Leserbrief

Meinungen zur Kampfjetbeschaffung des Bundes

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 27. September, Kampfjet

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Man hörte es wieder an der Podiumsdiskussion am letzten Donnerstag in Cham: Es gehe doch nicht an, nur von den 6 Milliarden Franken Beschaffungskosten zu sprechen, man müsse doch auch die Betriebskosten über die ganze Laufzeit berücksichtigen und dann käme man je nach Rechnungsmethode auf 24 bis 30 Milliarden Franken.

Das Argument ist natürlich reine Stimmungsmache. Warum? Weil es niemandem, erst recht nicht aus dem linken Politspektrum, in den Sinn käme, bei einem Schulhausbaukredit die Kosten für Unterhalt und Lehrerlöhne über die ganze Laufzeit von mindestens 50 Jahren einzurechnen, um daraus astronomische Zahlen zu konstruieren. Dasselbe auch bei einer ÖV-Rollmaterialbeschaffung mit den Aufwendungen für Unterhalt, Zugpersonal etc. über die ganze Laufzeit.

Aber ich verstehe die Argumentationsnöte von SP, GSOA und Co.: Da greift man nach jedem Strohhalm.

Ulrich Bollmann, Zug


Der Schutz der Bevölkerung hat viele Facetten. Er umfasst Naturkatastrophen, Epidemien, aber auch klassische militärische Bedrohungen. Für jedes Szenario hat der Bund ein Konzept und ein separates Budget. Am 27. September stimmen wir über eine Grundsatzfrage ab: Kampfflugzeuge zum Schutz der Bevölkerung– Ja oder Nein? Stimmt die Stimmbevölkerung dem Planungsbeschluss über 6 Milliarden Franken zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge zu, kann der Luftraumschutz nach 2030 weitergeführt werden. Der Schutz der Bevölkerung und unserer Armee aus der Luft wird aktuell durch veraltete Kampfflugzeuge sichergestellt. Diese können ihre Aufgabe jedoch nach 2030 nicht mehr zuverlässig ausführen. Damit wir in Zukunft vor Angriffen aus der Luft geschützt bleiben, braucht es neue Kampfflugzeuge. Darum sage ich am 27. September klar Ja zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge.

Roland J. Hubatka, Hptm a. D., Hünenberg See


In der Diskussion um die bevorstehende Abstimmung über den Kredit zur Beschaffung der neuen Kampfjets erscheint mir das Wahlprozedere immer fragwürdiger. Das Schweizervolk stimmt über einen Kredit von 6 Milliarden Franken ab, und damit wohl indirekt auch über die enormen Folgekosten, nämlich über ein Mehrfaches des Anschaffungskredites. Abgesehen von der Grundsatzfrage betreffend Nutzen und Bedarf einer derartigen Anschaffung für die Schweiz stört mich immer mehr die Höhe des Kredites. In der Annahme, dass wir das teuerste Modell kaufen werden, bekämen wir für den Kredit ca. 30 Flugzeuge à je 200 Millionen. Wenn wir uns dann aber für einen günstigeren Jet entscheiden würden, könnten wir uns offenbar für den gleichen Kredit 40 Flugzeuge à je 150 Millionen leisten. Ich frage mich nun wirklich, was wir eigentlich für unsere Luftüberwachung brauchen; sind das nun 30 oder 40 Jagdflieger? Würde dann bei der Wahl von 30 günstigeren Maschinen à je 150 Millionen nicht auch ein Kredit von 4,5 Milliarden reichen, womit sich die Beschaffungskosten um 1,5 Milliarden (und damit sicherlich auch die Folgekosten) reduzieren würden? So meine ich, dass wir uns eben doch zuerst auf ein geeignetes Flugzeugmodell festlegen und den Kredit anschliessend nicht wahllos, sondern gezielt nach den effektiven Kosten gutsprechen sollten. Schliesslich handeln wir bei einer Beschaffung im privaten Bereich meistens auch nach solchen Grundlagen.

Markus Giger, Unterägeri


Irritiert es Sie, dass wir in einem zumindest lokal militärpolitisch sicheren Zeitpunkt über die Beschaffung von neuen Kampfjets diskutieren? Scheint für Sie in Zeiten von Corona die Bedrohung aus anderen Bereichen vordergründiger? Unsere Sicherheit wird durch einen ganzen Verbund staatlicher Institutionen wie Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Nachrichtendienst und Armee täglich sichergestellt. Gerade in Friedenszeiten verantworten die Polizei auf dem Boden und Kampfflugzeuge in der Luft die Sicherheit unserer Bevölkerung. Leistungsfähige Kampfflugzeuge übernehmen den wichtigen Luftpolizeidienst. Unsere Neutralität und unser Status als sicheres Land, das immer auch Vermittlungsdienst für Friedensprozesse bietet, hängen davon ab. Ich bin keine «Armeehelm-Nostalgikerin». Gerade deshalb empfehle ich Ihnen ein Ja zur Kampfjetvorlage. Als Mutter einer jungen Familie und als politisch engagierte Bürgerin will ich eine moderne smarte Armee, die den aktuellen und künftigen Herausforderungen gewachsen ist. Wir Schweizerinnen und Schweizer haben uns in der Vergangenheit immer wieder für eine solche Armee ausgesprochen. Nehmen wir diese Haltung ernst, so bedeutet dies ein klares Ja zur Kampfjet-Vorlage.

Anna Bieri, CVP-Kantonsrätin, Hünenberg