Mein Lieblingsgegenstand: Mein unverwüstlicher Strohhut

Ob es wie aus Kübeln schüttete oder prall die Sonne schien; mein Hut aus Mexiko hat mich nie hängen lassen.

Christopher Gilb
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Christopher Gilb mit seinem Strohhut. (Bild: Maria Schmid, Zug, 18. Juli 2019)

Christopher Gilb mit seinem Strohhut. (Bild: Maria Schmid, Zug, 18. Juli 2019)

Ferien sind keine Ferien, wenn ich ihn nicht auf dem Kopf habe, meinen geliebten Strohhut aus der Ruinenstadt Palenque in Mexiko. Schon die Geschichte, wie ich zu ihm gekommen bin, ist eine besondere. Wir flogen von München nach Mexiko City und hatten eigentlich einen Anschlussflug in den Süden den Landes, in die Provinzhauptstadt Tuxtla Gutiérrez, gebucht, mit dem Ziel, die Region Chiapas zu erkunden.

Doch der Flug aus München hatte Verspätung – obwohl wir rannten, als gäbe es kein Morgen mehr, hatte das Gate für den Weiterflug bereits geschlossen, als wir es erreichten. Mehr Glück hatte unser Gepäck, das direkt für den Weiterflug eingecheckt worden war und die Reise entsprechend ohne uns antrat.

Die Airline bot uns am Nachmittag einen Ersatzflug in eine andere Stadt in Südmexiko an, und frohen Mutes reihten wir uns bei der Schlange fürs Boarding ein. «Entschuldigung, aber die Airline hat vergessen, ihr Ticket zu registrieren.» Ich konnte es nicht glauben, was mir der Flughafenmitarbeiter da sagte, denn es bedeutete, dass ich bereits den zweiten Flug an diesem Tag verpasste.

Erstmals in meinem Leben musste ich ein Gate verlassen, ohne dort weder abgeflogen noch gelandet zu sein. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, entschieden wir uns also, den Bus zu nehmen und über Nacht zu fahren.

Es gibt Strohhüte und es gibt Strohhüte

Es war bereits Sonntagvormittag, als wir die bekannten Ruinen von Palenque erreichten und in diesem Moment telefonisch von der Airline erfuhren, dass unser Gepäck bereits nach Mexiko City zurückgeschickt worden war. Alles, was ich dabei hatte, war ein Ladekabel, ein Buch und eine Wechselunterhose, seitdem reise ich nur noch mit Handgepäck. Was braucht man als erstes, wenn einem die Sonne prall auf den Kopf scheint? Einen Hut. An einem Stand, wo einheimisches Handwerk verkauft wurde, wurde ich fündig und kaufte für mich und meine Freunde drei Strohhüte zum Preis von zwei.

Es gibt Strohhüte und Strohhüte. Immer wieder in den ­folgenden Jahren wollten es mir Freunde gleichtun und taten sich auch einen zu. Meistens überlebten deren Hüte aber den jeweiligen Urlaub nicht, einmal draufgestanden, rissen sie oder der Wind trug sie davon. Mein Strohhut mit dem schönen braunen Band aber ist anders. Das Material ist kompakt, reisst nicht und lässt auch keinen Regen durch, und er sitzt dank eines auf der Innenseite angebrachten Gummis fest auf dem Kopf. Seit Jahren ist er mir nun schon ein treuer Begleiter auf meinen Reisen. Eigentlich ziehe ich ihn nur ab, wenn er anfängt, mir Kopfschmerzen zu bereiten, eben weil er so gut oder manchmal fast zu gut sitzt. Und so haben wir in den letzten fünf Jahren gemeinsam schon manches Abenteuer erlebt. Wir fuhren auf einem Schiff den Amazonas runter, reisten per Bahn und ­Minibus durch den Kaukasus, machten zusammen den Balkan unsicher, liessen uns von japanischen Megastädten beeindrucken und werden nun bald zu einer Zugreise in Kenia aufbrechen. Es wird sicher nicht unser letztes Abenteuer sein.

Hinweis: In der Sommerserie der «Zuger Zeitung» stellen die Redak­torinnen und Redaktoren ihre ­Lieblingsgegenstände vor.