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Leserbrief

Meinungen zu längeren Ladenöffnungszeiten in Zug

«Wird in Zug bald länger eingekauft?» und «Warum sind wir so empathisch?», Ausgaben vom 1. und 11. Oktober

Empathie bedeutet nicht nur, sich in andere Personen einfühlen zu können, sondern auch die Lebenssituationen dieser Personen differenziert betrachten und einordnen zu können. So habe ich mit einem Kaderangestellten in der Rohstoffbranche, welcher bis in die Nacht noch in seinem Büro arbeitet, wesentlich weniger Bedauern als mit einer Angestellten bei einem Grossverteiler, die wegen der unsinnigen Initiative länger arbeiten muss. Anders als der Kadermann hat die Kassenfrau wesentlich kleinere Chancen, ihre Lebenssituation durch Jobwechsel verbessern zu können, bedingt durch ihre dürftigere Ausbildung oder eventuell auch mangels Sprachkenntnissen. Ihr kleiner Lohn erlaubt es auch nicht, für ihre Kinder zu Hause eine Nanny oder eine Nachhilfelehrerin anzustellen, wie es der Kadermann selbstverständlich tut. Der Zwang zu Nachtarbeit wirkt sich sehr unterschiedlich aus für Personen, die zum Prekariat gehören und nicht zur Oberschicht. Wer als Kind mit einer Kreditkarte der Eltern aufgewachsen ist, kann sich so etwas wohl kaum vorstellen.

Hans Peter Roth, Baar


Die ALG-Ständeratskandidatin befürwortet offenbar längere Ladenöffnungszeiten. Nicht gerade ein links-grünes Anliegen. Aber es ist schön, dass man die Ansichten von Kandidierenden erfährt. Bedenken Sie: Den längeren Öffnungszeiten vor- und nachgelagert müssen folglich auch viele weitere Menschen arbeiten: Anliefern, einrichten, auffüllen, putzen, kontrollieren, abrechnen etc. – auch für diese weitet sich die Arbeitszeit aus. Erfahrungen zeigen: Längere Öffnungszeiten führen nicht zwingend zu Mehrumsatz, sondern die Einkäufe verteilen sich über mehr Stunden! Und tendenziell wird dafür mehr Personal benötigt, weil Sicherheits- und rückwärtige Vorkehrungen auch erweitert werden müssen. Dazu kommen Lohnzuschläge für Arbeitende während der Nacht. Diese Kosten erhöhen tendenziell das Preisniveau der Produkte – nicht gerade ein links-soziales Anliegen. Grundsatzfrage ist doch: Warum eigentlich dürfen Betriebe in Bahnhöfen auch sonntags und fast rund um die Uhr geöffnet haben? Ist das nicht eine Wettbewerbsverzerrung? Und: Wer muss denn nachts Klamotten oder Gipfeli kaufen? Bei Nachtarbeit wird der natürliche Tag-/Nacht-Rhythmus vieler Angestellter gestört. Aber das spüren die Kunden nicht – sonst würden sie wohl weniger ausgeweitete Öffnungszeiten fordern. Lasst uns unser unbegrenztes Einkaufs- und Konsumverhalten überdenken dürfen, ohne als wirtschaftsfeindlich zu gelten.

Ueli Krasser, Hagendorn


Der Detailhandel ist stark gefordert. Onlinehandel und Einkaufstourismus machen dem Detailhandel das Leben schwer. Da braucht es neue Ideen, eine Stunde länger offen haben, wird aber nicht zum Erfolg führen.

Gerade für Fachgeschäfte wird es noch schwieriger gut ausgebildete Mitarbeiter zu halten oder zu finden. Diese Lücke können keine Studenten oder ungenügend ausgebildete Personen füllen. Im Durchschnitt sind die Geschäfte im Kanton Zug 71 Stunden offen. Reicht das nicht aus?

Eine Stunde länger bedeutet, während der Woche erst nach 20 Uhr und am Samstag ab 18 Uhr am Familien- oder Vereinsleben teilnehmen zu können. Auch Kino- oder Restaurantbesuch wird schwierig. Die Initianten arbeiten nicht im Detailhandel. Natürlich ist es schön, wenn die Anderen immer für einen da sind. Für die Mitarbeiter im Detailhandel ist es aber ein enormer Einschnitt in der Lebensqualität.

Für einen attraktiven Geschäftsmix braucht es motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter. Für die Stärkung der Fachgeschäfte darf eine Stunde länger keine Option sein.

Claudia Hauser, Oberägeri

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