Menschen spüren, wenn man ihnen etwas wegnehmen will

«Schon wieder religiöser Mais im Advent», Ausgabe vom 30. November

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Kopfschütteln ob so viel Arglosigkeit: das meine erste Reaktion auf den Beitrag. Hier ein Versuch einer anderen Optik zum Thema. Islamophob, rassistisch et cetera: Ich höre schon höhnische Einwürfe von da und dort, auch von sogenannt christlicher Seite. Die Opferrolle der anderen Seite ist für mich übrigens inzwischen Standard. Wer eigene Religionssymbole nicht für erhaltenswürdig hält, schadet über kurz oder lang dem grossen Ganzen seiner Religion. Das sehen auch Muslime mit Recht so. Eine solche Argumentation gilt wohl für alle Religionen und ist nicht naiv. Der Versuch auch hierzulande, freiwillig christliche Symbole zu unterdrücken – aus Rücksicht auf Gepflogenheiten anderer Religionen – ist für mich eine … mehr dazu jederzeit mündlich. Wieso übrigens hat man dabei jeweils vor allem den Islam im Hinterkopf? Könnte es Naivität sein? Vielleicht sogar Angst? Auch Muslime mit überschaubaren Sympathien zum sogenannten politischen Islam (Islamismus) sind stolz auf ihre Religion. Logisch. Auch sie kennen natürlich die Antworten auf die zwei oben gestellten Fragen. Herr Hollenstein kennt sicher die Kraft von religiösen Symbolen. Auch Politik – ob links oder rechts – hat es schon immer verstanden, dieses uralte PR – Instrument zu nutzen. Grüne Endzeitrhetorik tut es zurzeit (nahezu) perfekt und lässt sich vom Wind fast aller Medien in die Höhe tragen. Ein anderes Thema, wenngleich inzwischen auch mit religiösen Zügen: «Wir, nur wir, kennen die Wahrheit.» Und damit zurück zu Herrn Hollensteins Beitrag.

Auch sogenannter Bling-Bling kann auf religiöse Leute symbolisch wirken, in heutigen Zeiten erst recht. Verständlich. Sind wir alle immer völlig immun gegen politische und religiöse Symbole?

Oder wissen wir doch nicht eigentlich, dass in der Politik, von links ganz aussen bis nach rechts ganz aussen, dass es von zum Teil versteckten Symbolen nur so trieft, die jeweils situationsbedingt abgerufen werden. Sie vermuten richtig: für mich Populismus pur. Können das gewisse Medien nicht wahrhaben, oder wollen sie es bewusst nicht? Urteilen Sie selber.

Obwohl ich kein regelmässiger Kirchgänger bin, stehen mir PolitikerinnenundPolitiker näher, die sich (auch) für den Erhalt urschristlicher Symbole einsetzen. Ich mag nichtnaive und nichtängstliche Volksvertreter. Der «alljährliche Mais», wie Herr Hollenstein schreibt: diesen Advents-Mais könne man ignorieren. Ja, kann man, einverstanden. Wie Sie lesen, fällt es mir aber schwer es zu tun. Hoffend, dass es nicht als Neunmalklugerei rüberkommt. Versuche lediglich, über den Tellerrand hinaus zu denken.

Aus welchem Kulturkreis, mit welcher Religion auch immer: Menschen spüren, wenn ihnen etwas für sie Wichtiges weggenommen werden soll – in diesen Zeiten und in einer christlich-jüdischen Kultur lebend erst recht. Wer glaubt, dass diese Furcht nur von sogenannten populistischen Rechtsparteien versucht würde genutzt zu werden, denkt kurz. Sehr sogar. Wieso? Weil es in Sachen viel beschworener Demokratie und Wertegesellschaft auch in der Schweiz politische Gruppierungen gibt, die nichts gegen eine Spaltung der Gesellschaft hätten.

Es gibt leider auch Religionen, besser: Eine Religion, die nichts gegen so was hätte, im Gegenteil. Die Rede ist vom politischen Islam. Von einem Islam, worüber eine Frau Susanne Schrötter aus Deutschland in ihrem Buch schreibt: «Politischer Islam / Stresstest». Lesenswert, Herr Hollenstein. Auch während der Adventszeit.

Roland Huber, Zug