Mister ÖV tritt ins zweite Glied zurück

Fast 40 Jahre hat sich Fredy Zobrist für den ÖV im Freiamt eingesetzt. Nun hat er das Präsidium der Repla-Kommission abgegeben.

Toni Widmer
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Der öffentliche Verkehr im Freiamt ist in den vergangenen ­Jahren mit mehr und besseren ­­Bus- und Postautolinien sowie Bahnverbindungen deutlich attrak­tiver geworden. Daran hat der 77-jährige Bremgarter Fredy Zobrist grossen Anteil. Seit bald 40 Jahren setzt er sich mit riesigem Engagement und hoher Sachkompetenz für die Entwicklung des ÖV im Freiamt und Aargau ein. Er ist ein unermüdlicher Schaffer und ein Kämpfer, der die Konfrontation mit den SBB oder den Verantwortlichen des Kantons nie scheute, wenn er sie als nötig erachtete. Dennoch, oder gerade deshalb, geniesst er bei den Verkehrsfachleuten hohen Respekt. Seine fundierte Meinung hat Gewicht.

1983 trat er Verkehrs- und Fahrplankommission bei

Bis Ende 2020 war Zobrist Präsident der 2006 gegründeten Kommission Öffentlicher Verkehr Freiamt der Regionalplanungsverbände (Repla) Unteres Bünztal und Oberes Freiamt. Jetzt hat er das Amt Reto Widmer übergeben. Der Kommission ÖV bleibt er als Mitglied der Arbeitsgruppe Fahrplan jedoch erhalten.

Fredy Zobrist – hier am Bahnhof Wohlen – trug mit sehr viel Engagement zur positiven Entwicklung des ÖV im Freiamt bei.

Fredy Zobrist – hier am Bahnhof Wohlen – trug mit sehr viel Engagement zur positiven Entwicklung des ÖV im Freiamt bei.

Bild: Toni Widmer / AZ

1983 ist Fredy Zobrist, der ein Jahr zuvor bei der BDWM-Bahn als Betriebsleiter angefangen hatte, in die Kantonalen Verkehrs- und Fahrplankommission berufen worden. Diese hat sich mit Fahrplankonferenzen für die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs im Kanton eingesetzt, aber auch Aufgaben in den Bereichen Wanderwege und Tourismus wahrgenommen.

Mit dem neuen Eisenbahngesetz wurden diese Konferenzen ab 1996 hinfällig, der Kanton trat fortan als Besteller von Verkehrsleistungen auf. Fredy Zobrist gründete eine Fahrplangruppe, die – vorerst auf privater Basis und ab 1997 als Teil der IG Neat – wichtige Anliegen und Wünsche zu den Fahrplänen und zum öffentlichen Verkehr allgemein einbrachte. Die Gruppe hat über die Jahre einiges erreicht, zum Beispiel war sie mitverantwortlich dafür, dass die BDWM mit neuem Rollmaterial ausgerüstet wurde.

Zobrist verstand es auch stets, die Medien für seine Anliegen einzuspannen. Ein Beispiel: Jahrelang hatte er für eine Anschlussverbindung von Affoltern am Albis nach Zürich gekämpft. Schliesslich gab es einen Probebetrieb. Zobrist informierte die Lokalpresse, welche für die neue Verbindung warb. Bald war der neue Zug täglich gut gefüllt und wurde definitiv in den Fahrplan aufgenommen.

«Verbesserungen im öffentlichen Verkehr sind nicht von heute auf morgen zu haben. In diesem Bereich wird langfristig geplant und deshalb braucht man einen langen Atem», sagt Fredy Zobrist. Den hat er gehabt. Zum Beispiel beim Südbahn-Express, dem direkten Anschluss des Freiamts ans Jahrhundertbauwerk Neat.

Zobrist hat im Freiamt viele Spuren hinterlassen

Am Sonntag, 13. Dezember 2020, um 8.48 Uhr ist erstmals ein solcher Zug in Aarau los- und durch das Freiamt nach Arth-Goldau gefahren. Jedes Wochenende sind Freiämter (und Aargauer) Bahnreisende jetzt in etwas mehr als zwei Stunden in Lugano. Rund 20 Jahre lang hat Fredy Zobrist für eine solche Verbindung gekämpft. Deren Realisierung bezeichnet er denn auch als «eines der grössten Erfolgserlebnisse in meiner Zeit als Präsident der Kommission ÖV Freiamt».

Trotz vieler Rückschläge und einiger noch unerfüllter Anliegen zieht Fredy Zobrist zum Abschied eine positive Bilanz: «Ich habe – zusammen mit anderen Beteiligten – über all die Jahre viel Zeit investiert, aber es hat sich gelohnt. Wir haben zusammen viel erreicht.» Dennoch gäbe es weiterhin viel zu tun. Er sei überzeugt, dass dafür mit Reto Widmer der richtige Nachfolger gewählt worden sei.

Fredy Zobrist hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht für den öffentlichen Verkehr stark engagiert, sondern im Freiamt weitere Spuren hinterlassen. Etwa bei der Organisation «Erlebnis Freiamt», wo er den Bereich Velowege und -touren aufgebaut hat und bis heute betreut. Oder beim Historischen Handwerk- und Mittelaltermarkt in Bremgarten, die als Teil des traditionellen Markts der Vielfalt sein Kind sind, wird sich der 77-Jährige weiterhin mit viel Leidenschaft engagieren.