MESSE ZUG: Einer allein bräuchte 9 Jahre für den Aufbau

Am (heutigen) Montag beginnen die Vorbereitungen für den Aufbau der Messe Zug. Bauleiter Kurt Wyss, der heuer sein 20-Jähriges feiert, plaudert aus dem Nähkästchen.

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Der Eingang zur Messe. (Bild pd)

Der Eingang zur Messe. (Bild pd)

Die meisten kennen die Zuger Messe als Besucher. Können Sie uns etwas über die Tätigkeiten als Bauleiter erzählen?
Kurt Wyss: Der Auf- und Abbau der Zuger-Messe ist zu vergleichen mit einer grossen Überbauung mit 470 Eigentümern, die bei Baubeginn alle bekannt sind. Diese «Eigentümer», in unserem Fall Aussteller, gilt es unter einen Hut zu bringen und zufrieden zu stellen. Im Vergleich zu einer Überbauung ist natürlich die Bauzeit für die Messe sehr viel kürzer und (Wyss schmunzelt) es gibt auch keine Abnahmen nach zwei und fünf Jahren zu leisten!

Anfang Oktober starten die Aufbauarbeiten – sicherlich ein logistisches Meisterstück. Was gibt es kurz vor Baubeginn noch zu erledigen?
Wyss: Die Zeit kurz vor Baubeginn ist für Sonderwünsche reserviert, die nicht termingerecht bei uns eingetroffen sind. Diese Anliegen von Ausstellern gilt es zu koordinieren und wenn möglich zu erfüllen. Und was ganz wesentlich ist: Der Anruf bei Petrus mit der Bitte um gutes Aufbauwetter darf nicht vergessen gehen!

Wie viele Handwerker bzw. Firmen gibt es zu koordinieren?
Wyss: Total sind über 50 Firmen und zirka 120 Handwerker im Einsatz.

Können Sie abschätzen, wie viele Stunden Arbeit in die Bauten fliessen – sprich Ihre Arbeit plus die der ganzen Handwerker?
Wyss: Es dürften insgesamt über 17'000 Stunden Arbeit rein für die Bauten anfallen, meine Stunden inklusive. Bricht man dies auf so genannte Manntage herunter, so kommt man auf rund 2000 oder wenn einer alleine alles bauen müsste – was natürlich völlig unrealistisch ist –, bräuchte er rund 9 Jahre?

Kommen Sie während der Aufbauphase überhaupt zum Schlafen?
Wyss: Ja, ausser in der Nacht vor der Messeeröffnung klappt das immer. Am Vorabend der Eröffnung verlegen wir bis um Mitternacht rund 2000 Stück Korridorplatten, um 5 Uhr erfolgt die Baureinigung der Hallen, und um 7 Uhr wird das Aussengelände geputzt. Bis zur Eröffnung um 10 Uhr werden dann noch die Abschlussarbeiten getätigt.

Sie sind nun seit 20 Jahren dabei. Was ist das Markanteste, was sich in all den Jahren in Ihrem Bereich verändert hat?
Wyss: Die grösste Veränderung ist wohl, dass wir die Hallenpläne nicht mehr von Hand zeichnen müssen. Dies hat sicherlich vieles vereinfacht. Auch sehr positiv ausgewirkt hat sich die Neugestaltung der Vegetations- und Asphaltflächen durch die Stadt Zug im Jahr 2000. Diese bewährt sich bestens. Auf der andern Seite gibt es jedoch auch Faktoren, die die Arbeit verkomplizieren. So sind im Laufe der Jahre viele neue Vorschriften dazugekommen. Und für über mich persönlich gibt es noch zu berichten, dass ich seit 2002 Mitglied der Messeleitung bin.

Was ist die grösste Herausforderung der diesjährigen Zuger Messe? Gibt es etwas, was Ihnen Bauchschmerzen bereitet? 
Wyss: Eine grosse Herausforderung stellt sicherlich das Versetzen des grössten mobilen Aquariums von Europa dar (60'000 Liter Wasser Inhalt). Da es durch unseren Gastkanton Schaffhausen erst sehr kurzfristig angeliefert werden kann, muss es quasi durch die Lüfte in die Halle 7 gehievt werden. Aber Bauchschmerzen bereitet mir das nicht.

Sicherlich gibt es tausend Anekdoten, die sich über die Jahre angesammelt haben. Gibt es eine ganz spezielle, die Sie wohl nie mehr vergessen werden?
Wyss: Am fünften Tag nach Messeschluss muss jeweils das Innenareal in tadellosem Zustand abgegeben werden, damit der Zirkus Knie aufbauen kann. Sie können sich vorstellen, dass dies jeweils ein sehr ehrgeiziger Zeitplan ist. Mit einigen Handwerkern stiessen wir nach getaner Arbeit auf den reibungslosen Abbau der Zuger Messe an. Um 21 Uhr klingelte mein Handy, und es wurde mir mitgeteilt, dass Kunstgemälde im Wert von 60'000 Franken vermisst werden. Diese seien in Kartonrollen vor dem Haupteingang zum Abholen bereitgestellt worden. Meine Nachfragen ergaben schliesslich, dass ein übereifriger Handwerker diese Rollen bei der Schlussräumung in eine grosse Entsorgungsmulde, die wir für das Sperrgut benötigen, geworfen hatte. Am Samstagmorgen fanden wir zum Glück die Bilder in der Sortierhalle der Firma Risi AG im Tännlimoos wieder?

Wenn Sie bei der «Baugöttin» einen Wunsch frei hätten – was würden Sie sich wünschen?
Wyss: Von der Baugöttin wünsche ich mir weiterhin eine brand- und unfallfreie Zuger Messe und natürlich ein «Tänzli» mit ihr an der Messe!

scd, Interview pd