MENZINGEN: «Härtere Strafen bringen nicht mehr»

Linard Arquint tritt Ende Jahr als Direktor der Strafanstalt Bostadel zurück. Die meisten Gefangenen hat er nicht als skrupellose Gangster erfahren.

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Bostadel-Direktor Linard Arquint: «Unsere Plätze sind seit Jahren zu fast 100 Prozent belegt.» (Bild Stefan Kaiser)

Bostadel-Direktor Linard Arquint: «Unsere Plätze sind seit Jahren zu fast 100 Prozent belegt.» (Bild Stefan Kaiser)

Linard Arquint (60) wirkt seit 19 Jahren als Direktor der Strafanstalt Bostadel, welche die Kantone Zug und Basel-Stadt gemeinsam führen. Nun übergibt der die Aufgabe an Andreas Gigon, der bisher als Vize-Direktor tätig war. Im Rückblick auf die 36 Jahre, die er im Strafvollzug gearbeitet hat, sagt er, dass sich die Einstellung der Gesellschaft dazu deutlich verändert habe. Sie fordere höhere und längere Strafen.

Die Revision des Strafbuchgesetzes 2007 habe Verschärfungen gebracht. Bedingte Strafen oder andere Straflockerungen würden viel weniger gewährt. «Als ich 1996 im Bostadel anfing, konnte ich noch 550 Urlaube gewähren. In diesem Jahr bekam nur ein Gefangener vier Ausgänge von fünf Stunden in Begleitung bewilligt.»

Arquint beobachtet die Forderungen aus der Politik kritisch. «Kriminologen sind sich einig: Härtere Strafen bringen nicht mehr Erfolg. Ein Blick in die USA zeigt das. Dort gibt es pro 100'000 Einwohner 700 Gefangene. Die Tötungsrate pro 100'000 Einwohner ist aber viel höher als in der Schweiz oder Europa. Die Leute einfach wegzusperren bringt nichts. Das Ziel ist es, die Straffälligen wieder in die Gesellschaft zu integrieren.»

Luc Müller