MENZINGEN: Das Ende einer bewegten Zeit

Karl Nussbaumer reicht nach neun intensiven Jahren als Kommandant der Feuerwehr das Zepter weiter. Der Abschied fällt ihm nicht nur leicht.

Wolf Meyer
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Feuerwehrchef Karl Nussbaumer wird das Depot vermissen. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 15. Januar 2017)

Feuerwehrchef Karl Nussbaumer wird das Depot vermissen. Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 15. Januar 2017)

Wolf Meyer

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«In den letzten neun Jahren waren wir an 333 Einsätzen beteiligt. Sei es wegen Bränden, Unwettern oder Unfällen – wir haben unser Bestes getan, zu helfen.» Nussbaumer steht am Ende einer bewegten Zeit und blickt ein letztes Mal zurück. «Die Feuerwehr war immer ein wichtiger Teil in meinem Leben und wird eine grosse Lücke hinterlassen.» Eine Lücke, für die Nussbaumer bereits ein, zwei Ideen hat, wie er sie neu beleben kann. Doch zuerst gilt es, eine reibungslose Übergabe seines Postens zu gewährleisten. «Mit meinem Nachfolger Titus Rüedi hat die Feuerwehr Menzingen einen aufgestellten und kompetenten neuen Kommandanten, der bestimmte Dinge ganz neu aufgleisen wird.» Und Veränderung, davon ist Nussbaumer überzeugt, gehört zu einem solchen Wechsel dazu.

Am kommenden Freitag beim Rapport übernimmt Rüedi seinen neuen Posten. «Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er von unseren Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen die gleiche Unterstützung und das gleiche Vertrauen erfährt, auf das ich all die Jahre zählen konnte.» Denn diese Dinge sind wichtig für einen Kommandanten, weiss Nussbaumer aus eigener Erfahrung. Wer meine, die Herausforderungen dieses Postens liessen sich im Alleingang bestreiten, irrt. Kommandant, Vizekommandant und Offiziere bilden ein enges Gespann, bei dem jeder im Notfall dazu in der Lage sein muss, die Führung zu übernehmen. «Wir sind ein Team, ­allein geht gar nichts.»

Blindes Vertrauen ist absolut nötig

Ein Team auch, das gemeinsam schwierige Situationen meistern muss. Wer in einem Atemschutztrupp in ein brennendes Haus steigt, muss seinen Kameraden blind vertrauen. Deshalb setzte sich Nussbaumer auch immer für seine Leute ein: «Manche Situationen sind psychisch wie auch physisch eine grosse Belastung. Wenn diese Belastung zu gross wird, liegt es am Kommandanten, die ihm Anvertrauten zu schützen und Unterstützung von unseren zahlreichen Partnern zu organisieren.» So etwa, als sich in Menzingen eine Person mit den Abgasen ihres Autos das Leben nahm. «Wir mussten in die Garage und die Leiche bergen. Wäre es jemand gewesen, den wir persönlich kennen, wären wir nicht hinein, sondern hätten Hilfe aus Neuheim oder Zug geholt.» Oder als ein entfernter Nachbar von Nussbaumer selbst tödlich ver­unfallte: «Da musste ich das Kommando an meinen Vizekommandanten abgeben. Aus Selbstschutz, aber auch um eine optimale Führung zu gewährleisten.»

Doch auch so blieben noch reichlich bewegende Momente. Wenn er etwa in einem Unwetter Leuten zu verstehen geben musste, dass sie nun schleunigst ihre wichtigsten Sachen packen und ihr Haus verlassen mussten, da dieses einsturzgefährdet war. «So etwas geht einem schon nahe», gibt der erfahrene Feuerwehrmann zu. Insgesamt 34 Jahre lang hat sich Nussbaumer in der Feuerwehr engagiert. Zuerst in Ober-, später in Unterägeri und zum Schluss in Menzingen. Bis auf den Atemschutz hat er alle Bereiche der Feuerwehr kennen gelernt. «Ich habe einfach immer gerne mit angepackt und auch mal eine zusätzliche Aufgabe angenommen. Ich konnte einfach immer schlecht Nein sagen», erklärt er seinen stetigen Einsatz schmunzelnd.

Eine klare Linie verfolgen

Die Politik konnte der langjährige SVP-Kantonsrat stets von seinem Amt als Kommandant trennen. «Es war mir immer sehr wichtig, jede und jeden in meinem Team gleich zu behandeln. Egal ob links oder rechts. Ich war nie auf Stimmenfang bei der Feuerwehr. So etwas muss man strikt trennen. Umgekehrt kam es mir als Kommandant immer sehr zugute, dass ich hier in der Gemeinde so vernetzt bin. Ich kenne die Leute, und die Leute kennen mich. Das bringt Vertrauen von allen Seiten.» Nussbaumer ist ein Mann der direkten Kommunikation und des gesunden Menschenverstandes. «Ich bespreche Dinge lieber direkt als per Mail. Das gibt nur Missverständnisse und böses Blut. Auch mit meinem Team habe ich immer Wert darauf gelegt, nahe an den Problemen zu sein. Militärischer Führungsstil ist hier fehl am Platz.» So gelang es ihm stets, innerteamliche Konflikte mit einem guten Gespräch zu lösen.

Und so bindet ihn auch persönlich viel an die Menzinger Feuerwehr. «Manchmal sehen wir uns hier dreimal die Woche, da entstehen auch viele Freundschaften.» Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb er sich doch noch nicht ganz von der Feuerwehr verabschiedet: In der Kommission für ein neues Löschfahrzeug bleibt er seinem Team auf dessen einstimmigen Wunsch bis auf weiteres erhalten. «Abschiede schmerzen nun mal immer auch ein wenig.»