Mit den Patienten auf Augenhöhe: Gespräch über Klinikseelsorge in Oberwil

Am Wochenende fand der traditionelle Basar der Klinik Zugersee in Oberwil statt. Dabei gaben der Klinikseelsorger Alois Metz und der Chefarzt Josef Jenewein Einblick in ihre Arbeit. 

Dorotea Bitterli
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Alois Metz, Klinikseelsorger (links) und Chefarzt Josef Jenewein im Gespräch.

Alois Metz, Klinikseelsorger (links) und Chefarzt Josef Jenewein im Gespräch.

Roger Zbinden, Oberwil, 30. November 2019

«Unser Adventsbasar findet bereits zum 45. Mal statt!», strahlt Gabriela Kaufmann, die Kommunikationsverantwortliche der Klinik Zugersee in Oberwil. Viele Menschen haben sich am Samstagmorgen im 5. Stock der Psychiatrischen Klinik eingefunden. In der Cafeteria feiern ehemalige Patienten und Angehörige Wiedersehen bei Kaffee und Kuchen. Stände mit Patientenhandwerk, Flohmarkt und Secondhandshop, Kerzenziehen und Kasperlitheater, Raclette-Stübli, Buure-Buffet und Tombola bilden Attraktionen für Jung und Alt.

Mittendrin der Informationsstand der Triaplus AG. Sie vereint die psychiatrische Grundversorgung der Kantone Uri, Schwyz und Zug. Ambulante und teilstationäre Psychiatrie- und Psychotherapiestationen gibt es in Baar, Goldau, Lachen, Einsiedeln, Schwyz, Pfäffikon, Altdorf und Schattdorf, stationäre Behandlungen werden jedoch nur in der Klinik Zugersee durchgeführt. CEO Erich Baumann weist auf eine Plakette an der Wand hin: Das ehemalige Franziskusheim der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf ging erst 2017 in den Besitz der Triaplus AG über, deren Aktionäre ausschliesslich die drei Konkordatskantone sind. Eine pionierhafte Zusammenarbeit.

Station für junge Erwachsene eröffnet bald

Das ermöglicht neue Angebote. Daniel Mohr, Leiter Pflegedienst, führt eine Besuchergruppe durch die Räume der zukünftigen «Station für junge Erwachsene», welche am 1. Januar 2020 eröffnet werden soll. «15 Prozent aller psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 15. Lebensjahr, 75 Prozent davon vor dem 25. Lebensjahr», berichtet er engagiert. «Frühbehandlung ist daher ein hohes Anliegen.»

Innere Motivation und berufliches Feuer ist auch greifbar, als sich um 11 Uhr Chefarzt Josef Jenewein und Klinikseelsorger Alois Metz zu einem Gespräch über «Klinikseelsorge: Was ist das?» treffen. Sie haben keine leichten Berufe. Beide müssen sie – gegen Skepsis und Vorurteile – die Brücke zu Menschen finden, die in grossen seelischen Nöten bei ihnen landen. Jenewein nennt Depressionen, Sucht- und schizophrene Erkrankungen als die Hauptgruppen, welche er zu behandeln hat. «Zuerst muss ich genau zuhören und fragen, daraus die Diagnose und Therapie entwickeln», schildert er. «Ich wählte bewusst eine Fachrichtung, welche Zeit für die leidenden Menschen aufwenden darf.»

Ringen um die richtigen Entscheide

Auch Alois Metz verbringt Zeit mit ihnen, «mindestens eine Stunde für ein Gespräch», sagt er. Er lädt sie ein, die Wanderschuhe anzuziehen, nimmt sie in den Park mit, hört ihren Geschichten zu, erzählt ihnen heilsame Geschichten. Er sieht sich als Begleiter suchender Menschen, als selbst Suchenden. Jenewein und Metz teilen ein ähnliches Menschenbild. «Ich habe die Expertise, der Patient hat die Wahl», sagt Jenewein. «Auch kranke Menschen haben gesunde Anteile, Ressourcen, die mich interessieren», so Metz. Beide Seelsorger – der eine Arzt, der andere Pfarrer – wollen den Erkrankten auf Augenhöhe begegnen, fern jeder paternalistischen Dominanz. Aber manchmal müssen Menschen phasenweise vor sich selbst beschützt werden. Die Profis in der Klinik Zugersee machen sich die Gratwanderung zwischen Eingriff in und Respekt vor menschlicher Autonomie nicht leicht, ringen in intensiver Teamarbeit um die richtigen Entscheide. Das in seiner Tiefe und Weite beeindruckende Gespräch hätte ein grösseres Publikum verdient.

Weitere Informationen gibt es unter www.triaplus.ch