Mehrfacher Mord oder einfacher Totschlag?

Laut Anklage hat sich der Beschuldigte im Zuger Doppelmordprozess des mehrfachen Mordes, des Raubs und der Brandstiftung schuldig gemacht. Die Verteidigung will den 46-Jährigen nur wegen Totschlags, Diebstahls und Brandstiftung verurteilt sehen.

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Der Angeklagte im Zuger Eschenring-Mordfall gesteht an der Gerichtsverhandlung die Tötung der philippinischen Haushälterin. (Bild: Aleksandra Mladenovic)

Der Angeklagte im Zuger Eschenring-Mordfall gesteht an der Gerichtsverhandlung die Tötung der philippinischen Haushälterin. (Bild: Aleksandra Mladenovic)

Anklage und Verteidigung gaben am Donnerstag in ihren Plädoyers vor dem Zuger Strafgericht zwei diametral unterschiedliche Schilderungen des Tatgeschehens und der Persönlichkeit des mehrfach vorbestraften Beschuldigten. Dieser war am 23. April 2009 verhaftet worden. Seither ist er in Haft.

Am 17. Februar 2009 hat der heute 46-Jährige laut Anklage in einer Zuger Attikawohnung die 54-jährige wohlhabende Wohnungsinhaberin und deren 36-jährige Haushaltshilfe gefesselt und erwürgt. Mit Wertgegenständen und Kreditkarten verliess er die Wohnung, nachdem er noch Feuer gelegt hatte, um seine Spuren zu verwischen.

Der Beschuldigte selbst ist nur teilweise geständig. Er räumte ein, die jüngere Frau erwürgt zu haben. Die Wohnungsinhaberin aber sei an einem - vermutlich epileptischen - Anfall gestorben, machte er geltend.

Zehn Tage tot in der Wohnung

Klar ist: die zwei Frauen kamen zu Tode und wurden Ende Februar in der vom Feuer beschädigten Wohnung aufgefunden - gefesselt und schon stark von Fäulnis zersetzt. Bei der jüngeren zeugte ein um den Hals gezurrtes und verknotetes Wäschestück von einer Gewalttat.

Bei der älteren konnten die Rechtsmediziner die genaue Todesursache nicht mehr feststellen. Der am Donnerstag befragte Rechtsmediziner erklärte aber, sie sei mit Sicherheit einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen.

Die Staatsanwältin zeichnete das Bild des Täters als äusserst kaltblütigen Verbrecher. In einer höchst angespannten finanziellen Situation habe er beschlossen, die wohlhabende Wohnungsmieterin, die er als Handwerker schon kannte, zu berauben.

Um den Raubplan zu realisieren, sei er «planmässig, konsequent und umsichtig» vorgegangen. Die beiden Frauen habe er aus dem Weg geräumt, weil sie störten. Während der Untersuchung habe der Beschuldigte mehrmals eingestanden, auch die ältere Frau stranguliert zu haben.

Die Staatsanwältin beantragt eine Verurteilung wegen mehrfachen Mordes. Sollte die 54-Jährige aufgrund ihrer Fesselung erstickt sein, käme eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Frage.

In Panik gehandelt

Ganz anders der Verteidiger: Er schilderte seinen Mandanten als arbeitsamen, anständigen Mann. Unter der grossen Belastung habe er begonnen immer mehr Kokain und Alkohol zu konsumieren, exzessiv sei dies in den Tagen vor der Tat geschehen.

Sein Mandant habe an jenem Tag seine Affäre mit der Wohnungsmieterin definitiv beenden wollen, so der Verteidiger. Plötzlich habe die Frau einen epileptischen Anfall erlitten. Die erschrocken schreiende Haushaltshilfe habe er in Panik erwürgt. Dies sei als Totschlag zu werten.

Die ältere Frau sei dem Anfall erlegen. Vom Vorwurf, sie getötet zu haben, sei der Beschuldigte freizusprechen. Bloss um von sich abzulenken, habe er ein paar Schmuckstücke und andere Wertsachen mitgenommen. Von Raub könne keine Rede sein - es gehe um Diebstahl.

Im aktuellen Teil der Hauptverhandlung geht es um die Taten. Verschulden und Sanktionen werden erst im Frühling verhandelt, wenn ein zusätzliches psychiatrisches Gutachten vorliegt.

sda