MENZINGEN: «Trotz der Hörner sind meine Yaks nicht gefährlich»

Auf der Greenhill Ranch weiden sieben tibetische Hochland­rinder – und ziehen bereits Schaulustige an.

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Sonja Mathis: «Yaks können stur sein und sind sehr intelligent.» (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Sonja Mathis: «Yaks können stur sein und sind sehr intelligent.» (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Umgeben von grünen Wiesen und idyllischen Hügeln grasen seit vergangenem Montag sieben tibetische Hochlandrinder, sogenannte Yaks, in Menzingen. Laut Sonja Mathis, die das Herdenbuch der Yaks führt und gleichzeitig die Besitzerin der sieben Tiere ist, sind es die ersten ihrer Gattung im Kanton Zug.

Nach 14 Jahren im Wallis zog es Sonja Mathis zusammen mit ihren Yaks zurück in die Zentralschweiz. Die heissen Sommermonate allerdings verbrachten die Yaks im Berner Oberland. «Ich bin froh, dass sie nun wieder in meiner Nähe sind», sagt Mathis. So könne sie die Tiere – drei Kühe, drei Kälber und ein Stier – nach der Arbeit auch besuchen.

Sehr pflegeleichte Tiere

Unterkunft haben die exotischen Rinder bei Ernst Röllin auf der Greenhill Ranch gefunden. Im «Zuger Amtsblatt» habe er den Aufruf von Mathis gesehen, dass sie eine Weide suche für ihre zotteligen Tiere. «Ich bin immer offen für Neues und habe sofort Sonja Mathis angerufen», erzählt Röllin. Die Yaks, die an schottische Hochlandrinder erinnern, würden seinen Betrieb noch lebendiger machen. «Äusserst praktisch ist auch, dass sie die Sträucher und Gräser fressen, die meine Kühe nicht anrühren», sagt der Landwirt. Das weiss auch Mathis: «Es sind sehr pflegeleichte Tiere, die weder Kraft- noch Zusatzfutter benötigen.» Auch die Tierarztkosten würden sich tief halten, da sie keine Klauenprobleme hätten und keine Hilfe beim Kalbern bräuchten.

Die drei Kühe sind einmal im Jahr trächtig und werfen nach achteinhalb Monaten, im Frühling, ein Kälbchen. Dieses beschützen sie vor anderen. «Weil sie mich aber kennen, akzeptieren sie mich in ihrer Nähe», sagt die Besitzerin stolz. Nach zwei bis drei Jahren werden die jungen Stiere geschlachtet. «Das Fleisch hat wenig Cholesterin und Fett, ist tiefrot und sehr köstlich», verrät Mathis. Bald werde sie die Homepage www.tierisch-gesund.vet eröffnen. So will sie das Fleisch oder lebende Tiere verkaufen. In der Schweiz sei das Fleisch inzwischen zu einer Delikatesse geworden. So koste ein Kilo vom Filet rund 120 Franken.

Sorgen für Aufsehen

Momentan wächst den Yaks ein Winterpelz. Im Frühling verlieren sie das zusätzliche Fell wieder. Dieses könnte als Wolle verwendet werden, zu mehr als für den Eigengebrauch reiche es aber nicht. Den Winter verbringt die Herde dank des warmen Kostüms gerne draussen. «Yaks sind sehr robuste Tiere und mögen die frische Luft», erklärt Mathis. Auch Ernst Röllin ist gespannt, wie oft die Yaks im Winter den Stall verlassen werden. «Ich staune, wie gut sich die Tiere bereits jetzt bei mir eingelebt haben», merkt Röllin an. Sie hätten ihren Platz auf der Weide bereits gefunden; diesen würden sie immer wieder aufsuchen.

Dass die Yaks auf seinem Hof für Aufsehen sorgen, hätte er bemerkt: «Autofahrer bremsen bei der Weide ab und schauen gespannt nach dem zotteligen Rindvieh.» Zudem besuchen bereits Spaziergänger die Tibeter.

Sicher keine Elefanten

Für Besuch ist auch Mathis offen: «Trotz der Hörner sind meine Yaks nicht gefährlich, aber den Respekt sollte man nicht verlieren.» Sie seien sehr sensibel und erschrecken bei lauten Geräuschen. «Yaks können stur sein und sind sehr intelligent», bemerkt die Oberwilerin. Die tibetischen Hochlandrinder könnten gut im Kanton Zug überwintern. Zudem seien sie eine äusserst praktische Alternative zu den herkömmlichen Rindern in der heutigen Landwirtschaft: Sie würden nicht nur die Gräser essen, die die Milchkühe verschmähen, sondern hinterlassen weniger Trittschäden auf der Weide. «Denn sie sind leichter als Milchkühe und können auch auf unwegsamem Gelände grasen», versichert die Expertin.

Im kommenden Frühjahr werden die Yaks wieder ins Berner Oberland ziehen, da der Sommer dort kühler ist. Zum Überwintern kommen sie wieder zurück nach Menzingen. Welche Tiere in der Zwischenzeit bei Ernst Röllin grasen werden, ist noch offen. «Ich kann nur versichern, dass es keine Elefanten sind. Ansonsten bin ich für exotische Tiere, wie beispielsweise Lamas, immer zu haben», gibt er schmunzelnd zu.

Andrea Muff