Leserbrief

Methode oder Inflation?

«Weihbischof kritisiert Papst», «Zuger Zeitung» vom 29. Oktober

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Die päpstlichen Interviews seien inflationär geworden, meint der Autor des besagten Artikels und man möchte ihm zustimmen. Es bleibt allerdings die Frage, ist das der neue Papst, der diese Lehr-Inflation auslöste, oder ist es wohl nicht eher die Schnelligkeit digitaler Medien, die jeden Rülpser gleich in die Welt hinaus verstärken? Könnte es gar Methode sein, dieses Dauerfeuer von unorthodoxen Meinungsäusserungen des Kompetenzzentrums «Papst»? Stimmt, man steht unter dem Eindruck, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Aber braucht es nicht System, um diesen erratischen Block «Lehre» nicht nur ein Stück weiter zu verschieben und ihn mit etwas digitalem Firlefanz und Flirt mit Sozialismus zu übertünchen, sondern von Grund auf neu zu arrangieren? Man denke da nicht nur an Infrastrukturelles wie Frauenordination, Homosexualität, Laienpriestertum und anderes, welches der Lösung harrt, sondern vielmehr Grundsätzlicheres wie Kreuztheologie, Reproduktionsmedizin, Eschatologie (die Lehre um die letzten Dinge), um die sich die Kirche – nicht nur die römische – bisher doch ziemlich erfolgreich drückte. Glaube sucht Vernunft, und ich denke Luthers Begriff «Hure Vernunft» hat längst ausgedient, soll Verkündigung dynamisch erfolgen, nicht zu Sediment verkommen. In einer Epoche in welcher nur noch um die 12 Prozent der Christen an Gott und ein Jenseits glauben (gemäss einer Statistik des Vatikans), ein Christentum ohne Gott also schon weit gediehen ist, kann das sterile Repetieren alter Mythen nicht mehr Rezept sein. Steter Tropfen höhlt den Stein und dieses Tropfen muss an vielen Stellen ansetzen. Halt doch Franziskus-Methode?

Hans Arnold-Bürgi, Rotkreuz