Mit ihm ists feucht und fröhlich

Urfasnächtler Marcel I. Feuchter besteigt in Baar den Thron des Räbevaters. Dazu gibts unnachahmliches Glocken- geläut und eine varieté- würdige Show.

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Mit dem Zepter in der rechten Hand und der Räbe in der linken kommt der neu erkorene Räbevater Marcel I. Feuchter in den Genuss von witzigen Huldigungen. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Mit dem Zepter in der rechten Hand und der Räbe in der linken kommt der neu erkorene Räbevater Marcel I. Feuchter in den Genuss von witzigen Huldigungen. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Der mit blauen, roten und weissen Ballons geschmückte Baarer Gemeindesaal ist am Samstagabend vollständig besetzt, als Stefan Weber, Präsident der Fasnachtsgesellschaft, die Inthronisation von Marcel I. Feuchter eröffnet. Kurz darauf fordert Zeremonienmeister Urs Odermatt den noch amtierenden Räbevater Andreas I. Hotz auf, seine fasnächtlichen Insignien abzugeben. Andreas I. quittiert die Aufforderung erst mit einem heftigen Kopfschütteln, ehe er eine Träne verdrückt und verkündet: «Ich gebe meine Regentschaft nur ungern ab. Zeitweise habe ich sogar geplant, mich an den Thron zu ketten. Aber die gewalttätigen Umstürze in den arabischen Ländern haben mich bewogen, friedlich das Feld zu räumen.» Das sei gut so. Es erspare ihm, in absehbarer Zeit über einen Fasnachtsskandal zu stolpern, befand der verbal zu Hochform auflaufende Zeremonienmeister.

«Simulantenkopf»

Applaus brandete auf, als sich Marcel Feuchter wenig später vor dem Räbechöng verbeugt und den Thron des Räbevaters besteigt. Der Zeremonienmeister berichtet von mehreren Streichen des designierten Räbevaters, der beruflich als Head of Simulation der Sky Guide im Flughafen Zürich-Kloten tätig ist. «Frei übersetzt als Simulantenkopf», sagt Urs Odermatt süffisant lächelnd. Marcel I. Feuchter nimmt es schmunzelnd zur Kenntnis. Nach der Entgegennahme der fasnächtlichen Hoheitszeichen bekennt Marcel I.: «Es ist mir eine grosse Ehre, Räbevater sein zu dürfen. Ich liebe das Räbevolk – ich liebe euch», ruft er in den Gemeindesaal.

Witzige, humorvolle Huldigungen

Mit dem Zepter in der rechten Hand und der Räbe in der linken kommt der neu erkorene Räbevater in den Genuss von 20 witzigen Huldigungen. Ein kleiner Ausschnitt: Die ehrwürdige Gilde der Räbeväter, der auch der Zuger Sicherheitschef, Regierungsrat Beat Villiger angehört, singt: «Hesch Durscht, de trink es Baarer Bier, das erlaubt au d Zuger Schmier.»

Villiger meint danach: «Bei dieser Liedpassage habe ich weggeschaut.» Marcels Tanten und Onkel in kirchlichem Ornat beten eine wahre Litanei auf das fäsnachtliche Oberhaupt und seine Räbemutter Doris, die strahlend inmitten des Publikums sitzt. Papas Männerriege-Kollegen schiessen den Vogel mit einer varietéwürdigen Transvestitenshow ab, während die Koch- und Weinrunde Cento Punti die Glocken von Rom auf unnachahmliche Art erklingen lässt. Das Publikum krümmt sich schier vor Lachen und hofft dabei wohl, dass der empfindlichste Körperteil der Glockenläuter keinen Schaden erleidet.

Nacht ist noch lange nicht vorbei

Das Show-Orchester Pfötlis Air Control und mehrere Guggenmusigen sorgen den ganzen Abend hindurch für fasnächtliche Kakaphonien. Die Nacht ist noch lange nicht vorbei, als sich Marcel I. um Punkt 0.44 unter sein Räbevolk mischt, um mit ihm seinem Motto für die Fasnacht «feucht, fröhlich und meh» Nachdruck zu verleihen.

Martin Mühlebach