Leserbrief
Meinungen zur Steuersenkung in Zug

«Auch der Kanton spannt einen Schirm», Ausgabe vom 25.März

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Der Bundesrat unterstützt Unternehmen, Selbstständige, Kulturschaffende, Arbeitnehmende und Arbeitslose mit einem Milliarden-Hilfspaket. Das Geld soll denjenigen zugutekommen, die von der Coronakrise am stärksten betroffen sind. Das Wort «Steuersenkung» kommt bei den finanzpolitischen Massnahmen des Bundesrates nicht vor.

Ganz anders im Kanton Zug: An erster Stelle steht eine auf drei Jahre befristete Steuersenkung. Sie hat Einnahmeausfälle von 40 Millionen Franken zur Folge. Wie Finanzminister Heinz Tännler sagt, kommt diese Massnahme allen zugute. Ja, aber haben denn wirklich alle diesen finanziellen Zustupf nötig. Es gibt viele Betriebe, die von der Krise nicht betroffen sind. Einige profitieren sogar davon: Online-Händler, Lebensmittelgeschäfte, und so weiter. Viele Angestellte erhalten nach wie vor den Lohn. Die «normalen» Steuern zu bezahlen, ist unser Zeichen von Solidarität denen gegenüber, die von der Coronakrise hart getroffen werden. Verteilen wir also das Geld nicht mittels Steuersenkungen mit der Giesskanne, sondern setzen wir es dort ein, wo es wirklich nötig ist, um Existenzen zu sichern.

Es geht um Zuger KMU-Betriebe, Selbstständigerwerbende und Angestellte, um Betriebe mit wenig Reserve und um Personen mit tiefen Einkommen.

Im Sinne einer subsidiären Sofort- und Nothilfe, welche die geplanten Massnahmen des Bundes und des Kantons ergänzt und schnell wirkt, wären auch die finanziell gut dastehenden Gemeinden in der Lage, einen Hilfsfonds einzurichten.

Die Alternative – die Grünen Baar haben einen entsprechenden Appell an den Gemeinderat gerichtet. Andere Gemeinden haben diesbezüglich bereits gehandelt.

André Guntern, Vizepräsident Alternative – die Grünen Baar


Die vorgeschlagenen Massnahmen: Bürgschaften bei Krediten für grössere Betriebe; Hilfsbeiträge an Kleinbetriebe in Not; Lotteriegelder an wohltätige Einrichtungen und die Kultur sowie Kredite an Landwirtschaftsbetriebe sind klar, angemessen und gut nachvollziehbar.

Wie die Senkung der Kantonssteuern um vier Prozentpunkte für drei Jahre hingegen die Zuger Wirtschaft wieder ankurbeln soll – darf sicher hinterfragt werden.

Diese Steuerreduktion bedeutet für eine der vielen Zuger Familien des Mittelstands (Steuerrechnung des Kantons rund 5000 Franken) etwa eine Reduktion von 250 Franken pro Jahr oder zirka 20 Franken pro Monat. Damit soll die Zuger Wirtschaft zukünftig angekurbelt werden? Das reicht nicht einmal für die höheren Krankenkassenprämien.

Bei einem Zuger Steuerzahler mit einem zehnmal höheren Einkommen würde die Reduktion dann natürlich rund 3000 Franken pro Jahr betragen.

Der Regierungsrat erwähnt deshalb bereits selber ein mögliches Referendum zur vorgeschlagenen allgemeinen Steuerreduktion. Passt dieser Punkt wirklich ins Corona-Hilfspaket? Vielleicht sind noch zusätzliche finanzielle Reserven notwendig.

Markus Kehrli, Steinhausen