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MENZINGEN: «Wir sind ein sehr fröhlicher Betrieb»

Im Zentrum Sonnhalde treffen seit zehn Jahren Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf­einander. Das Haus hat damit Neuland beschritten.
Interview Susanne Holz
Ist mit der Entwicklung des Zentrums Sonn­halde zufrieden: Stiftungsratspräsidentin Ruth Jorio. (Bild Stefan Kaiser)

Ist mit der Entwicklung des Zentrums Sonn­halde zufrieden: Stiftungsratspräsidentin Ruth Jorio. (Bild Stefan Kaiser)

Offene und spontane Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung: Das Zentrum Sonnhalde in Menzingen ermöglicht solche seit nunmehr zehn Jahren. Eröffnet wurde das Zentrum im August 2003 – nach einem umfassenden Umbau. Zuvor hatte die Sonnhalde auf den Hügeln vor Menzingen ein Alters- und Pflegeheim der Menzinger Schwestern beherbergt.

Mit der Eröffnung des Zentrums begann ein einmaliges Projekt im Kanton Zug, das auch schweizweit das erste dieser Art war: Ein ganzes Jahrzehnt treffen nun schon die Kinder zweier Menzinger Kindergärten sowie die Kinder der Menzinger Kinderkrippe Rägeboge auf die Schüler der Orientierungsstufe des Heilpädagogischen Zentrums Hagendorn, auf die Bewohner des Wohnens Sonnhalde und auf die Lernenden des Ausbildungsbetriebs – auf Menschen mit Beeinträchtigung also. Denn für diese ist das Zentrum Sonnhalde konzipiert. Es umfasst den Ausbildungsbetrieb im Bereich Hauswirtschaft, Küche und Hauswartung, der sich an schulentlassene Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen und Lernschwierigkeiten richtet. Unter dem gleichen Dach befindet sich das Wohnen Sonnhalde: In drei Wohngruppen gibt es Wohnplätze für Erwachsene mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen. Diese Menschen werden rund um die Uhr begleitet und bestärkt, sich und ihre Wünsche im Alltag einzubringen.

Was das Zentrum sonst noch ausmacht, sind seine Tagungsräume, die Cafeteria und die Wäscherei, die allesamt der Öffentlichkeit zugänglich und gleichzeitig ein Lernfeld für die Auszubildenden sind. Über zehn Jahre Zentrum Sonnhalde, über Vergangenheit und Zukunft sprachen wir mit Stiftungsratspräsidentin Ruth Jorio.

Frau Jorio, das Zentrum Sonnhalde, ein Teil der Stiftung Maihof, wird zehn Jahre alt. Was ist das Besondere an der Menzinger Sonnhalde?

Ruth Jorio: Unser Zentrum war das erste in der Schweiz, das Gesunde sowie Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung unter einem Dach vereinte. Unser Grundanliegen war: Alle sollen den gleichen Eingang benützen, es soll natürliche und keine künstlich herbeigeführten Begegnungen geben. Die Hemmschwellen sollen Tag für Tag abgebaut werden. Beispielsweise auf dem gemeinsamen Spielplatz für die Kinder aus Hagendorn und Menzingen. Das sind wertvolle Erfahrungen für die Kinder. Und auch für die erwachsenen Bewohner der Sonnhalde ist es schön, wenn mit den Kindern viel Leben da ist.

Sind Sie zufrieden mit der sonstigen Ausnutzung des Zentrums, den Tagungsräumen, der Cafeteria?

Ruth Jorio: Ja, wir haben viele Seminare und Tagungen von Firmen, Hochzeiten werden ebenfalls bei uns gefeiert. Wir vermieten den Mehrzweckraum für Musikabende und andere Veranstaltungen. Und wir bieten das Mittagessen für jedermann – gegen eine kurzfristige Voranmeldung. In der Cafeteria dürfen wir Jass- wie Schulgruppen empfangen – da läuft sehr viel über Mund-Propaganda.

