MENZINGEN: Das nächste Ziel: Velomech-Europameister

Jonas Roth hat eine der besten Lehrabschlussprüfungen als Velomechaniker in der Schweiz absolviert. Der Verein «2rad» schickt ihn an den Europacup der Zweiradberufe.

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Jonas Roth und ein weiterer Velomechaniker werden die Schweiz am Europacup vertreten. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. Februar 2017))

Jonas Roth und ein weiterer Velomechaniker werden die Schweiz am Europacup vertreten. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. Februar 2017))

Kaum aus der Lehre, schon streitet der frischgebackene Velomechaniker Jonas Roth am Europacup der Zweiradberufe um Ruhm und Ehre. Um Ruhm in der Branche, aber auch um Ehre dafür, unterstreicht der Menzinger: «Manche sind immer noch erstaunt, dass man den Beruf des Velomechanikers in einer vollen Lehre lernen muss.» Das Berufsfeld ist breit und vielfältig, weiss Roth. «Ich bin Mechaniker, Lagerist und Sportartikelverkäufer in einem. Da muss man schon etwas auf dem Kasten haben.»

Roth hofft, dass er mit seinen Anstrengungen auch das Image der Velomechaniker als Berufsgruppe stärken kann. Für ihn persönlich ist die Teilnahme am Wettkampf jedoch auch interessant. Nicht so sehr, weil dem Gewinner ein hohes Preisgeld winkt. «Für die ersten drei Plätze verleihen wir sehr schöne Pokale und einen Naturalpreis in Form eines Pflege-Sets oder eines Werkzeuges», erklärt Daniel Scherrer, der Sprecher des Vereins «2rad» Schweiz. Das klingt ein wenig nach goldenem Staubfänger und einem etwas besseren Werbegeschenk. Scherrer ist auch nicht besonders zufrieden mit den Möglichkeiten, die das Budget diesbezüglich bietet.

Aber im Vordergrund steht beim Europacup der Zweiradberufe anderes: «Wir wollen den Nachwuchs fördern, ihn motivieren. Einmal auch etwas für die guten Schüler machen. Nicht immer nur versuchen, die schlechten zu halten.» Der Wettstreit der Mechaniker wird zwischen den besten jungen Lehrabgängern des Jahres ausgetragen. Jedes Land, das antritt, schickt die Lehrlinge mit den zwei besten Lehrabschlussprüfungen ins Feld, um sich während zweier Tage in zehn verschiedenen Gebieten ihrer Kunst zu messen.

Auch die Vorbereitungen sind Teil des Abenteuers

Für Roth persönlich sind dabei vor allem die Vorbereitungen interessant. «Letzte Woche war ich zwei Tage lang in Deutschland und wurde von einem Hersteller in dessen Produkten geschult. Die Woche zuvor war ich mit meinen Schweizer Mitstreitern in Arth-Goldau an einem Training, bei dem ich gute Tipps zu schnelleren Arbeitsabläufen bekam. Und zu guter Letzt ist eine Teilnahme an dem Wettkampf oder sogar ein Platz auf dem Podest gut für meinen Ruf in der Branche. Es zeigt, dass ich mein Handwerk beherrsche.» Darüber hinaus ist die Teilnahme für viele mit einer ereignisreichen Reise verbunden. Im Turnus richtet jedes Mitgliedsland den Europacup aus. «So kommen die jungen Mechaniker auch mal von ihrer Heimat raus in die Welt», meint Scherrer. Nur schade, dass der Wettkampf dieses Jahr in Zürich stattfindet. Denn raus in die Welt möchte Roth gerne. «Ich würde in der Zukunft gerne mal als Bike-­Guide oder im Aussendienst eines Herstellers arbeiten, um ein wenig herumzukommen.»

Roth ist nicht nur Vollblut-­Velomech, sondern auch leidenschaftlicher Mountainbike-Fahrer. «Ich fahre viel Cross-Country. Also den Berg hoch und wieder runter», erklärt er die olympische Sportart. «Das habe ich von zu Hause schon mitgekriegt, meine ganze Familie fährt Mountainbike.» Vorerst möchte er aber gerne noch weiter bei der Cyclinglounge in Zug arbeiten, wo er auch seine Lehre gemacht hat. «Die Arbeit hier macht mir Spass. Das möchte ich erst noch ein wenig geniessen, bevor ich auf Neues aus bin.» Die Meisterschaft bedeutet für die Cyclinglounge natürlich auch Arbeitsausfälle. Trotzdem fühlt sich Roth hier gut unterstützt. «Wenn wir im Geschäft spannende Aufträge haben, bei denen ich ein neues Teil oder eine neue Technik kennen lernen kann, werden sie mir zugeteilt. Das bringt mich weiter.»

Der Wettbewerb soll ausgebaut werden

Der Europacup der Zweiradberufe findet in den Kategorien Motorrad und Fahrrad statt und wird dieses Jahr zum ersten Mal im Rahmen der Swissmoto-Messe ausgetragen. Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Österreich, Tschechien und dieses Jahr – beim neunten Europacup – neu auch aus den Niederlanden und Polen. «Wir sind sehr stolz darauf, dass wir eine Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Polen etablieren konnten», bestätigt Scherrer. Aufgrund unterschiedlicher Strukturen im Ausbildungsprozess sei eine Teilnahme bei vielen Ländern jedoch schwierig. Vielerorts fehlten die brancheninternen Strukturen, über welche die Teilnehmer und deren Vorbereitungen organisiert werden könnten. Beim Verein «2rad» hofft man aber, dass die Liste der teilnehmenden Nationen in Zukunft ausgebaut werden kann. «Schliesslich sind wir so­zusagen die Weltmeisterschaft der Velo- und Motorradmechaniker.» Denn einen vergleichbaren Wettstreit gibt es sonst nicht.

 

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch