MENZINGEN: Vom Leben der Flüchtlinge auf dem Berg

Seit letztem Jahr wohnen 120 Asylbewerber im Bundeszentrum Gubel. Das Dasein in- und ausserhalb der ehemaligen Militärunterkunft ist nicht immer einfach.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Das Bundesasylzentrum Gubel: Ein Asylbewerber macht sich zu Fuss auf den Weg ins Dorf. (Bild Maria Schmid)

Das Bundesasylzentrum Gubel: Ein Asylbewerber macht sich zu Fuss auf den Weg ins Dorf. (Bild Maria Schmid)

«Wir dürfen kein Handy haben, wie sollen wir da mit unseren Angehörigen zu Hause in Kontakt bleiben können», klagt ein Asylbewerber, der aus dem kurdischen Teil des Iraks vor den Terror-Truppen der IS-Milizen geflüchtet ist. Seit einigen Wochen ist er in der Asylunterkunft im Gubel untergebracht. Dort fühlt er sich sicher. Und auch wohl. Nur den langen Weg zu Fuss vom Bundeszentrum ins Dorf findet er gerade jetzt im Winter sehr beschwerlich. «Wenn ich den Daumen raushalte, wenn ein Auto vorbeifährt, hält leider keiner an, um mich mitzunehmen.» Er bedauert, dass es keine Fahrgelegenheit ins Dorf gibt.

Keine Frage. So mancher Asylbewerber auf dem Berg fühlt sich isoliert. «Bei Eintritt in die Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes müssen die Gesuch­stellenden ihre Telefone abgeben. Dies dient der Wahrung der Ruhe in den Bundeszentren und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der dort anwesenden Personen», erklärt Martin Reichlin, stellvertretender Leiter Information und Kommunikation beim Staatssekretariat für Migration (SEM). Es soll dadurch verhindert werden, dass Bilder oder Filme von Flüchtlingen auf sozialen Medien und im Internet auftauchen oder verschickt werden – was Asylsuchende oder deren Angehörige zusätzlich gefährden könnte. Flüchtlinge dürften ihre SIM-Karte aber behalten. «Das SEM stellt ihnen bei Bedarf ein einfaches Handy zur Verfügung, das nur das Telefonieren erlaubt. Zudem können Sie Karten kaufen, welche sie an den fest installierten Publifonen verwenden können», so Reichlin. Die Telefongebühren würden von den Asylsuchenden selbst bezahlt.

Computer sind sehr begehrt

Aber warum gibt es keine Busverbindung nach Menzingen? Angeboten wird von Seiten des Bundeszentrums ein Fahrdienst beim Ein- und Austritt ins Zentrum sowie bei Arztterminen. Reichlin: «Ansonsten gehen die Asylsuchenden eben zu Fuss die Wegstrecke von 40 Minuten ins Dorf.» Kritik von Asylsuchenden an dieser Praxis sei bisher nicht eingegangen. «Die Flüchtlinge können das Bundeszentrum verlassen, ausserdem sind täglich mehrere Gruppen von Asylsuchenden im Rahmen von gemeinnützigen Beschäftigungsprogrammen in Gemeinden des Kantons Zug tätig.»

Tony Mehr von der Asylbrücke «IG Zentrum Gubel Mänzige» kann verstehen, dass sich gerade jetzt in der kalten Jahreszeit manche im Gubel wie eingesperrt fühlen. «Ich werde beim nächsten Treffen mit den Verantwortlichen zur Sprache bringen, ob man nicht eine Fahrverbindung für die Flüchtlinge ins Dorf einrichten könnte.» Andererseits höre er nicht viel Kritik von den Asylbewerbern. Kein Wunder. Sein Team – bestehend aus rund 80 Freiwilligen – kümmert sich täglich mit grossem Engagement um die Menschen auf dem Berg.» Besonders begehrt sind die vier Computer», berichtet Mehr.

Die PCs seien derart besetzt, dass man die Nutzerzeiten pro Person auf 20 Minuten herunterschrauben musste. Auch die Sprach- und Kulturkurse seien gut besucht. Gleiches gelte für die Angebote für Kinder, die gerne zum Spielen und Basteln kommen. «Nur einmal ist niemand erschienen – als wir Schachspielen auf dem Programm hatten.» Tony Mehr versichert auch, dass die von der IG angebotenen Führungen durchs Dorf unter den Asylbewerbern sehr beliebt seien. «Die Stimmung in der Unterkunft ist gut.»

Schlägereien, Schwarzfahrer?

Doch man hört auch negative Stimmen aus dem Asylzentrum. Es komme zu Schlägereien, heisst es von Insidern, die sich nicht «outen» wollen. Asylbewerber würden im Dorf vor dem Coop urinieren. Und zahlreiche Flüchtlinge erwische man beim Schwarzfahren im Bus.

Was die angeblichen Schlägereien anbelangt, versichert Martin Reichlin vom SEM, dass es noch zu keiner einzigen Schlägerei im Bundeszentrum Gubel gekommen sei. «Selbstverständlich gibt es Reibereien – aber eher selten.» Für die Sicherheit vor Ort sorge die Securitas.

Was die Asylbewerber betrifft, die angeblich in einen Busch urinierten, erklärt die stellvertretende Coop-Filialleiterin in Menzingen: Sie habe von diesem Vorfall, der sich an einem Sonntag zugetragen haben soll, von einer Kundin gehört. «Ich kann dies persönlich nicht bestätigen. Wir haben mit den Asylbewerbern, die bei uns oft in Gruppen im Laden einkaufen, weder in Sachen Diebstählen noch in ihrem Verhalten gegenüber Frauen bisher irgendwelche Probleme erlebt.»

Und was ist mit den vielen Schwarzfahrern? «Wir haben vereinzelt Fälle von Asylsuchenden, die ohne Ticket unterwegs sind und dabei in eine Kontrolle der ZVB geraten», sagt Kathrin Howald, Mediensprecherin der Zugerland Verkehrsbetriebe. Diese würden dann wie alle anderen Fahrgäste ohne gültiges Billett gebüsst. Howald: «Grundsätzlich aber erhalten Asylsuchende für offizielle Termine wie Arztbesuche ein Ticket von der Bundesasylunterkunft Gubel. Sollten sie privat unterwegs sein, haben sie einen Fahrschein zu kaufen.»

Wolfgang Holz