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Ein Edlibacher und eine Neuheimerin reisen mit einem alten «Saurer» um die Welt

Rebecca Strickler und Patrick Hegglin haben einen Lastwagen mit Jahrgang 1976 zu einem gemütlichen Camper umgebaut. Jetzt fährt das abenteuerlustige Paar damit los Richtung Osten – mit dem Ziel, nach Australien zu gelangen.
Rahel Hug
Weltreise: Rebecca Strickler und Patrick Hegglin gehen mit ihrem umgebauten Saurer-Lastwagen auf Weltreise. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 27. Mai 2019)

Weltreise: Rebecca Strickler und Patrick Hegglin gehen mit ihrem umgebauten Saurer-Lastwagen auf Weltreise. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 27. Mai 2019)

Stehen Rebecca Strickler und Patrick Hegglin vor ihrem Camper, wirken sie fast wie Ameisen. Das riesige Wohnmobil, mit dem das Paar dieses Wochenende zu einer Weltreise aufbrechen wird, ist 3,8 Meter hoch und 8,5 Meter lang. Und es ist nicht irgendein Fahrzeug, sondern ein alter Saurer-Lastwagen mit Jahrgang 1976 und Rechtslenkung, den die beiden in den letzten Monaten in Eigenregie zu einem gemütlichen Zuhause auf vier Rädern umgebaut haben.

Es war schon immer ein Wunsch von Patrick Hegglin, mit einem grossen Gefährt im Ausland unterwegs zu sein. Der 25-jährige Edlibacher arbeitete bis vor einem Monat als Lastwagenchauffeur, er hat die Ausbildung als Lastwagenmechaniker absolviert. Seine Freundin Rebecca Strickler (24), sie ist gelernte Bäcker-Konditor-Confiseurin und wohnt in Neuheim, hat in den letzten Jahren ebenfalls Gefallen am Reisen gefunden, wie sie erzählt. Die Idee, ihren eigenen Camper zu bauen, ihre Jobs zu kündigen und einfach einmal loszufahren, reifte in den letzten anderthalb Jahren in den Köpfen der beiden heran.

«Uns war wichtig, dass es gemütlich wird»

Das abenteuerlustige Paar – die zwei sind seit acht Jahren zusammen – hat bereits eine dreiwöchige Reise nach Skandinavien in einem selbst ausgebauten Sprinter hinter sich. Doch das aktuelle Projekt erreicht noch viel grössere Dimensionen. Den Aufbau des 2DM-Lastwagens, der früher im Militär eingesetzt wurde, haben sie komplett selber zusammengezimmert. «Uns war wichtig, dass es gemütlich wird», erzählt er, und sie fügt an: «Mein Freund legte wert auf eine geräumige Dusche, ich auf eine grosse Fläche zum Kochen.» Die Küchenschränke, die sie eingebaut haben, sind gleich alt wie Patrick Hegglin. «Wir konnten sie von meiner Grossmutter übernehmen», berichtet er im Gespräch.

Viele gute Ideen, zahlreiche Skizzen und Pläne, helfende Hände, eine regelrechte Materialschlacht und unzählige Stunden Arbeit waren nötig, bis der in den Zuger Farben blau und weiss lackierte Camper fertig war. Auf dem Dach ist eine Solaranlage installiert, die beispielsweise Strom für den Kühlschrank liefert. Unter dem Fussboden befinden sich Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von etwa 500 Liter. «Wir könnten wohl etwa drei Wochen abseits der Zivilisation überleben», hat Rebecca Strickler ausgerechnet. Zuhinterst befindet sich ein grosser Stauraum für die Mountain-Bikes. «Wir sind beide sehr gern in der Natur», erklärt Patrick Hegglin. «Es war für uns klar, dass wir die Reise nicht ohne unsere Velos antreten.»

Auch das Snowboard haben die Outdoor-Begeisterten im Gepäck. «Wir werden wahrscheinlich alle Jahreszeiten erleben», sagt Rebecca Strickler. Und wohin führt denn die Reise genau? Zunächst geht es in Richtung Osten. Auf dem Programm stehen Griechenland, die Türkei, Georgien, Armenien, Russland, die Mongolei, Kasachstan, Kirgisistan, danach Iran, allenfalls Pakistan, Indien und Thailand. Das langfristige Ziel ist es, nach Australien zu gelangen. «Doch wir lassen es auf uns zukommen. Wenn es uns irgendwo gefällt, bleiben wir einfach länger», erzählt Rebecca Strickler. Sie rechnen ungefähr mit einem Jahr Reisezeit. «Doch wer weiss, vielleicht werden es am Schluss zwei.» Da beide noch daheim bei ihren Eltern wohnen und seit längerem berufstätig sind, konnten sie genügend Geld für das Projekt auf die Seite legen.

Die beiden Zuger wirken spontan und offen. «Wenn es mit dem Englisch nicht mehr klappt, lernen wir auf der Reise Russisch», sagt sie. Und er: «Meine Schwester, die einen Teil der Reise mit dabei sein wird, klärt für uns wichtige Visa-Fragen. Das wird schon gut kommen.»

Für Nervosität bleibt keine Zeit

Um andere an ihrer aussergewöhnlichen Reise teilhaben zu lassen, haben «Pedekkas», wie sich die zwei nennen, den Instagram-Account «Weltumsaurerung» eröffnet. «Wir möchten eine Art Tagebuch führen», verrät Patrick Hegglin. Allenfalls starten sie auch noch mit einem Blog. «Doch wir werden wahrscheinlich nicht regelmässig updaten können. Erstens, weil wir wohl oft ohne Netz sein werden und zweitens, weil wir vor allem den Moment geniessen wollen.» Man glaubt ihm sofort, dass ihnen das gelingen wird. Auf die Frage, ob sie denn nicht nervös seien, sagen beide mit einem Lachen: «Nein, dafür haben wir im Moment gar keine Zeit.» Vielmehr können sie es nicht erwarten, wenn sie den lärmenden Dieselmotor endlich starten und losfahren können.

Hinweis

Rebecca Strickler und Patrick Hegglin dokumentieren ihre Vorbereitungen und schliesslich die Reise auf dem Instagram-Kanal «Weltumsaurerung».

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