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MILCHPRODUKTION: Immer mehr Landwirte steigen aus

Die effektiv ausbezahlten Milchpreise für die Produzenten befinden sich aktuell auf einem sehr tiefen Niveau. Zwei Zuger Bauern erzählen, wie sie mit den Herausforderungen umgehen.
Rahel Hug
Alois Hess, der auf dem Riedhof in Risch bauert, hat mit der Milchproduktion aufgehört. (Bild: Werner Schelbert (Risch, 28. Juli 2017))

Alois Hess, der auf dem Riedhof in Risch bauert, hat mit der Milchproduktion aufgehört. (Bild: Werner Schelbert (Risch, 28. Juli 2017))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Für viele Milchbauern in der Schweiz geht die Rechnung nicht mehr auf. Der tiefe Milchpreis – die Branchenorganisation empfiehlt zurzeit einen Richtpreis in der Höhe von 65 Rappen für sogenannte A-Milch – macht ihnen zu schaffen. Markus Ritter, der Präsident des Schweizerischen Bauernverbands, warf den Milchverarbeitern, Händlern und Grossverteilern im Frühjahr vor, sie erzielten auf Kosten der Produzenten hohe Margen. Diese weisen die Vorwürfe zurück (wir berichteten).

Auch im Kanton Zug zeigen sich die Auswirkungen dieser Entwicklung: Viele Bauern steigen aus der Milchproduktion aus. 271 Betriebe liefern gemäss Zahlen des Kantonalen Landwirtschaftsamtes aktuell sogenannte Verkehrsmilch ab. Vor zwei Jahren waren es noch 280 Betriebe. Auffällig war der Rückgang vor allem in den Jahren davor: 2000 waren es noch 486 Betriebe, 2005 385 und 2010 noch 327.

Grössere, rationalisierte und automatisierte Produktion

Im Gegenzug hat die im Kanton Zug produzierte Verkehrsmilchmenge zugenommen, wie Amtsleiter Roger Bisig ausführt. Sie liegt derzeit bei zirka 51 Millionen Kilogramm. Vor zwei Jahren lag sie bei rund 40 Millionen Kilogramm. Zugenommen hat auch die Zahl der Milchkühe. 2016 waren es 8419 an der Zahl, 2011 8089. «Die Milchproduzenten können den tiefen Milchpreis nur dadurch kompensieren, dass sie mehr Milch produzieren», erklärt Bisig die Hintergründe. Bei den heutigen Preisen, welche die Produzenten erhielten, sei die Milchwirtschaft nur noch in grösseren, rationalisierten und automatisierten Einheiten wirtschaftlich. «Der Sprung von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem Milchwirtschaftsbetrieb mit Angestellten ist allerdings sehr gross und nicht in kleinen Schritten zu realisieren.» Er erwarte in Zukunft weitere Betriebsaufgaben, prognostiziert Roger Bisig. «Zugleich werden einzelne den Quantensprung wagen und den Betrieb wie auch die Stallgebäude vergrössern.»

Einer, der sich aufgrund der Herausforderungen entschieden hat, aus der Milchproduktion auszusteigen, ist Alois Hess. Er bauert seit 1992 auf dem Riedhof in Risch. Rund 30 Kühe produzierten hier jährlich rund 230 000 Liter Milch. Bis vor anderthalb Jahren. «Aufwand und Ertrag stimmten nicht mehr überein», schildert der Landwirt die Beweggründe, die zu seinem Entschluss geführt haben. Der tiefe Milchpreis habe ihm keine Perspektiven geboten, um vernünftig zu wachsen und somit rentabel produzieren zu können. «Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger ist die aktuelle Situation für einen Milchbauer», sagt Hess. Der Rischer Bauer hat nach dem Ausstieg auf Mutterkuhhaltung umgestellt und in die bereits bestehende Schweinemast investiert. Um über die Runden zu kommen, ist er im Nebenerwerb regelmässig als Lastwagenfahrer unterwegs. «Wir konnten die Arbeitszeit durch die Umstellung reduzieren. Die Lebensqualität ist nun deutlich höher als früher», berichtet Alois Hess. 55 Rappen habe er zuletzt für einen Liter Molkereimilch erhalten. «Das ist deutlich zu wenig. 70 bis 80 Rappen wären angemessen.» Würden die Bauern mehr erhalten, wären sie letztlich weniger von Direktzahlungen abhängig, ist Alois Hess der Ansicht.

Der aktuelle Preis sei «nicht nachhaltig», sagt auch Martin Meienberg. Er führt seit 2001 den Hof Hinterthan in Neuheim, wo er rund 50 Milchkühe hält. Jährlich produzieren sie rund 350 000 Liter Milch. «Die Preise kannten in den letzten Jahren nur eine Tendenz: nach unten.» Im letzten Winter habe er einen Tiefpunkt erlebt, danach sei es «nur ganz leicht» aufwärtsgegangen, obwohl der Preis in der EU massiv gestiegen sei. Für Meienberg steht fest: Die Entwicklung kann so nicht weitergehen. Jedoch spüre er, dass das Thema immer stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücke. Der Neuheimer spricht etwa die «Fair Milk» an, die der Discounter Aldi kürzlich lanciert hat. Von den 1,49 Franken, die der Liter im Laden kostet, sollen 70 Rappen garantiert an den Bauern fliessen. «Auch wenn sich das Unternehmen damit in erster Linie profilieren will, bringt die Aktion vielleicht einen Stein ins Rollen. Die Verarbeiter und die Detaillisten, aber auch die Endkunden müssen Verantwortung übernehmen, damit sich etwas ändert.»

Trotz der Herausforderungen will der Neuheimer Landwirt weiterhin auf die Milchwirtschaft setzen – aber nicht ausschliesslich. Martin Meienberg überlegt sich zurzeit, wie er seinen Betrieb diversifizieren kann. «Das Milchgeschäft ist mir zu unsicher. Ich werde mir deshalb in nächster Zeit ein zweites Standbein aufbauen.»

Die Fleischproduktion als Alternative

Welche Alternativen bieten sich Bauern, die aus der Milchwirtschaft aussteigen? In der Regel werde in die Mutterkuhhaltung, also in die Fleischproduktion, gewechselt, sagt Roger Bisig vom Landwirtschaftsamt. Doch auch hier sieht der Experte längerfristig Herausforderungen: «Das geht so lange gut, wie der Fleischmarkt noch im Gleichgewicht ist. Dann dürfte es schwierig werden. Wenn der Bestand an Rindvieh zur Bewirtschaftung des gesamten Graslandes im Kanton Zug nicht mehr ausreicht, stellt sich die Frage, wie diese ‹überzählige› Fläche gewinnbringend bewirtschaftet werden kann.»

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