Welche Neuerungen und Veränderungen gab es in den zehn Jahren?

Ruth Jorio: Im Wohnen Sonnhalde konnten wir diesen Sommer die dritte Wohngruppe für Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung eröffnen. Wir bieten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung an 365 Tagen im Jahr für nunmehr drei Wohngruppen mit maximal sieben bis acht Bewohnern. Der Wunsch ist, dass die Bewohner sich zu Hause fühlen – wenn möglich, behalten wir sie ein ganzes Leben lang. Im Haus Maihof in Zug gibt es zudem das Konzept funktionale Gesundheit, das auch in der Sonnhalde peu à peu eingeführt wird. Es geht darum, die Bewohner bei alltäglichen Arbeiten mitmachen zu lassen.

Wie gut hat sich der Ausbildungsbetrieb etabliert?

Ruth Jorio: Die Schule hat sich gut stabilisiert. Die Schüler kommen hauptsächlich aus der Zentralschweiz. Die Planung ist nicht einfach, weil die Anmeldungen oft kurzfristig erfolgen – viele unserer Schüler versuchen zuerst, eine gängige Lehre zu bekommen. Sind sie dann bei uns, ist es schön zu sehen, wie sie sich entwickeln. Wenn sie wieder gehen, sind sie sehr selbstsicher – das ist eine grosse Freude.

Was bringt die Zukunft für die Sonnhalde?

Ruth Jorio: Wir sind gut ausgelastet, haben aber im Moment keine weiteren Ausbaupläne. Die Stiftung Maihof ist mit ihren 32 Jahren eine junge Stiftung, die rasant gewachsen ist – mehr, als je gedacht. Wir sind sehr zufrieden, wir haben überdurchschnittlich viele langjährige Angestellte, das ist sehr angenehm für die Bewohner. Die vier Häuser der Stiftung ergänzen sich, jedes hat einen anderen Charakter. So kann man sich jeweils überlegen, in welches Haus ein Bewohner am besten passt – dafür gibt es Schnupperwochen und Probewohnen.

Vor vier Jahren stand die Stiftung in der Kritik. Die Vorwürfe lauteten auf Personalmangel in den Heimen und auf falschen Umgang mit den Angestellten.

Ruth Jorio: Wir pflegen eine offene Kultur in der Stiftung. Wir haben einen Personalschlüssel und richten uns nach den Vorgaben des Kantons. Manche Bewohner brauchen zeitweise eine Eins-zu-eins-Betreuung. Verändert sich ein Bewohner, kann man an seine Grenzen kommen. Gesellt sich etwa zur Beeinträchtigung eine psychische Krankheit, muss hie und da ein anderer Betreuungsplatz gesucht werden. Beschwerdefälle sind Ausnahmen – kommt Kritik auf, soll man das Kritisierte prüfen und eventuell verbessern. Zurzeit hat die Stiftung 200 Mitarbeitende.

Welche bleibenden Eindrücke nehmen Sie aus zehn Jahren Sonnhalde mit?

Ruth Jorio: Für mich ist es jedes Mal sehr eindrücklich, ein Fest mit den Bewohnern zu erleben. Sie sind fröhlich und unbekümmert, leben sehr im Moment. Die Mitarbeitenden bieten eine unwahrscheinliche Kreativität auf, um ein Programm für die Bewohner zu gestalten. Dies lässt sich auch dank der Spenden verwirklichen. Ich finde, wir sind ein sehr fröhlicher Betrieb, es herrscht eine entspannte und gute Atmosphäre – was ich auch immer wieder von den Besuchern höre. Das tägliche Zusammenleben in der Sonnhalde ist ein Erfolgsmodell.

Hinweis

Das Jubiläum wird am Samstag, 24. Au­gust, von 13 bis 17 Uhr im Zentrum Sonnhalde, Haldenstrasse 31, Menzingen, gefeiert. Detailprogramm auf www.stiftung-maihof.ch.

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