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MENZINGEN: «Manchmal musste ich hart sein»

Nach zwölf Jahren im Gemeinderat tritt Roman Staub zurück. Das politische Geschehen will er weiterhin verfolgen – und trotzdem schweigen.
Silvan Meier
Roman Staub konnte wegen seiner beruflichen Belastung eine weitere Legislatur nicht mehr verantworten. (Bild Stefan Kaiser)

Roman Staub konnte wegen seiner beruflichen Belastung eine weitere Legislatur nicht mehr verantworten. (Bild Stefan Kaiser)

Mit ihm verstummt die mahnende Stimme vom Berg: Menzingens Gemeindepräsident Roman Staub hat sich immer wieder zur finanziellen Situation seiner Gemeinde, zum kantonalen und nationalen Finanzausgleich und zur Steuerschere geäussert. Das zwar immer fair, aber durchaus pointiert. Zwölf Jahre lang stand Staub der Finanzabteilung vor, zuvor war er vier Jahre lang Präsident der gemeindlichen Rechnungsprüfungskommission. Die letzte Legislatur amtete er als Gemeindepräsident. Versprochen hatte er vor den Wahlen 2010 acht Jahre am Ruder. Nun hat der CVP-Politiker bereits auf Ende dieses Jahrs seinen Rücktritt bekannt gegeben, weil er als Geschäftsleitungsmitglied der Landi Zug beruflich stark engagiert ist. Im Interview erklärt er, wie er die zwölf Jahre im Gemeinderat erlebt hat und wie seine Zukunft aussieht.

Roman Staub, Sie haben an Ihrer letzten Gemeindeversammlung sämtliche acht Abstimmungen ohne eine einzige Gegenstimme gewonnen. Haben Sie Ihre Gemeinde so gut im Griff?

Roman Staub: Ich glaube nicht, dass ich die Gemeinde im Griff habe. Wir haben einfach gute Einwohner. Der Gemeinderat hat immer seriös gearbeitet, deshalb ist das Vertrauen da. Aber so wie an dieser letzten Gemeindeversammlung habe ich die Abstimmungen sonst nie durchgebracht. Es kann aber auch anders sein. Bei der Bekanntgabe der Schulraumplanung war der Gegenwind grösser.

Der Gemeinderat hat mitgeteilt, dass der Schulstandort Finstersee gestrichen wird.

Staub: Das ist korrekt. Aber manchmal muss man hart sein. Als Gemeindepräsident muss man auch unpopuläre Entscheide fällen und für sie einstehen, das gehört dazu. Diese Pflicht wahrzunehmen ist nicht immer angenehm.

Gab es während Ihrer Zeit als Gemeindepräsident auch heftige Diskussionen im Gemeinderat?

Staub: Natürlich haben wir manchmal hart miteinander diskutiert. Gerade als Finanzchef musste ich auch einmal ein Budget kürzen. Aber die Stimmung im Gremium war und ist sehr gut. Abstimmungen gab es nur selten. Mir war wichtig, dass sich nie ein Ratsmitglied im Stich gelassen fühlt. Die Kollegialität ist hoch im Kurs. Wir gehen praktisch nach jeder Sitzung gemeinsam essen. Diese Tradition hat meine Vorgängerin Margrit Hegglin eingeführt, ich habe sie beibehalten.

Die Stimmung im Gemeinderat scheint zu passen, amtsmüde wirken Sie auch nicht – und trotzdem hören Sie auf?

Staub: Ich übe mein Amt tatsächlich sehr gerne aus. Der Abschied Ende Jahr erfüllt mich mit Wehmut. Aber man soll aufhören, wenn die Arbeit Freude macht. Ich möchte und kann nicht mehr an zwei Orten verantwortlich sein. Ich bin als Geschäftsleitungsmitglied der Landi Zug stark engagiert und teilweise in überregionalen Arbeitsgruppen tätig. Eine weitere Legislatur konnte ich nicht mehr verantworten. Der Respekt vor Fehlern wird grösser. Man ist nie fehlerlos, aber man soll überlegt arbeiten, sonst schiesst man plötzlich einen groben Bock. Auch wenn mir der Rücktritts­entscheid schwerfiel, bin ich nun froh, habe ich ihn gefällt.

Ab Anfang Januar haben Sie mehr Zeit als bis anhin. Wird Ihnen dann plötzlich langweilig?

