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Mit Bildern den Glauben begreifen

Carmen Indergand-Bira hat vor Jahren in Rumänien ihre Leidenschaft für die Hinterglas-Ikonenmalerei entdeckt. Die traditionellen Kunstwerke gelten als Spiegel des ikonografischen Kanons der Ostkirche.
Benno Bühlmann
Seit vielen Jahren malt die gebürtige Rumänin Carmen Indergand-Bira traditionelle Ikonen mit Hinterglas-Technik.

Seit vielen Jahren malt die gebürtige Rumänin Carmen Indergand-Bira traditionelle Ikonen mit Hinterglas-Technik.

Es ist Dienstagvormittag, 9.30 Uhr. Im Arbeitsraum «Zum Felsen» der Ateliergemeinschaft im Luzerner Wesemlinquartier ist Carmen Indergand-Bira gerade damit beschäftigt, mit einem feinen Pinsel rote Farbe auf eine Glasplatte aufzutragen. Auf dem Bild vor ihr ist der biblische Prophet Elija zu sehen, der in einem Wagen zum Himmel fährt. An der Wand im Hintergrund hängen zahlreiche farbenfrohe Bilder mit vielfältigen biblischen Motiven, beispielsweise die Darstellungen der Gottesmutter Maria, die Geburt Jesu mit der heiligen Familie und den drei Königen, Palmsonntag, das letzte Abendmahl, die Auferstehung Jesu und das Pfingstereignis in Jerusalem, gemalt auf goldenem Hintergrund.

Da braucht es nicht viele Erklärungen, um zu erkennen, dass hier eine passionierte Ikonenmalerin am Werk ist. Der Atelierraum ist ein Ort der Ruhe und der Einkehr, auch die Umgebung wirkt inspirierend auf den gestalterischen Prozess: Beim Malen fällt der Blick der Künstlerin durch das Fenster auf den von Pflanzen bewachsenen Felsen, der zum Meditieren und Nachdenken einlädt.

Rumänische Hinterglas-Ikonen

Ihre Leidenschaft für das alte Handwerk der Ikonenmalerei hat sie vor mehr als 20 Jahren in ihrer alten Heimat in Südosteuropa entdeckt: Carmen Indergand-Bira ist in einem rumänischen Dorf in der Nähe von Bukarest aufgewachsen. Nach ihrem Ingenieur-Studium zur Automatisierung industrieller Prozesse absolvierte sie an der Universität in Bukarest noch eine weitere Ausbildung als bildende Künstlerin. Später führte sie ein Kunst-Stipendium der Pro Helvetia in die Schweiz, wo sie nun seit 2001 wohnhaft ist. Sie ist mit einem Schweizer verheiratet und sorgt für vier Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren.

«Die so genannten Hinterglas-Ikonen sind sehr typisch für mein Heimatland Rumänien», erklärt Carmen Indergand. Während die Ikonen der byzantinischen Tradition normalerweise auf Holz gemalt oder in Form von Mosaiken gestaltet werden, sind in Rumänien Malereien auf Glas sehr verbreitet. Die Tradition der Hinterglasikonen stammt ursprünglich aus dem bäuerlichen Siebenbürgen vor allem des 19. Jahrhunderts und aus der Bilderwelt der orthodoxen Rumänen. Sie sind ein Spiegel des ikonografischen Kanons der Ostkirche, geprägt durch Volkskultur und Maltechnik. Darin kommt das Verlangen der Menschen nach bildlicher Vergegenwärtigung des Heiligen zum Ausdruck. Vor allem für Menschen, die in vergangenen Zeiten häufig nicht lesen und schreiben konnten, waren Ikonen stets ein geeignetes Medium, um ihnen biblische Geschichten zu vermitteln und den Glauben anschaulich und damit «begreifbar» zu machen.

Anders als bei einem Gemälde auf Holz wird die Farbe auf der Rückseite der Flachglasscheibe aufgetragen, wobei alle Motive und Schriftzüge seitenverkehrt gemalt werden und auch die Reihenfolge der Arbeitsschritte umgekehrt wird: Zuerst werden die Konturen gezeichnet, dann die Schraffuren und Schatten, Beschriftungen und Details, danach werden die Motive ausgemalt, und ganz zum Schluss schliesst der Hintergrund die restliche Bildfläche.

Christlich-orthodoxe Glaubenspraxis

Das Malen von Ikonen hat indessen nicht nur mit technischem Können zu tun, sondern ist auch ein spiritueller Vorgang, der stets einen Bezug zur christlich-orthodoxen Glaubenspraxis haben sollte. So spielen Ikonen auch in der Liturgie der orthodoxen Christen eine zentrale Rolle, wie Carmen Indergand-Bira bestätigt. So hat sie auch zwei Ikonen für die rumänisch-orthodoxe Gemeinschaft «Mariä Geburt» in Luzern gemalt, welche im wöchentlichen Gottesdienst in der Steinmattli-Kapelle in Horw Bestandteil des Gottesdienstes sind. «Mir persönlich bedeutet die mystische Atmosphäre der orthodoxen Liturgie mit Weihrauchduft, Ikonen und gemeinsamem Singen sehr viel, weil ich hier ein Stück Heimat erfahren kann.»

Heilende Kraft der Kunst

Neben ihrer künstlerischen Arbeit als Ikonenmalerin betätigt sich Carmen Indergand auch als Maltherapeutin, weil sie von der «heilenden Kraft der Kunst» überzeugt ist: «In meiner Rolle als Maltherapeutin vertraue ich der kreativen Kraft im Menschen, die viel Positives bewirken kann.» Auf diese Weise könnten die Menschen den inneren Bildern einen Ausdruck geben, die eigenen Gefühle zulassen und sich selber besser kennen lernen. «Bei diesem Prozess wirke ich wie eine Hebamme, die beim kreativen Prozess als Geburtshelferin mitwirkt und die Freude an der Veränderung fördert», so Carmen Indergand.

Vom 1. bis 11. November zeigt Carmen Indergand-Bira im Rothenburgerhaus (neben der Hofkirche) in Luzern rund 40 Hinterglas-Ikonen zu wichtigen Festen des Kirchenjahres. Die Vernissage zur Ausstellung findet am Donnerstag, 1. November, um 14 Uhr statt. Offen am 2./3./4./9./10./11. November jeweils von 14 bis 18 Uhr.

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