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MIETRECHT: Statt gut beraten fühlt sich die Mieterin abgezockt

Eine 40-Jährige hatte schlechte Erfahrungen mit ihrem Vermieter gemacht. Für die Zukunft versprach sie sich Unterstützung von einer Mitgliedschaft beim Mieterschutz Schweiz. Doch sie wurde enttäuscht. Der Mieterschutz bestreitet ihre Vorwürfe.
Christopher Gilb
Auf seiner Homepage präsentiert sich der Mieterschutz kundenfreundlich und kämpferisch. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Februar 2018))

Auf seiner Homepage präsentiert sich der Mieterschutz kundenfreundlich und kämpferisch. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. Februar 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

So etwas sollte ihr nicht noch einmal passieren: Wegen der Kosten für eine Renovation waren sich eine 40-Jährige aus der Zentralschweiz und ihr Vermieter in die Haare geraten. Die Auseinandersetzung habe sie viel Zeit und Energie gekostet. «Ich wollte für ein nächstes Mal vorbereitet sein», so die 40-Jährige. Sie stiess auf die Website des Mieterschutzes Schweiz GmbH mit Sitz in Steinhausen. Die Chance dafür ist gross, wer Begriffe wie Mietrecht und Schweiz googelt, erhält diese als einen der ersten Treffer.

Sie schloss eine Mitgliedschaft für 95 Franken pro Jahr ab. Als Vorteile dieser werden unter anderem Gratisrechtsberatung bei mietrechtlichen Problemen und die Bearbeitung von komplexen Rechtsfällen aufgeführt. Von der Beratung wollte sie dann auch Gebrauch machen. Doch auf ihre Anfragen erhielt sie laut eigenen Angaben keine Antwort, und eine Gratistelefonnummer gibt es nicht. Es gibt nur eine für 3.50 Franken pro Minute, die zwischen 10 und 12 Uhr in Betrieb ist, und eine für 4.90 Franken pro Minute, die 24 Stunden in Betrieb sein soll. Sie habe es also mehrfach zwischen 10 und 12 Uhr versucht. «Als ich dann fragte, wieso nie jemand abnimmt, erhielt ich die Antwort, es sei viel Betrieb, und ich solle es doch auf der anderen Nummer versuchen.»

Schon mehrfach kritisiert

Nach rund zwei Jahren Mitgliedschaft hatte sie genug und kündigte. Was dann kam, erinnert an Fälle aus anderen Medienberichten. «Vorsicht vor ‹Mieterschutz›: Abofalle statt seriöser Beratung», berichtete der Kassensturz 2016. Seit Jahren würden um Rat suchende Mieter statt beim offiziellen Mieterverband beim Mieterschutz Schweiz landen. Doch viele Tipps seien oberflächlich, die Hotline sei oft nicht besetzt, und unzufriedenen Kunden werde mit Betreibung gedroht. Auch in anderen Medien wurde Ähnliches berichtet.

Nach eigenen Aussagen kündigte die Zentralschweizerin also fristgerecht ihren Vertrag. «Mein Fehler war es, die Kündigung nicht eingeschrieben zu verschicken.» Als sie dann trotzdem die Rechnung fürs kommende Jahr erhalten habe, habe sie nachgehakt. «Der Eingang der Kündigung wurde verneint. Vielmehr wurde diese erst für Ende des folgenden Jahres akzeptiert, und weitere 95 Franken wurden eingefordert.» In der gesamten Korrespondenz trat der Schreiber des Mieterschutzes nie mit Namen, sondern nur unter der Bezeichnung «Ihr Buchhaltungsteam» in Erscheinung. Im neuen Jahr dann erhielt sie die Kopie eines Mails des Mieterschutzes an eine Betreibungsfirma bezüglich ihres Jahresmitgliedschaftsbetrags. Der nachfolgende E-Mail-Verkehr zeichnet das Bild einer eher unseriösen Firma: Sie solle den Mieterschutz nicht mehr behelligen und sich endlich dem Pöbel anschliessen, steht darin. Denn: «Wir müssen weitere Rechnungen stellen, das Geschäft floriert wie noch nie! Schön, oder?» Die Zentralschweizerin bezahlte. «Ich hatte keine Lust mehr auf diesen Stress.» Daraufhin erhielt sie eine Kündigungsbestätigung auf Ende des laufenden Jahres. Doch es war nicht vorbei: Kurz darauf erhielt sie ein Mail, dass ihr nun fristlos gekündigt werde mit Verweis auf Punkt 2 der AGB des Mieterschutzes. Laut diesem ist eine fristlose Kündigung möglich, wenn den Interessen der Firma zuwidergehandelt wird. Ihr Jahresbeitrag werde ihr aber «natürlich nicht zurückerstattet», so der Mieterschutz. «Ich hoffe, niemand fällt mehr auf diese Abzocker rein», sagt das Opfer heute.

Beim Mieterverband Zug ist die Firma bekannt. Es sei schon vorgekommen, das Leute angerufen und sich über die schlechte Erreichbarkeit beschwert hätten. Anhand der falschen Mitgliednummer habe sich dann erkennen lassen, dass die Kritik nicht dem Mieterverband gelte. Die Anzahl solcher Fälle habe aber abgenommen. Was wohl auch an der regelmässigen Medienberichterstattung zum Thema liege.

In Kontakt zu treten mit dem Mieterschutz, ist schwierig. In den von aussen leer wirkenden Büroräumlichkeiten in Steinhausen ist niemand anzutreffen.

Strafverfahren wurde 2015 eingestellt

Auf unsere schriftliche Anfrage antwortet dann ein Anwalt im Namen des Mieterschutzes. Auf die Frage, ob sein Mandant fristgerechte Kündigungen ignoriere, schreibt er: «Der Mieterschutz ignoriert keine fristgerechten Kündigungen. Die Kündigungsbestimmungen sind in den AGB in aller Deutlichkeit aufgeführt. Richtig ist, dass bei ungekündigten oder nicht fristgerecht gekündigten Mitgliedschaften die fälligen Beiträge abgemahnt und bei Nichtbezahlung Betreibungen eingeleitet werden.»

Angesprochen auf die Ton­lage von Korrespondenzen, schreibt der Anwalt: «Es mag sein, dass es in einzelnen Fällen, insbesondere bei ungerechtfertigten Vorwürfen von Seiten einzelner Mitglieder zu Uneinigkeiten gekommen ist, die gegenseitig zu einer verschärften Wortwahl führten. Die Kommunikation zwischen dem Mieterschutz und seinen Abonnenten erfolgt jedoch im Allgemeinen sachlich und an das professionelle Niveau der erbrachten Dienstleistungen angepasst.

Der Vorwurf, dass diese nicht erbracht würden, sei zudem haltlos. «Der Mieterschutz erbringt seine Dienstleistungen stets gemäss den vertraglichen Verein­barungen. Es ist möglich, dass die Hotline bisweilen besetzt ist, was jedoch nicht zu Kosten bei den Anrufern führt.» Zudem sei im Kanton Zug im Jahr 2015 eine Strafuntersuchung eingestellt worden, da der Verdacht, dass der Mieterschutz nie die Absicht gehabt habe, eine Gegenleistung in Form von Rechtsberatungen zu erbringen, nicht habe erhärtet werden können.

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