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Auch für das Zuger Gewerbe ist die Stellenmeldepflicht ein Ärgernis

Seit dem 1. Juli 2018 besteht für Berufe mit hoher Arbeitslosigkeit eine Stellenmeldepflicht beim Kanton. Dies betrifft vor allem das Bau- und Gastronomiegewerbe. Aus Sicht der Verbände weist das Gesetz einige Schwachstellen auf.
Cornelia Bisch
Verschiedene Berufe der Baubranche sind meldepflichtig. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 2. August 2018))

Verschiedene Berufe der Baubranche sind meldepflichtig. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 2. August 2018))

Seit knapp dreieinhalb Monaten besteht in der Schweiz die gesetzliche Stellenmeldepflicht für Arbeitgeber bei Berufen mit hoher Arbeitslosenquote. Der Schwellenwert liegt vorerst bei 8 Prozent. Geplant ist, ihn per Jahresbeginn 2020 gar auf 5 Prozent zu senken.

Am stärksten betroffen sind Berufe aus der Gastro- und der Baubranche, wo die Quote teilweise bei 17 Prozent liegt. Das Gesetz wurde im Zuge der Umsetzung der vom Souverän 2014 angenommenen «Masseneinwanderungsinitiative» erlassen. Die Arbeitgeber müssen Stellenangebote in den betroffenen Berufsgruppen zuerst den zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) melden und dürfen sie erst nach Ablauf einer fünftägigen Frist auf eigene Faust ausschreiben.

Lästige Pflicht

Im Kanton Zug sorgt die Meldepflicht vor allem im Gastro- und Baugewerbe für einigen Unmut. «Das neue Gesetz wird allgemein als eher lästige Pflicht wahrgenommen. Freude daran hat niemand», sagt der Präsident des Gewerbeverbands Zug, Roland Staerkle. «Obwohl das RAV hier in Zug sehr speditiv arbeitet, bedeuten fünf Arbeitstage Sperrfrist meistens doch eine ganze Woche.» Diese wertvolle Zeit verstreiche, ohne dass der Arbeitgeber etwas unternehmen könne. Die Wartefrist muss auch dann eingehalten werden, wenn von Anfang an feststeht, dass das RAV keine geeignete Person vermitteln kann. «Besonders in der Gastronomiebranche ist das sehr mühsam und hinderlich», so Staerkle.

Das bestätigt auch Barbara Schneider, Präsidentin des Verbands Gastro Zug. «Wir bewegen uns in einer Siebentagebranche, in der sich die Arbeitssituation rasch ändern kann», erklärt sie. Falle etwa eine Angestellte durch einen Unfall aus oder sei der saisonale Arbeitsanstieg plötzlich höher als erwartet, müsse man rasch reagieren können. «Dazu kommt, dass das RAV nur sehr selten geeignetes Personal anbieten kann.» Denn gelernte Köche seien Mangelware und sehr begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Viele der ungelernten Kräfte, die vermittelt würden, seien hingegen nicht brauchbar. Beide Berufsgruppen werden jedoch in ein und derselben Rubrik zusammengefasst, sodass für beide die Meldepflicht besteht.

«Wir bewegen uns in einer Siebentagebranche, in der sich die Arbeitssituation rasch ändern kann.»
Barbara Schneider, Präsidentin des Verbands Gastro Zug

Ungünstig für die Gastrobranche wirkt sich auch der Umstand aus, dass als Grundlage für die Quotenberechnung die letzte Tätigkeit der Arbeitslosen gilt und nicht ihr angestammter Beruf. «Im Gastgewerbe findet man fast immer vorübergehend einen Job», stellt Schneider fest. Wollen solche Angestellte wieder in ihren angestammten Beruf wechseln, erhöhen sie, solange sie arbeitslos sind, die Quote im Gastrobereich.

«Bürokratische Übung»

«Die Stellenmeldepflicht ist für unsere Mitglieder ein Ärgernis», betont Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände. «In erster Linie handelt es sich dabei um eine bürokratische Übung, welche Aufwand und Kosten verursacht.» Hinzu komme, dass die Grundlage für die Stellenmeldepflicht, nämlich die Definition der Berufsarten gemäss Berufsnomenklatur 2000 sowie die dazugehörigen Berufsbezeichnungen, unbrauchbar sei. «Damit ist oft nicht klar, bei welchen Stellen die Meldepflicht gilt.» Für eine konkrete Zwischenbilanz sei es momentan aber noch zu früh, räumt Zurfluh ein. «Für die Bauwirtschaft wird der entscheidende Schritt die Anpassung des Schwellenwerts von 8 auf 5 Prozent sein. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt die Berufsnomenklatur nicht bereinigt ist und beispielsweise ausgebildete Maurer EFZ nach wie vor in der gleichen Gruppe wie ungelernte Maurer eingeordnet sind, erwarten wir gravierendere Auswirkungen in der Praxis.»

Vervielfachung der Stellenmeldungen

Beim Bund arbeite man daran, die Schwächen des Gesetzes auszumerzen, erklärt Bernhard Neidhart, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug. «Die heute noch ungenügend differenzierte Berufsnomenklatur wird per Anfang 2020 angepasst.» Er glaube indes nicht, dass die fünftägige Wartefrist für viele Berufsgruppen ein Problem darstelle. «Meist geht der Prozess der Stellensuche ja bedeutend länger. Ausserdem fällt für Anstellungsverhältnisse, die weniger als 14 Tage dauern, die Wartefrist weg.»

Gemäss Erhebungen des Seco wurden im Juli 2018 im Kanton Zug rund dreieinhalbmal so viele Stellen gemeldet wie im selben Monat des Vorjahrs. Auch der Vergleich der Monate August und September weist eine rund zweieinhalbfache Steigerung fürs Jahr 2018 aus. «Über die drei Monate gemittelt sind von den gemeldeten offenen Stellen im Kanton Zug 60 Prozent der Meldepflicht unterworfen», rechnet Neidhart vor. Das heisst, dass viele Stellen auch ohne Meldepflicht, also auf freiwilliger Basis, dem RAV gemeldet werden. Neidhart wertet diese Zunahme als Zeichen für eine gute Zusammenarbeit der Unternehmen mit dem RAV.

«Diese Dienstleistung ist kostenlos. Man muss lediglich sämtliche Unterlagen digital erfassen und sie dem RAV zuschicken. Wenn man einen Treffer hat, ist der Prozess der Stellensuche damit bereits abgeschlossen. Wenn nicht, hat man nichts verloren.»

Hinweis:
Infos unter www.arbeit.swiss

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