auch bereit dafür, Zeit zu investieren. Im Co-Präsidium sind wir, dass es keine Lücke gibt, sollte einmal jemand ausfallen. Hauptsache, wir erreichen die Jungen. Denn die Politik in der Schweiz muss progressiver gestaltet werden.

Klemens Iten: Die oft sehr hierarchischen Parteistrukturen etwas aufzubrechen ist wichtig. Und für frischen Wind sorgen junge Leute.

Nicht alle jungen Menschen sind gleichermassen interessiert an Politik. Einige wählen nicht und sind von der Partizipation in einer Partei weit entfernt. Wie wollen Sie potenzielle Neumitglieder erreichen?

Klemens Iten: Das ist keine einfache Aufgabe. Gestartet sind wir mit 15 Gründungsmitgliedern, 10 davon arbeiten im Vorstand und haben sich auch schnell dazu bereit erklärt. Neue Mitglieder zu gewinnen, ist natürlich eins unserer Ziele, aber das braucht viel Aufbauarbeit. Vorstellbar wäre etwa, dass wir mit einem Sorgenbarometer abtasten, was die jungen Menschen bewegt.

Welche Rolle spielt Social Media Ihrer Meinung nach, wenn es darum geht, junge Menschen zu erreichen?

Tabea Estermann: Social Media spielt dabei sicher eine, aber wohl nicht die einzige Rolle. Wir müssen als junge GLP auch einen sichtbaren Beitrag zur Politik leisten. Ein ausgeklügeltes Rezept, wie wir die jungen Menschen erreichen, haben wir nicht. Wir werden das «Trial-and-Error» , also das Versuch-und-Irrtum- Prinzip anwenden.

Stichwort: Einen Beitrag zur Politik leisten. Was steht auf Ihrer politischen Agenda im Kanton Zug?

Klemens Iten: Einiges läuft schon gut, aber es gibt noch Luft nach oben. Umweltschutz und Ökologie sind sicher ein Thema. Wir haben das Circulago – eine bemerkenswerte Leistung, aber wir brauchen mehr Ansätze dieser Art. Auch der Ehe für alle sowie der Altersvorsorge soll Rechnung getragen werden. Denn Letzteres wird uns Junge in Zukunft betreffen.

Tabea Estermann: Und ein Projekt, welches sich konkret benennen lässt, sind die längeren Öffnungszeiten in Zug. Die Zuger Jungfreisinnigen sammeln bereits Unterschriften für eine Initiative, welche Öffnungszeiten werktags von 6 bis 20 Uhr und samstags bis 18 Uhr fordert. Dafür wollen wir uns ebenfalls stark machen.

Welche Herausforderungen sehen Sie, neben dem Gewinnen von Mitgliedern, ansonsten als neugegründete Jungpartei?

Klemens Iten: Sich gegen die konsolidierten, grossen Parteien durchzusetzen, ist nicht leicht. Auch den Zeitgeist zu treffen oder die Menschen davon zu überzeugen, dass «grün» und «liberal» zusammenpasst, wird eine Herausforderung.

Tabea Estermann: Ausserdem müssen wir erst Erfahrungen in den politischen Prozessen sammeln. Für uns beide als auch für die anderen Mitglieder ist das neu. Ein Zuckerschlecken wird es nicht, aber mit Sicherheit eine spannende Herausforderung. Das Engagement in der Partei ist ein sinnvolles Hobby, mit dem etwas bewegt werden kann. Vor allem auch junge Menschen können sich einsetzen, unser jüngster Nationalratskandidat ist 18 Jahre alt. Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass nicht nur die Erfahrung in der Politik zählt, sondern auch Platz für junge, kreative Ideen sein muss.

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