Mit 1000 Lichtern in Zug gegen Gewalt gegen Frauen

Mit der Aktion Lichterkette wurde am Sonntag die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» eingeweiht. Auch in Zug sind zu viele Personen betroffen, heisst es bei der Herberge für Frauen.

Laura Sibold
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Bernadette Kannewischer (links) und Regula Grünenfelder inmitten der Lichterkette am Zuger Alpenquai. (Bild: Stefan Kaiser, 24. November 2019)

Bernadette Kannewischer (links) und Regula Grünenfelder inmitten der Lichterkette am Zuger Alpenquai. (Bild: Stefan Kaiser, 24. November 2019)

Heute ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Damit startet die UN-Kampagne «Orange the World», die bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember dauert. In Zug werden die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» von den Organisationen Triangel-Beratung, Soroptimist Zug, Frauenzentrale, Frauenkirche Zentralschweiz, Pallas Selbstverteidigung und der Herberge für Frauen unter dem Slogan «Frauen sind unschlagbar» organisiert.

Bernadette Kannewischer, Präsidentin der Betriebskommission der Herberge für Frauen und Stiftungsrätin der Stiftung Liebfrauenhof Zug, verrät im Interview, wieso häusliche Gewalt auch im Kanton Zug noch ein zu grosses Thema ist.

Am Sonntag leuchteten entlang der Zuger Seepromenade wieder über 1000 Windlichter. Haben Sie auch beim Anzünden geholfen?

Ich war vor Ort, um die Aktion Lichterkette einzuweihen. Es ist wichtig, ein Zeichen für ein friedvolles Zusammenleben im Kanton zu setzen. Die Kampagne ist wichtig, um die Bevölkerung für häusliche Gewalt zu sensibilisieren – das Thema galt viel zu lange als tabu.

In der Schweiz ist mehr als jede fünfte Frau von Gewalt betroffen, Tendenz steigend. Bahnt sich ein Problem an?

Rund 90 Prozent der Frauen, die zu uns in die Herberge für Frauen kommen, sind in irgendeiner Form von Gewalt betroffen. Dass die Zahl zugenommen hat, kann aber auch damit zu tun haben, dass sich Frauen heute mehr trauen, sich zu melden.

Welche Frauen kommen zu Ihnen und aus welchen Gründen?

Alle Frauen, mit oder ohne Kinder, unabhängig von Nationalität und Religion, finden in Notsituationen bei uns Aufnahme. Die meisten sind von Gewalt betroffen, einige von Zwangsheirat oder Frauenhandel.

Wie kommen betroffene Frauen ins Frauenhaus?

Unser Haus ist 365 Tage im Jahr 24 Stunden geöffnet. Über die Telefonnummer 041 727 76 86 findet der Erstkontakt statt. Es kann eine Betroffene sein, eine involvierte Fachstelle oder die Polizei, die aufgrund einer Eskalation ausrücken musste.

Wie werden die Frauen geschützt?

Unser Haus ist gut gesichert und die Adresse geheim. Bei einer akuten Gefährdung ist die Polizei sehr schnell vor Ort. Mit den Frauen werden Sicherheitsmassnahmen wie Ausschaltung der Handyortung und Verpflichtung zur Geheimhaltung des Standortes besprochen.

Was erwartet die Frauen beim Eintritt?

In erster Linie geht es darum, dass sich die Frauen und ihre Kinder in Sicherheit fühlen, sich beruhigen und wieder mal ohne Angst schlafen können. Bei uns arbeiten drei Sozialarbeiterinnen, die mit den Frauen die Situation klären und eine mögliche Strategie für die Zukunft erarbeiten. Eine Sozialpädagogin unterstützt die Frauen bei der Betreuung ihrer Kinder, die oft verängstigt und traumatisiert sind. Zusätzlich werden die Frauen und Kinder von Alltagsbetreuerinnen begleitet.

Wie lange können die Frauen in der Herberge bleiben?

Bis zu einem halben Jahr, im Durchschnitt sind sie aber etwa vier Wochen bei uns. Wir haben Platz für maximal acht Frauen und ihre Kinder. Wichtig ist vor allem, dass sich die Situation beruhigen kann. Es gibt immer wieder Frauen, die nach einem Vorfall zuerst zu ihrem gewalttätigen Ehemann zurückgehen. Viele brauchen mehrere Anläufe, um sich lösen zu können. Umso wichtiger ist unsere Anlaufstelle, sie wird geschätzt.

Am 29. November und 5. Dezember findet um 18 Uhr eine Mahnwache auf dem Bundesplatz in Zug statt. Weitere Infos: www.frauen-sind-unschlagbar.ch