Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MENZINGEN: Ein Blick hinter die Fassade

Kantonsschüler spielen einen spanischen Klassiker mit erschreckend aktuellem Inhalt: Es geht um die Folgen verleugneter und unterdrückter Bedürfnisse.
Daniela Sattler
Das Stück «Bernarda Albas Haus» feiert am Freitag Premiere. (Bild: Werner Schelbert (Menzingen, 3. März 2018))

Das Stück «Bernarda Albas Haus» feiert am Freitag Premiere. (Bild: Werner Schelbert (Menzingen, 3. März 2018))

Daniela Sattler

redaktion@zugerzeitung.ch

Samstagnachmittag im Saal von Maria von Berg in Menzingen. Glockengeläute. Eine Magd tritt auf die Bühne. «Mir schwirrt schon der Kopf von diesem ewigen Glockenläute.» Unter den Anweisungen von Anja Wegmann und Anouk Plattner bereiten sich die Schauspielerinnen und Schauspieler vom Theaterclub der Kantonsschule Menzingen (KSM) intensiv auf die Premiere vom kommenden Freitag vor.

Federico Garcia Lorcas Drama «Bernarda Albas Haus» ist das Stück der Stunde. Im Zeitalter des Hashtags «Me Too» durchaus diskussionswürdig, da sich dieses Drama auf vorderster Ebene um die unerbittlichen Traditionen im ländlichen Spanien der 1930er dreht und die Rolle der Frau. Doch obwohl als realistisches Abbild Spaniens an der Schwelle des 20. Jahrhunderts geschrieben, ist es eine zeitlos gültige Studie über die fatalen Folgen verleugneter und unterdrückter Bedürfnisse. Denn was die Leute denken, und dass man selbst zu den Anständigen gehört, ist Bernarda Albas einziger Antrieb. Acht Jahre Trauer hat sie ihren fünf Töchtern im Alter zwischen 20 und 39 Jahren, der Grossmutter der Mädchen und einer langjährigen Dienerin nach dem Tod ihres Mannes auferlegt. Praktisch über Nacht sehen sich die Töchter von ihrer Mutter hinter Mauern verdrängt, die den Klostermauern eines strengen Frauenordens ähneln.

Mit Tricks in die Gefühlswelt einsteigen

Jasmin Blattmann und Svenja Müller aus Oberägeri sind Schülerinnen an der Kantonsschule Menzingen und spielen zwei der Töchter. Svenja Müller machte im Rahmen des Unterrichts zwar bereits an einem Theaterworkshop mit, bezeichnet sich selber aber nicht als theatererfahren. Die Profi-Schauspielerin Anouk Plattner und die Theaterpädagogin Anja Wegmann konnten beide für ihr Projekt begeistern. Hinter Jasmin und Svenja liegt nun ein längerer Prozess, in dem sie sich ihren Figuren annäherten.

Bernarda Alba ist von unnachgiebiger Härte, lässt aber immer wieder durchblicken, dass der Druck der Männerwelt sie zu dem gemacht hat, was sie ist. Die älteste Tochter Angustias ist von kühler Herablassung gegen die Schwestern, weil sie als Einzige auf eine Heirat hoffen darf. Adela, die Jüngste, zeigt sich als berührende Mischung aus Unschuld und verzweifelter Auflehnung. Und Martirio ergänzt die Schar der Töchter, die alle unverwechselbar und individuell wirken, indem sie ihre unglückliche Verliebtheit in wahre Bosheit münden lässt.

Es steckt harte Arbeit drin

Das Finden ihrer Figuren und die Proben hätten sich schon wie Arbeit angefühlt, bestätigen Jasmin Blattmann und Svenja Müller. Svenja Müller resümiert: «Man muss ja auch alles konzentriert einstudieren.» Aber es habe natürlich auch viel Spass gemacht, betonen beide unisono. Die Regisseurinnen hätten ihnen nämlich etliche Tricks beigebracht. So auch jenen, mit dem man von der Körperhaltung in die Gefühlswelt einsteigt. Was Jasmin Blattmann als besonders «cool» empfand. «Dafür haben wir auch Szenen gespielt, die nicht ins Stück gehören», erzählt sie.

Nun sind die beiden auf die Vorstellung gespannt. Genau wie Undine Widmer. Die Fachfrau für bildnerische Gestaltung ist für die Kostüme, die Requisiten und für ein ausgeklügeltes Bühnenbild zuständig. Wenn die Akteure dann ihre Emotionen an dem von ihr geschaffenen Ort nach aussen kehren, wird auch sie die anstrengende Zeit bestimmt vergessen.

Hinweis

Die Aufführungen finden am Freitag und Samstag, 9. und 10. März, ab 19.45 Uhr im Zentrum Schützenmatt in Menzingen statt. Der Eintritt ist frei – Kollekte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.