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MISSION: Ein Iraner hüpft durch die Schweiz

Während dreier Monate hüpft der iranische Athlet Amir Kazemi durch die Schweiz, um auf ein Wohltätigkeitsprojekt aufmerksam zu machen. Die Strecke führt auch durch den Kanton Zug. Besonders ist, dass er bis vor kurzem weder die Schweiz noch das Projekt kannte.
Christopher Gilb
Am Mittwoch hüpfte Amir Kazemi für den guten Zweck auch über den Unterbrüglenweg in Baar. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. März 2018))

Am Mittwoch hüpfte Amir Kazemi für den guten Zweck auch über den Unterbrüglenweg in Baar. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. März 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Der Unterbrüglenweg in Baar letz­ten Mittwochnachmittag. Der 27-jährige Iraner Amir Kazemi hüpft mit einem Springseil Richtung Cham. Es ist kalt, er atmet schwer. Sein Ziel an diesem Tag ist die landwirtschaftliche Schule Schluechthof in Cham. Angefangen hat er an diesem Tag bei der Stiftung Albisbrunn in Hausen am Albis, rund zwei Stunden benötigt er für die Strecke. Es ist die 14. seiner 40 Etappen durch die Schweiz.

Doch wieso das alles? «Weil ich es kann», antwortet der studierte Ingenieur aus der iranischen Hauptstadt Teheran, der nun als Webdesigner arbeitet. 20 Kilometer renne er seit seinem 12. Lebensjahr täglich. In seiner Heimat nimmt er an nationalen Springwettbewerben im Mittelstreckenbereich teil und hat auch schon Pokale gewonnen. Sein Ziel ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Für einen Läufer sei es aber wichtig, auch einmal in den Bergen trainieren zu können. «Ich suchte also über Google Höhentrainingsstrecken. Der erste Treffer war die Trainingsstrecke in St. Moritz.» 2017 war er für mehrere Wochen dort. Die Schweiz habe ihn begeistert, sagt er.

Beim Rennen Gutes tun

Kazemi beschreibt sich selbst als sozialen Menschen. «Wenn ich sowieso täglich renne, wieso dies dann nicht gleich mit einem guten Zweck verbinden?», dachte ich mir schon länger. Da er gemerkt habe, dass karikatives Engagement in der Schweiz vielmehr als in seiner Heimat verbreitet sei, wählte er die Schweiz für sein Projekt aus. Doch zuerst musste er wissen, für welchen guten Zweck er sich überhaupt einsetzen will. Wieder öffnete er Google. Er suchte nach karikativen Organisationen in Genf. «Ich hatte gehört, dass es da viele gibt.» Sein erster Treffer sei Care International gewesen. «Da nur zu springen wenig Aufmerksamkeit erzeugt, dachte ich, dass es besser sei, stattdessen zu hüpfen.» Er habe also bei Care International angefragt, ob er für sie hüpfen könne. Die Organisation sei erstaunt gewesen und hätte ihn erst einmal über ihre Projekte informiert. Er entschied sich für ein Projekt zur Förderung von Mikrokrediten in armen Ländern (siehe Box). Und es wirkt, als hätte Google ihm mit Care International intuitiv den richtigen Treffer geliefert. «Ich bin davon überzeugt, dass Mikrokredite das Leben vieler verändern können. Denn die Leute können so aus der Abhängigkeit kommen und sich selbst etwas aufbauen», so Kazemi. Die Hilfsorganisation sandte ihm Flyer und ein T-Shirt.

Wieder öffnete er das Internet. Es ging jetzt darum, seine Route zu planen. «Ich teilte die Schweiz in vierzig Etappen von Ost nach West auf.» Ziel sei gewesen, dass er alle 15 Kilometer an einem Ort vorbei komme, wo er sein Projekt vorstellen könne. Manchmal ist es eine Gemeinde, manchmal eine Kirche, manchmal ein Stadion. Einige der angeschriebenen Institutionen hätten ihm abgesagt, manche gar nicht erst reagiert, andere aber auch zugesagt. So konnte er beispielsweise bereits in der Universität St. Gallen über das Projekt informieren und in einer Schule in Flawil. Auch im Stade de Suisse in Bern dürfe er einige Runden drehen und somit auf das Projekt aufmerksam machen.

Übers Wochenende pausiert er jetzt. Am Montag geht es weiter in Richtung Luzern. Begleitet wird er im Normalfall von seiner Freundin, die auf dem Fahrrad alles filmt. Nun sei sie aber einige Tage in Österreich gewesen, um dort mit ihrer Schwester das iranische neue Jahr zu feiern. Ihren Schlafplatz organisieren sie sich jeweils über Couchsurfing. Von einem Standort aus rennt er dann etwa fünf Etappen. Danach wechseln sie ihren Aufenthaltsort.

Anstrengender Weg über den Pass

Ziel der 400 Kilometer langen Strecke, die er an der schweizerisch-österreichischen Grenze beann, ist Genf. «Dort wird mich dann die Hilfsorganisation in Empfang nehmen.» Doch durch die Schweiz zu hüpfen, hat seine Tücken, gerade wenn man die Strecke bisher nur von Google kennt. «Mein Weg über den Al­bispass war anstrengend, das Seil blieb mehrfach im Schnee und an Wurzeln auf dem Boden hängen», erinnert sich Kazemi. Mehrfach sei er fast gestrauchelt. «Deshalb musste ich das Hüpfen unterbrechen und normal rennen.» Doch er will dranbleiben. «Auch im Iran gibt es etwa 20 Millionen arme Menschen, an normale Kredite kommen sie nie, dabei könnte auch ein Mikrokredit schon viel für sie verändern.»

Hinweis
Mehr Informationen zum Projekt:www.swissjumprope.com.

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