Staub: Es wird wohl ein kleines Loch geben. Meine Agenda ist tatsächlich ziemlich leer. Und das war sie in den letzten Jahren nie. Aber beruflich kommt einiges auf mich zu. Und ich freue mich, nun mehr Zeit für meine Hobbys zu haben.

Werden wir einmal einen Kantonsrat Roman Staub erleben?

Staub: Nein, für mich stimmt es so. Im Gemeinderat arbeiteten wir sachpolitisch, die Parteizugehörigkeit spielte keine Rolle. In einem Parlament ist das anders. Ich könnte mir nicht vorstellen, stramm auf einer Parteilinie zu agieren. Der Kantonsrat wäre deshalb nicht meine Welt.

Die Gemeindepolitik werden Sie aber weiterhin verfolgen?

Staub: Natürlich. Vor allem die finanzielle Situation des Kantons und der Gemeinden werde ich nicht aus den Augen verlieren. Das nächste Jahr werde ich aber an keiner Gemeindeversammlung anzutreffen sein. Später werde ich durchaus als Einwohner von Menzingen teilnehmen. Aber ich werde mich sicher nicht mehr äussern. Das kommt nicht gut und auch nicht gut an. Ich gehe politisch in Pension.

Heute räumen Sie Ihr Büro. Haben Sie Ihre Nachfolger – Peter Dittli als Präsidenten und Isabelle Menzi als Finanzchefin – bereits in die Aufgaben eingeführt?

Staub: Mit Peter Dittli habe ich sowieso einen regen Austausch. Er kennt als Bisheriger die Abläufe genau. Hier verläuft die Übergabe fliessend. Mit Isabelle Menzi bin ich bereits einmal zusammen­gesessen. Mit Aufräumen habe ich im Sommer begonnen. In den zwölf Jahren hat sich so einiges angesammelt. Ich habe mir deshalb gleich einen Reisswolf ins Büro bringen lassen.

Ihre Amtszeit haben Sie also bereits Revue passieren lassen. Was waren die Höhepunkte, was die Tiefschläge?

Staub: Tiefschläge hat es eigentlich keine gegeben. Wir haben die Projekte durchgebracht und konnten investieren. In den zwölf Jahren als Finanzchef konnte ich trotzdem zehn Mal einen positiven Abschluss präsentieren. Ich bin froh und dankbar, kann ich meiner Nachfolgerin eine gute Kasse übergeben.

Aber die rosigen Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Alle Gemeinden malen eher schwarz, was die finanzielle Zukunft angeht. Braucht sich Menzingen Sorgen zu machen?

Staub: Es wird wohl tatsächlich so sein, dass die Einnahmen nicht mehr gleich sprudeln. Aber das braucht es auch wieder einmal. Denn nur so kommen Ideen, dass es auch anders gehen würde. Wir sind im Kanton Zug in den letzten Jahren immer mit dem Maximum gefahren. Nun müssen wir zurück zum Optimum. So kann Neues entstehen. Vielleicht wird es ein paar härtere Entscheide geben. Aber man muss das positiv sehen. Wir dürfen im Kanton Zug angesichts der finanziellen Lage sowieso kaum jammern.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Gemeinde Menzingen?

Staub: Baulich und bevölkerungsmässig wird sich nicht viel bewegen. Am wichtigsten wird der Finanzhaushalt sein. Sonst sehe ich keine grossen Hürden.

Und die Asylunterkunft Gubel?

Staub: Ich glaube, wir haben hier eine gute Lösung erarbeitet. Dafür waren aber auch intensive Vorarbeiten zusammen mit dem Kanton und dem Bundesamt für Migration nötig. Nun wird es funktionieren, vielleicht mit Nebengeräuschen. Aber sollten sich Probleme wie Ladendiebstähle oder Alkoholkonsum ergeben, müssen wir sofort reagieren, sonst könnte es Unstimmigkeiten geben im Dorf. Ich habe mich deshalb zu Beginn der Diskussion auch bewusst sehr kritisch zur Asylunterkunft geäussert. Manchmal muss man etwas provozieren, um seine Position klarzumachen.

Was wünschen Sie dem neuen Gemeinderat?

Staub: Ich hoffe, dass es auch im neu zusammengesetzten Gremium ein Miteinander gibt. Und ich wünsche dem Gemeinderat den Mut, auch mal zu sagen: Das geht nicht. Er soll auch unbeliebte Entscheide treffen können.

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