Leserbriefe
Meinungen zu den Trinkwasser- und Pestizidinitiativen

Zun den eidgenössischen Abstimmungen vom 13. Juni

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Erdgeschichtlich tritt der Mensch erst einige Minuten vor zwölf in Erscheinung. Zu einem gewichtigen Störfaktor für die Natur wird die Menschheit erst in den letzten 2000 bis 3000 Jahren. Als Folge von Brandrodungen und grossflächigen Kahlschlägen entstanden die ersten Steppen und Wüsten. Dazu ein Beispiel aus unserem Lebensraum: Um 1875 waren etwa 88 Prozent der Waldfläche in der Schweiz durch Rodungen und schädliche Nebennutzung vernichtet, ein Zustand mit verheerenden Folgen. Durch Erosion, Murgänge und Überschwemmungen wurden Kulturland und Sachwerte in grossem Ausmass verwüstet. Der Not gehorchend sagte das Volk 1876 Ja zu einem sehr guten Waldgesetz. Wenige Jahrzehnte später war der geschändete Wald weitgehend saniert und ist bis auf den heutigen Tag einer nachhaltigen Nutzung unterstellt.

Weil der Landwirtschaft ein griffiges Gesetz zum Schutz ihres Bodens fehlt, ist der Zugriff auf bäuerlichen Boden relativ einfach. Durch die Zersiedelung, und andere Begehrlichkeiten wurde und wird weiterhin viel zu viel vom besten Kulturland zweckentfremdet. Die aktuelle Landwirtschaftspolitik hält trotz ständig kleineren Nutzflächen am Ziel von wachsenden Erträgen fest. Das dem kurzsichtigen Zeitgeist entsprechende Rezept: «Immer mehr, immer schneller, immer unnatürlicher» ist leider auch in der Landwirtschaft angekommen.

Die grosse Verliererin bei einem rein quantitativen Wachstum ist die Natur und unsere Umwelt. Damit landwirtschaftlich genutzte Böden auf natürliche Art dauernd fruchtbar bleiben, ist Artenvielfalt ein Muss. Wer also in den ackerbautauglichen Regionen über längere Zeit immer die gleiche Nutzungsart und Nutzungsform betreibt, (Monokulturen) ist auf den ständigen Einsatz von Pestizid und synthetischem Dünger angewiesen. Die Folge davon ist, dass unsere wertvollen «Nützlinge» ihren Lebens- und Nahrungsraum verlieren. Bekanntlich lässt sich alles Unerwünschte in der Pflanzen-, Tier- und Pilzwelt mit Gift, zu viel Gülle oder Kunstdünger ausrotten.

Statt leere Versprechen muss die Landwirtschaft in weiten Teilen der Schweiz den Tatbeweis für eine ökologische und nachhaltige Bodennutzung erbringen. Wenn wir als Konsumenten und Stimmbürger weiterhin akzeptieren, dass immer mehr Bauern ihre und unsere Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft bewusst mit Schadstoffen belasten, dann sind wir mitschuldig am dramatischen Sterben unserer Pflanzen- und Tierwelt und an den zunehmenden Pestizidspuren im Trinkwasser und in Nahrungsmitteln.

Kari Müller, Zug


Seit Generationen pflegen wir auf unserem Bauernhof einen Kirschbaum-Hochstammobstgarten mit viel Herzblut. Im Moment steht er in voller Blüte, bereichert unser Landschaftsbild und ist für die Bienen ein Schlaraffenland. Für sämtliche Kirschenprodukte von höchster Qualität haben wir seit Jahrzehnten einen verlässlichen Absatzmarkt aufgebaut.

Bei einer eventuellen Annahme der Trink- und Pestizidfreiinitiative dürften wir weder ein natürliches noch ein chemisch synthetisches Pflanzenschutzmittel einsetzen, um unsere Kirschbäume vor Pilzbefall und Schädlingen zu schützen. Weil wir deswegen die gewünschte Qualität unserer Produkte nicht mehr erreichen würden, könnten wir auch unsere Kundschaft nicht mehr beliefern. Durch den grossen Einkommensausfall würde die Erhaltung unseres Obstgartens keinen Sinn mehr machen, was uns sehr schmerzen würde. Wir danken allen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, die uns am 13. Juni mit einem doppelten Nein unterstützen.

Armin und Brigitte Röllin, Notikon, Baar