Schreiner aus Finstersee spannt für besonderes Projekt mit neun Unternehmen zusammen

Firmen aus dem Kanton Zug und angrenzenden Gemeinden stellen Hochbeete her. Das hat einen tieferen Sinn.

Raphael Biermayr
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Alexandra Elsener hantiert an einem der Hochbeete.

Alexandra Elsener hantiert an einem der Hochbeete.

Bild: PD

Es sind die ganz grossen Fragen, die im Pausenraum der Schreinerei Elsener in Finstersee zur Sprache kommen. «Wir dürfen die Kette nicht aus der Hand geben», sagt der Inhaber Seby Elsener und zeigt die Zusammenhänge mithilfe von Gegenständen auf dem Tisch auf. Er meint die Wertschöpfungskette eines Produkts von der Planung über die Produktion bis zum Vertrieb.

All das manifestiert sich für ihn in Hochbeeten. Denn solche bieten Elsener und neun weitere Unternehmen – sieben davon aus dem Kanton Zug – neuerdings an. Das Besondere an den Beeten ist, dass nicht nur ihre Verarbeiter und Anbieter aus der Region stammen, sondern wenn immer möglich auch das dafür verwandte Material.

So wird beispielsweise das Holz im Gebiet Gottschalkenberg geschlagen. Die Botschaft von Elsener und seinen Mitstreitern ist klar: Von der viel zitierten Nachhaltigkeit soll nicht nur die Rede sein, sondern es soll etwas Konkretes dafür getan werden. In ihrem Fall ist das eben die Herstellung von Hochbeeten.

Inspiration durch einen Film

Der Zeitpunkt für die Lancierung mutet nicht zufällig an. Tatsächlich hat die Coronakrise den Ausschlag gegeben, bestätigt Seby Elsener. Die Idee zu den regional produzierten Hochbeeten hätte ihn jedoch schon länger umgetrieben gehabt. In einem Dokumentarfilm seien solche Beete unter anderem in Städten als eine Möglichkeit gezeigt worden, «um das soziale Miteinander und das nachhaltige Bewusstsein zu stärken und den Klimawandel zu bekämpfen», indem man zum Beispiel Gemüse oder Kräuter selbst anbaut. Die Coronakrise hätte schliesslich noch unterstrichen, wie zerbrechlich die Globalisierung sei, ist der Schreiner aus Finstersee überzeugt:

«Es war das Tüpfelchen auf dem i.»

Die Preise für die Hochbeete wirken stattlich, selbst wenn darin die mit preisgekrönter Neuheimer Pflanzenkohle versehene Erde bereits eingerechnet ist. 490Franken kostet das günstigste Modell, für das teuerste verlangen die Anbieter 2420 Franken. Diese Beträge verstehen sich bei Abholung. Aufbauen muss man die Beete – ausser dem kleinsten im Sortiment – selbst. Wobei sich auch dahinter ein tieferer Sinn verberge, erklärt Elsener: «Es ist uns ein Anliegen, den Kunden nicht nur ein Hochbeet zu verkaufen, sondern sie einzuladen, es selber zusammenzubauen.» Man könne es sich gegen einen Aufpreis aber auch liefern und aufbauen lassen.

Seine Leute brauchten dafür dreieinhalb Minuten, «mit einem Bier in der Hand geht es vielleicht eine halbe Stunde», sagt Seby Elsener und lacht. Als Anleitung für den Aufbau dient ein Video auf der Homepage.

Seinen Vergleichen mit anderen Anbietern zufolge seien die Preise nicht zu hoch gegriffen. Er betont, dass alle involvierten Unternehmen an jedem Verkauf eines Hochbeets einen Anteil erhalten würden.

Auch darüber hinaus will Elsener das Lokale und Regionale fördern. Ein entsprechendes Label («Moränen Region») verbindet bereits eine Interessensgemeinschaft von Firmen, die in Ortschaften rund um die markanten Moränenhügel liegen. Das Label soll weitere Unternehmen und Institutionen zugänglich sein, die «gewisse Standards» in Bezug auf die regionale Ausrichtung erfüllt, wie Seby Elsener es ausdrückt.

Eines scheint sicher: Die nächste Idee wird nicht lang auf sich warten lassen.

Kann die Zuger Messe stattfinden?

Die Planung der Herbstmesse läuft auf Hochtouren. Eine Absage wäre bis zum Beginn des Aufbaus Ende August finanziell tragbar.
Carmen Rogenmoser