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MENZINGEN: Büsi-Rettung dauert 14 Stunden

Eine Katze, die sich nicht mehr vom Baum traute, hielt die Feuerwehr am Wochenende auf Trab. Sogar ein grosses Gefährt aus Zug wurde aufgeboten.
In dieser Tannenkrone (roter Pfeil) sass Kater Simba drei Tage fest. (Bild Feuerwehr Menzingen)

In dieser Tannenkrone (roter Pfeil) sass Kater Simba drei Tage fest. (Bild Feuerwehr Menzingen)

Samantha Taylor

Es ist ein Klassiker: Eine Katze klettert auf einen Baum, traut sich nicht mehr runter, und die Feuerwehr muss zu Hilfe eilen. Solche Meldungen gibt es immer wieder. Die jüngste Geschichte aus dieser Sparte ereignete sich am Wochenende in Finstersee. Allerdings war das im Gegensatz zu so manch anderem Einsatz für die örtliche Feuerwehr alles andere als eine leichte Übung. Insgesamt standen die Menzinger am Wochenende fast 14 Stunden im Einsatz.

Aufgeboten wurden sie von der Zuger Polizei, die von der Katzenbesitzerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, alarmiert worden war. «Simba ist am Donnerstagabend auf den Baum geklettert. Irgendetwas hat ihn in Panik versetzt – und darum ist er rauf», erinnert sich sein Frauchen. Erst sei er nur etwa vier Meter in die Höhe gestiegen. Danach habe das Tigerli den Baum allerdings noch gewechselt und sei ganze 30 Meter in die Höhe geklettert. «Er hat die ganze Zeit geheult und miaut. Es war schrecklich.» Sie habe dann den Notruf verständigt. «Ich wusste einfach, dass Simba nicht von selber wieder runterkommt, weil er im Schock dort rauf ist.» Wenn ein Tier in Panik auf einen Baum klettere, dürfe man nicht davon ausgehen, dass es von selber wieder runterkomme, so die Besitzerin.

Zuger kommen mit Hubretter

Am Samstag rückte dann die Menzinger Feuerwehr schliesslich zur Rettung aus. «Es war schon ein ziemlich spektakulärer Fall», sagt Kommandant Karl Nussbaumer. Am Samstag seien zwei Personen von 8 bis 11 Uhr und von 15.43 bis 21 Uhr vor Ort gewesen. Leider erfolglos. «Es ist uns nicht gelungen, das Tier vom Baum zu holen», so der Kommandant. Auch der aufgebotene Baumpfleger, der die Tanne erklomm, schaffte es nicht, das Büsi einzufangen. «Es waren verschiedene Punkte, die den Einsatz erschwerten», führt Nussbaumer aus. Einerseits sei der Baum sehr hoch gewesen, und die Katze sei weit hinaufgeklettert. «Das Tier war ausserdem äusserst scheu und das ganze Gelände eher schwer zugänglich», führt der Feuerwehrkommandant weiter aus. Der Einsatz wurde schliesslich in den Abendstunden abgebrochen. «Für mich war das sehr schlimm. Ich konnte nichts machen, nur abwarten», erzählt die Besitzerin sichtlich mitgenommen.

Am Sonntag startete die Feuerwehr Menzingen einen erneuten Versuch. Dabei erhielt sie Unterstützung aus dem Tal. Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ) rückte kurz vor 14 Uhr aus – und das mit dem grossen Gefährt. Die FFZ kam mit dem Hubretter. «Die Besitzerin des Tieres hat diese angefordert», erklärt Nussbaumer. «Simba ist ein sehr scheues Tier. Er hat mit seinen vier Jahren schon einmal schlimme Erfahrungen gemacht und dabei auch ein Auge verloren. Darum fürchtet er sich vor Fremden», so sein Frauchen. Sie habe gehofft, dass er sie im Hubretter erkennen und zu ihr kommen würde.

Doch auch diese Massnahme half nichts. Denn die FFZ musste den Hof in Finstersee unverrichteter Dinge wieder verlassen. «Wir sind nicht gut rangekommen», erklärt Kommandant Daniel Jauch. Man habe mit dem Fahrzeug nicht richtig zur Tanne fahren können. Die Strasse sei zu schmal und das Gelände zu steil gewesen. Ausserdem gab es noch Hindernisse. «Wir konnten darum leider nicht zu einem Happy End beitragen», so Jauch weiter. Ein letztes Mal wurde der Baumpfleger aufgeboten. Und diesmal war er beim Klettern mehr oder weniger erfolgreich. Simba sprang vom Baum – 30 Meter in die Tiefe. Das Tier blieb unverletzt und lief in die Scheune, direkt in die Arme seines Frauchens: «Ich war so erleichtert, als ich ihn sah.»

In letzter Minute

Für seine Besitzerin ist klar, es war «fünf vor zwölf» für Simba. Sie sei direkt mit ihm zum Tierarzt gefahren. «Er war ziemlich dehydriert, hatte Fieber und Herzrhythmusstörungen», berichtet sie. Inzwischen gehe es ihm etwas besser, aber er müsse sich sicher noch von den Strapazen erholen. «Und ich auch. Das waren happige drei Tage. Ich bin froh, hatte ich so gute Unterstützung durch all die Helfer erhalten habe.»

Auch für die Feuerwehr Menzingen war der Einsatz intensiv. Aber: «Tierrettungen gehören eben auch zu unseren Aufgaben», so Nussbaumer. Wie viel der Einsatz der Feuerwehr Menzingen und der FFZ kosten wird, kann Nussbaumer erst grob schätzen. Er geht von rund 1000 Franken aus. Wer dafür aufkommen wird, das müsse nun noch abgeklärt werden.

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