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MENZINGEN: Asylzentrum Gubel: Von Tuberkulose und Dankbarkeit

Im Bundesasylzentrum Gubel kümmert sie sich um die Gesundheit der Flüchtlinge: Renate Grossmann. Sie stellt sich dabei einigen Herausforderungen.
Zoe Gwerder
Renate Grossmann: «Mit Glück spricht jemand Englisch.» (Bild: PD)

Renate Grossmann: «Mit Glück spricht jemand Englisch.» (Bild: PD)

Zoe Gwerder

Eigentlich wollte sie nur vorübergehend die Aufgabe der Hausärztin des Bundesasylzentrums im Gubel übernehmen. Dies war vor über einem Jahr. Die Menzinger Hausärztin Renate Grossmann besucht das Zentrum noch immer. Und sie werde das auch die restlichen eineinhalb Jahre machen, sagt sie. Das Bundesasylzentrum ist auf maximal drei Jahre terminiert.

Rund drei Stunden wöchentlich arbeitet sie im Bundesasylzentrum im Gubel. In einem kleinen, einfach eingerichteten Raum empfängt sie die Patienten aus diversen Nationen. Es gibt eine Liege, einen Schreibtisch mit Computer für die dort angestellte Pflegefachfrau und einen Tisch für die Ärztin. Daneben stehen Kästen, in welchen unter anderem Verbandsmaterial untergebracht ist.

Wer Frau Grossmann im Bundesasylzentrum konsultieren will, muss einen Termin haben. Bis zu 15 Asylsuchende betreut sie während der drei Stunden, die sie vor Ort ist. Manchmal kommen auch spontan noch weitere dazu, die gesehen haben, dass die Ärztin da ist. «Dann klären wir ab, wie dringend der Patient behandelt werden muss. Wenn es dringend ist, dauert meine Visite dann eben etwas länger», erklärt Grossmann.

Mangelnde Hygiene schadet Haut

Die Krankheiten unterscheiden sich nicht gross von denen, die sie bei den Patienten in ihrer Praxis im Dorf antrifft. Nur einige Hautkrankheiten seien im Bundesasylzentrum häufiger. «Diese haben oft mit der fehlenden Hygiene während der Flucht zu tun, und sind für uns sehr selten ansteckend», so Grossmann. Zudem habe sie in ihrer Zeit als Hausärztin im Bundesasylzentrum zwei Fälle mit Verdacht auf Malaria dem Spital zugewiesen. Auch Tuberkulose und Windpocken sei ein Behandlungsproblem unter den Flüchtlingen. «Dort gibt es aber klare Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit, wie bei Verdacht auf Tuberkulose zu handeln ist».

Sprache als Hürde

Die drei Stunden, die Renate Grossmann wöchentlich im Gubel verbringt, sind auch für sie eine grosse Herausforderung. Die grösste Hürde ist die Sprache. «Wenn man Glück hat, gibt es im Lager einen Asylsuchenden, der gut Englisch versteht. Dies ist jedoch selten», sagt die Ärztin. Ansonsten sei man auf Hände und Füsse angewiesen. Bei klaren Anweisungen zur Verwendung und Dosierung eines Medikaments ist dies eine ziemliche Übung. «Solche Erklärungen brauchen Zeit. Doch die meisten Asylsuchenden geben sich Mühe, mich richtig zu verstehen und fragen nach», erklärt Grossmann.

Die Kosten rechnet sie direkt mit dem Bundeszentrum ab. Dort werden die Rechnungen kontrolliert und dann dem Bund weitergeleitet. «Wenn Asylsuchende in den Bundeszentren sind, sind sie noch nicht krankenversichert», erklärt Grossmann. Wie weit sie einen Asylsuchenden behandele, liege in ihrem ärztlichen Ermessen. Ab und zu bekommt ein Flüchtling auch einen Termin in der Praxis – wenn es zum Beispiel ein Röntgen braucht oder ein EKG. Es gebe zudem vereinzelt Fälle, bei denen es aus medizinischen Gründen wichtig sei, den Transfer in ein kantonales Durchgangszentrum noch für einige Tage zu verschieben.

Flüchtlinge schätzen den Dienst

Renate Grossmann und ihr Praxisteam sind mit Engagement bei der Sache – auch wenn dies zusätzlichen Papierkrieg mit sich bringt. Denn der Bund erwarte, dass sie für jede Sprechstunde ein Formular für die behandelten Patienten sowie bei schwieriger Krankheit oder Störung ein Spezialformular ausfülle, erklärt Grossmann. Trotzdem schätzt sie die Arbeit mit den Flüchtlingen im Bundesasylzentrum Gubel: «Ich erlebe von den Flüchtlingen sowie von den Betreuern und der Verwaltung viel Dankbarkeit.»

Der Kanton setzt auf Praxisbesuche

Kranke oder verunfallte Asylsuchende, die nach ihrem Aufenthalt im Bundesasylzentrum dem Kanton Zug zugeteilt werden, werden Hausärzten zugewiesen. Der Kontakt läuft über den Sozialdienst des Kantons Zug. Dabei werde darauf geachtet, dass die jeweilige Arztpraxis in der Nähe des Wohnsitzes des Patienten liegt, sagt Martin Hošek, Bereichsleiter Sozialdienst Asyl. «Wir sind überzeugt, dass es auch der Integration dient, wenn Asylsuchende dieselben Strukturen im Gesundheitssystem benutzen wie Einheimische.»

Übernommen werden die Kosten – sofern es sich um Leistungen aus der obligatorischen Grundversicherung handelt – von der Krankenkasse. Asylsuchende unterstehen wie alle anderen Bewohner der Schweiz der obligatorischen Krankenversicherung. Im Kanton Zug stehen ihnen somit dieselben Behandlungen offen wie den anderen Grundversicherten. Einschränkungen gibt es bei Behandlungen durch den Zahnarzt. Bis zu einem Betrag von 500 Franken dürfen die Asylsuchenden im Notfall behandelt werden. Liegt eine Behandlung voraussichtlich oberhalb dieser Kostengrenze, braucht es eine Offerte und ein Gesuch um Kostengutsprache des Zahnarztes an die sozialen Dienste Asyl des Kantons Zug. Gemäss Hošek gilt es einzig und allein zu gewährleisten, dass die Asylsuchenden in Bezug auf ihre Zähne schmerzfrei sind und dass sie kauen können. Zahnbehandlungen, die darüber hinausgehen, werden nicht bezahlt. Im Allgemeinen kann der Kanton bei grösseren sprachlichen Hürden zwischen Patient und Arzt einen Dolmetscher der Caritas Luzern aufbieten.

Das Bundesasylzentrum Gubel in Menzingen. (Bild: Neue Zuger Zeitung/Archivbild)

Das Bundesasylzentrum Gubel in Menzingen. (Bild: Neue Zuger Zeitung/Archivbild)

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