Kolumne
Mit Fröschen aufgewachsen

Redaktorin Vanessa Varisco erinnert sich an die Fröschenzunft-Traditionen ihrer Kindheit in Inwil.

Vanessa Varisco
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Redaktorin Vanessa Varisco

Redaktorin Vanessa Varisco

Glupschaugen, wunderliche Hüte und bunte Hosen – das zeichnet die vielen wilden Zunftfrösche aus, die rund um das kleine Dorf Inwil derzeit aufgestellt sind. Ausgesägt aus Holzplatten und bunt bemalt zieren sie, seit ich denken kann, zur fünften Jahreszeit den Ortsrand. Die Fröschenzunft ist für mich ein Stück Kindheit.

Es sind aber nicht nur die Holztafeln, die draussen stehen, wenn das bunte Treiben losgeht. Mit grossem Stolz werden überall Fahnen mit Froschmotiven gehisst: Man wird zu dieser Zeit kaum einen Balkon sehen, von dem keine Fahne der Fröschenzunft Ebel herunterhängt. Und die Gärten sind natürlich voller Gartenfrösche, selbst in den Treppenhäusern werden die aus Keramik geformten Figürchen stehen und einem frech entgegengrinsen.

Als Kind war die Euphorie über die vermenschlichten Amphibien noch weitaus grösser. Zur Fasnachtszeit drehte sich alles um die Frösche, schon im Kindergarten. Gut erinnern kann ich mich nämlich daran, dass zur fünften Jahreszeit hin ein Froschkissen gebastelt werden sollte. Der gestopfte Kollege ist mittlerweile im Keller verstaut, da er alles andere als ansehnlich ist. Da ich zu viel Watte zwischen die zwei Lagen Stoff gedrückt hatte, bekam er ein unglaubliches Mondgesicht. Das aufgenähte Lächeln mit der heraushängenden Zunge ist schief bis irre, und die aufgeklebten Kulleraugen blicken wirr in alle Richtungen. Nun ja. Künstlerisch begabt war ich damals – genau wie heute – nicht.

Glücklicherweise ging es aber nicht nur ums Basteln. Als Frosch verkleidet an einem Umzug mitzumarschieren, gehörte selbstverständlich ebenfalls dazu. Trotz aller Loyalität den Fröschen gegenüber schlüpfte ich aber zugegebenermassen nicht immer in deren Haut zur Fasnachtszeit. Häufiger warf ich mich in die Garderobe einer Prinzessin. In Dutzende Lagen Stoff gehüllt besuchte ich viele Umzüge. Aber ich hütete mich davor, einen Frosch zum Prinzen zu küssen. Nicht, weil es mich geekelt hätte, nein. Frösche mit Glupschaugen und glitschiger Haut waren – und sind – mir als Inwilerin einfach lieber als Prinzen mit Krönchen und Knall.