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MENZINGEN: Schulschliessung Finstersee: Die Argumente liegen auf dem Tisch

Eine Gruppe aus Finstersee hat ein Podium zur geplanten Schulschliessung organisiert. Die Gemeinde führt vor allem finanzielle Gründe ins Feld. Demgegenüber stehen die Dorfbewohner, die fürchten, eine Lebensader zu verlieren.
Rahel Hug
Der Blick in das Schulzimmer von Finstersee, wo vier Schulstufen zusammen unterrichtet werden. (Bild: Maria Schmid (4. Mai 2016))

Der Blick in das Schulzimmer von Finstersee, wo vier Schulstufen zusammen unterrichtet werden. (Bild: Maria Schmid (4. Mai 2016))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

«Vielfalt ist der Erfolg von Menzingen», «Tragen wir Sorge dazu und entwickeln es», steht auf grünen Tafeln, die die Holzbühne in der Menzinger Schützenmatt zieren. Die Gruppe Mitenand pro Schule hat zum öffentlichen Podium geladen. Streitpunkt ist die vom Gemeinderat geplante Schliessung der Schule Finstersee, über die am 4. März an der Urne abgestimmt wird.

Die Finsterseer eröffnen den Abend mit einem Film, der aufzeigt, wie das Leben im 400 Einwohner zählenden «Dörfli» pulsiert, und was für einen wichtigen Stellenwert die Schule im ganzen Gefüge für die Bewohner hat.

Die Ankündigung des Gemeinderats im Jahr 2014, die Schule zu schliessen, hat die Finsterseer aufgerüttelt. Man wehrte sich mit politischen Vorstössen, der Verein Finstersee.ch wurde gegründet.

Zu den Aktivitäten gehört auch der gut besuchte Anlass vom Dienstag. «Wir haben das Podium organisiert, weil es sonst im Vorfeld der Abstimmung keine öffentliche Diskussion geben würde», sagt Brigitte Blättler von der Gruppe Mitenand zu Beginn.

Rückläufige Schülerzahlen in der Gemeinde

Gemeindepräsident Peter Dittli und Finanzvorsteherin Isabelle Menzi stehen als Vertreter der Gemeinde Brigitte Blättler und Josef Marty gegenüber, die die Interessen von Finstersee vertreten. Josef Marty ist ehemaliger Lehrer und Kantonsrat.

Als Fachpersonen ergänzen Catherine Scherer, langjährige Lehrerin in Finstersee, der Menzinger Rektor Richard Hänzi sowie Carl Bossard, Gründungsrektor der PH Zug, das Podium. Für die Moderation konnten die Organisatoren den Schwyzer Kommunikationsexperten Iwan Rickenbacher gewinnen.

Die Gegner der Schulschliessung erhalten zuerst das Wort. «Die Schule hat eine sozial sehr wichtige Bedeutung, sie ist Anziehungspunkt für Familien und letztlich auch für das Gewerbe», erklärt Brigitte Blättler, und Josef Marty ergänzt: «Die Schule ist die Seele des Dörflis.»

Demgegenüber stehen die Argumente des Gemeinderats. «Dass das Schulgebäude saniert werden muss, ist seit mehreren Jahren bekannt», führt Peter Dittli aus. Nach einer umfassenden Schulraumplanung, begleitet durch ein externes Büro, habe der damalige Gemeinderat Ende 2014 einen Grundsatzentscheid gefällt und beschlossen, die Schulstandorte zu konzentrieren.

Während des darauffolgenden Prozesses mit der Mitwirkung und zwei an der Gemeindeversammlung abgelehnten Machbarkeitsstudien habe man keine Investitionen getätigt. «Heute rechnen wir mit 1,7 Millionen Franken, um die Schule fit für die Zukunft zu machen.» Man müsse bedenken, dass Menzingen die einzige Zuger Gemeinde mit rückläufigen Schülerzahlen sei.

Isabelle Menzi fügt an: «Das Geld ist im Zentrum besser investiert und kommt allen zu Gute. Es braucht eine Bündelung. Daraus ergeben sich zahlreiche Vorteile. Beispielsweise befinden sich viele Freizeitangebote und die Schulergänzende Betreuung in Menzingen.»

Dem widerspricht Josef Marty: «Die Kinder in Finstersee brauchen die meisten dieser Angebote nicht. In Menzingen müssten zusätzliche Plätze geschaffen werden, was wiederum Geld kostet.»

Lernen, das Dorfleben aktiv mitzugestalten

Von Catherine Scherer erfahren die Interessierten, wie in der Schule Finstersee gearbeitet wird. «Es ist sehr wertvoll, wenn vier Jahrgänge zusammen am Unterricht teilnehmen», sagt Scherer. «Mal gehört man zu den Kleinsten, mal zu den Grössten, die den Kleinen helfen können. Das gefällt den Kindern.»

Ausserdem würden die Kinder in der Schule lernen, das Dorfleben aktiv mitzugestalten. Der Rektor Richard Hänzi macht auf die gute Arbeit aller Lehrpersonen in Menzingen aufmerksam: «Ob in Finstersee oder in Menzingen: Die Qualität des Unterrichts ist sehr hoch.»

Für Carl Bossard haben Gesamtschulen, wie es sie neben Finstersee auch in Niederwil in der Gemeinde Cham gibt, einen ganz besonderen Wert. «Wir brauchen in unserem Land Strukturen, die die Gemeinschaft fördern.» Er könne nicht verstehen, weshalb der Gemeinderat den Schulstandort Menzingen stärken wolle, dies aber auf Kosten des Standorts Finstersee, der damit ja geschwächt werde.

Iwan Rickenbacher holt auch Meinungen aus dem Plenum ab. Es zeigt sich, dass viele der Schliessung kritisch gegenüberstehen. «Heutzutage muss alles optimiert werden, und dabei geht der Mensch oft vergessen», so eine Votantin. «Mir ist nicht klar, was man mit der Schulschliessung genau gewinnt», sagt eine weitere.

Rickenbacher stellt zum Schluss treffend fest: «Es handelt sich hier um ein sehr emotionales Thema. Es ist schön, dass trotzdem respektvoll diskutiert wurde.»

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