MENZINGEN: «Erstklässler» haben sich gut eingelebt

42 Schüler haben vor anderthalb Jahren am neu eingeführten Untergymnasium der Kantonsschule gestartet. Eine Umfrage zeigt, dass sie sich auf dem Berg wohl fühlen. Damit ist der Startschuss für die Weiterentwicklung geglückt.

Carmen Rogenmoser
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Die Baustelle für die Erweiterung der Kantonsschule Menzingen ist in vollem Gang. (Bild: Stefan Kaiser (2. Februar 2017))

Die Baustelle für die Erweiterung der Kantonsschule Menzingen ist in vollem Gang. (Bild: Stefan Kaiser (2. Februar 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Der Übertritt von der Primarschule in die Oberstufe ist ein grosser Schritt: Zum ersten Mal geht man vielleicht nicht mehr im eigenen Dorf zur Schule, und gegessen wird gemeinsam mit neuen Schulkameraden in der Mensa. Sowieso muss man sich von Gewohnheiten und Freunden verabschieden und sich auf Neues einstellen. Ein Schritt, der viele nervös macht, neben den Schülern bestimmt auch die Eltern.

Im Sommer 2015 waren von dieser Nervosität wohl auch die Lehrerinnen und Lehrer des Untergymnasiums der Kantonsschule Menzingen (KSM) betroffen. Zum ersten Mal wurden «Erstklässler» erwartet. Nach 13 Jahren wurde aus dem Kurzzeitgymi auch ein Langzeitgymi. Aus den ersten 42 Erstklässlern sind in der Zwischenzeit bereits Zweitklässler geworden. Es ist Zeit für eine erste Zwischen­bilanz. Wie sie und ihre Eltern die Pionierrolle in Menzingen erlebt haben, wurde mit Hilfe einer Umfrage ermittelt. «Das Ergebnis ist äusserst erfreulich», sagt Rektor Markus Lüdin. «Sämtliche neuen Schülerinnen und Schüler gehen gerne an die KSM und fühlen sich wohl.» In konkreten Zahlen heisst das beispielsweise: 92 Prozent haben der Aussage «Ich fühle mich wohl an meiner Schule» mit der höchsten Bewertung, also «trifft zu», zugesprochen. Die restlichen 8 Prozent entschieden sich für «trifft eher zu». Alle haben zudem angegeben, dass die Schüler gut miteinander auskommen. Eine Beobachtung, die auch Rektor Lüdin auffällt: «Die Schüler des Untergymnasiums zeigen keinerlei Scheu und gehen auf die älteren Schüler zu. Umgekehrt interessieren sich die älteren Schüler für die jüngeren und nehmen sie als gleichberechtigt auf.»

Grosser Einsatz für die «Kleinen»

Keine Spur mehr also von Unsicherheit und Nervosität. «Ein gutes Klima an der Schule und in der Klasse ist gerade in diesem Alter besonders wichtig für Lernerfolge», erklärt der Experte. Der überschaubare und familiäre Charakter der Schule und der vertrauensvolle Umgang der Lehrer und Schüler machten das Ankommen am Gymi wohl ebenfalls leichter, ergänzt er. Für die «Kleinen» wurde denn auch einiges an Aufwand geleistet: altersgerechte Unterrichtsfächer etwa. Auf dem Pausenplatz gibt es nun ein «Soccer Field» und Tischtennistische. «Wir stellen Geräte zum Spielen und Bewegen zur Verfügung», so Lüdin. Auch die Lehrer waren gut vorbereitet, sie hatten im Vorfeld eine Weiterbildung zum Thema «Bewegter Unterricht» und Unterricht auf der Sekundarstufe besucht. «Des Weiteren haben wir die Koordination mit den ZVB intensiviert, um die Busverbindungen und Kapazitäten der Kurse optimal mit den Herkunftsgemeinden und dem Stundenplan zu koordinieren.»

Klein, aber fein – und familiär, so sollen die Schüler das neue Langzeitgymi an der KSM erleben. Ein Wachstum ist aber auch in der Berggemeinde unumgänglich. Davon zeugt aktuell die grosse Baustelle (siehe Infobox). Bis zum Schuljahr 2020/21 soll sich die Schülerzahl auf 450 verdoppeln. Jährlich folgen zwei neue erste Klassen. Die Wahl zwischen den beiden Kantonsschulen liegt in erster Linie bei den Schülern und den Eltern. «Es gibt eine sogenannte eingeschränkte freie Schulwahl», erklärt Lüdin. Die Schüler können ihre Präferenz angeben. Übersteigt das Interesse an der KSM die Schülerzahl von zwei Klassen, teilt die Direktion für Bildung und Kultur die Schüler nach den Kriterien der Schulwegdauer und der Erreichbarkeit der Schule zu.

Die beiden Kantonsschulen sollen sich weiterentwickeln

Der Bildungsdirektor selber, Stephan Schleiss (SVP), hat die Einführung des Untergymnasiums mit «grosser Freude» miterlebt. Alles habe bestens funktioniert. Langfristig werde die Kantonsschule Zug entlastet. «Bis im August 2020 werden insgesamt zwei Klassenzüge à sechs Jahrgängen, insgesamt also 12 Klassen, an die KSM verlagert sein», erklärt er. Es geht aber um mehr als eine Umverteilung. Die Mittelschulkommission lasse den Schulen einen gewissen Raum, unterschiedliche Kulturen und pädagogische Profile zu entwickeln. «Schüler des ganzen Kantons können sich bewusst für die Schule entscheiden, die sie mehr anspricht.» Das Kriterium des Schulwegs komme erst zum Tragen, wenn sich zu viele oder zu wenige Schüler für die KSM anmelden.

Weiter Thema bleibt auch eine dritte Kantonsschule im Gebiet Ennetsee. «Das Fundament der Mittelschulplanung 2013, das im Richtplan verankert wurde, gilt immer noch», sagt der Regierungsrat. Der Bedarf sei ausgewiesen. Die angespannte Finanzlage sei aber der Grund, dass die Baudirektion nicht mehr jedes «reife» Projekt so schnell wie möglich vorantreiben könne. Trotzdem meint Schleiss: «Ich bin zuversichtlich, was die Kanti Ennetsee anbelangt.»

Das grosse Bauprojekt ist auf Kurs

Die Kantonsschule Menzingen wächst – nicht nur in der Anzahl Schüler, sondern auch was die Räumlichkeiten anbelangt. Seit über einem Jahr befindet sich neben der Schule eine grosse Baustelle. Gebaut und erweitert wird inmitten denkmalgeschützter Bauten. Fünf Gebäude gehören zu diesem Ensemble. Zwei nicht denkmalgeschützte werden abgerissen. Im neuen Gebäude wird neben Klassenzimmern und Unterrichtsräumen auch die Schulverwaltung einziehen. Unter dem Boden entsteht eine Zweifachturnhalle.

Insgesamt werden für das Projekt 111 Millionen Franken investiert – davon 96 Millionen Franken für den Bau und 15 Millionen für den Landerwerb. Drei Jahre soll der Umbau dauern. Im Schuljahr 2020/21 soll zum ersten Mal in den neuen Räumlichkeiten unterrichtet werden. Bis dann wird sich die Schülerzahl von heute etwa 210 auf rund 450 erhöhen. In der Zwischenzeit haben die Schüler ein Provisorium bezogen. «Die Bauarbeiten verlaufen planmässig. Der Neubau ist auf Kurs», lässt Rektor Markus Lüdin verlauten. (cro)