MENZINGEN: Kiesgrube soll vergrössert werden

Die Kibag möchte das Gebiet Bethlehem in Richtung Süden erweitern. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Gesuche öffentlich aufliegen – diesmal ist die benötigte Ausnahmebewilligung eingeholt.

Andrea Muff
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Seit rund 60 Jahren wird in Edlibach industriell Kies abgebaut. (Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 29. Mai 2017))

Seit rund 60 Jahren wird in Edlibach industriell Kies abgebaut. (Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 29. Mai 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Im Kanton Zug reichen die Kiesreserven noch rund elf Jahre. In der Kiesgrube Edlibach in Menzingen sind noch Abbaureserven für mindestens sechs Jahre bewilligt. Momentan liegen bis am 13. Juni Gesuche um Erweiterung der kantonalen Nutzungszone und um Erweiterung der Abbaubewilligung beim Amt für Raumplanung öffentlich auf. Gegenstand ist die Erweiterung des Abbaugebiets Bethlehem in Richtung Süden. Dies plant die Kibag Kies Edlibach AG. Es geht um 34 500 Quadratmeter – das sind fast fünf Fussballfelder. Diese Fläche birgt Kies im Umfang von rund einer Million Kubikmetern. Die Kibag rechnet mit einer Abbauzeit von rund sieben Jahren, und die Rekultivierung dauert ebenso lange. Danach soll das Gebiet der ursprünglichen Nutzung als Landwirtschaftsfläche zugeführt werden.

Die beantragte Nutzungsplanänderung stützt sich auf den kantonalen Richtplan. Im Kieskonzept 2008 hat der Kanton Zug die abbaubaren Kiesreserven beurteilt und den Bedarf bis ins Jahr 2040 ermittelt. «Basierend auf diesem Konzept nimmt die Kiesgrube Edlibach eine Schlüsselstelle bei der Versorgung des Kantons mit dem Rohstoff Kies ein», erklärt Theo Desax, Regionalleiter der Kibag. Drei Gründe sprechen laut Baudirektor Urs Hürlimann für die besagte Erweiterung: «Zum einen sind die geologischen Verhältnisse hier günstig. Zum anderen ist das Relief im Abbauperimeter flach, sodass sich das Gelände nach dem Abbau problemlos wiederherstellen lässt. Drittens kann die bestehende Abbauinfrastruktur weitergenutzt werden.»

In der neuen Abbauzone soll bis in eine Tiefe von gut 40 Metern Kies abgebaut werden, so kann der Flächenbedarf laut Gesuch der Kibag gering gehalten werden. Die Kiesgrube besteht schon seit längerem. Regionalleiter Theo Desax vermutet: «Unseres Wissens wird seit mehr als 100 Jahren hier Kies abgebaut. Ein industrieller Abbau erfolgt seit rund 60 Jahren. Ebenso lange werden auch die abgebauten Flächen wieder mit sauberem Aushub gefüllt und anschliessend rekultiviert.»

Die besagten Gesuche liegen bereits zum zweiten Mal öffentlich auf. Denn 2015 wurde die Zustimmung des Kantonsrats in Bezug auf das Gesetz über den Schutz und die Erhaltung der Moränenlandschaft im Raum Menzingen–Neuheim und Umgebung nicht eingeholt. Der Kantonsrat hat im Februar 2016 die Ausnahmebewilligung gesprochen, die aufgrund des öffentlichen Interesses zur Aufhebung des Moränenschutzes besteht. Die Gesuche wurden nur wenig angepasst: «Wir haben die ursprüngliche Fläche um 4270 Quadratmeter reduziert», erklärt Theo Desax. Die Grösse der Fläche entspreche derjenigen, die im Richtplan für die Erweiterung der Kiesgrube Edlibach vorgesehen sei. Auch wurde der Umweltverträglichkeitsbericht mit den neusten Werten aktualisiert.

Künftige Pläne im Gebiet Edlibach

Vor zwei Jahren hatte die Alternative-die Grünen Menzingen Einsprache gegen die Arrondierung Bethlehem Süd erhoben, da der Moränenschutz vergessen gegangen war, erzählt die Präsidentin der Ortspartei, Marianne Aepli, und sagt weiter: «Die Partei kommt zum Schluss, dass für die geplante Erweiterung kein öffentliches Interesse und kein Kiesnotstand bestehen.» Die Partei befürchtet zudem, dass eine Erweiterung «Edlibach Süd» in Zukunft auf dem Plan stehen könnte, da in diesem Gebiet die Abbaumenge noch höher wäre, führt Aepli weiter aus. Sie präzisiert: «Dann würde der alte Pilgerweg von Schönbrunn über den Gubel in die Kiesgrube fallen, und der Abbau würde bis zum letzten Anstieg Gubel reichen.» Sie stellt die Frage: «Wofür soll ein Moränenschutzgesetz gültig sein, wenn von Ausnahmebewilligung zu Ausnahmebewilligung der Landschaftsschutz weiter umgangen wird?»

Laut Theo Desax hängen die künftigen Pläne vom politischen Willen des Kantons Zug ab, ob dieser sich mit eigenem Kies versorgen soll oder vermehrt auf Importe setzen möchte. «Weiter ist zu prüfen, ob es sich in wirtschaftlicher Hinsicht lohnt, die noch vorhandenen Rohkiesreserven im Raum Edlibach bzw.Bethlehem weiter abzubauen.»